Dalai Lama: Was ein Gründer von ihm lernen kann

Dalai Lama: Was ein Gründer von ihm lernen kann

Der Dalai Lama – Sinnbild für den Wunsch nach einem besseren, erfüllteren Leben. Er kann nicht nur den Menschen allgemein mit gutem Rat zur Seite stehen und ihnen Tipps geben, wie sie ihr Leben sinnvoller gestalten können. Der Dalai Lama ist auch der ideale Ratgeber für Existenzgründer und Unternehmer, die das Streben nach Gewinn mit einem erfüllten Leben verbinden möchten. Im Jahre 2013 weilte der Dalai Lama für fünf Tage in der Schweiz. Zum Aktivitätenprogramm gehörten damals Unterweisungen, Initiationen und Vorträge. Ein Treffen mit dem Bundesrat war allerdings nicht geplant, wobei eher Parlamentarier das geistliche Oberhaupt der Tibeter empfingen.

Dalai Lama: Reichtum ist nicht schlecht

Der Dalai Lama sagt von sich selbst, dass er ein marxistischer Mönch sei, dennoch gibt es für ihn keine Alternativen zur Globalisierung und Marktwirtschaft. Dass die Menschen nach Reichtum streben und dass es diesen auch gibt, ist per se nichts Schlechtes, sagt er. Es spielt jedoch eine Rolle, wie dieser Reichtum verwendet wird. Wohlstand sollte gerecht verteilt werden, dafür setzt sich der Dalai Lama schon seit vielen Jahren ein. Dafür und für die Unabhängigkeit Tibets, welches seit 1959 durch die Chinesen besetzt ist und von diesen als Landesteil gesehen wird.

Der Dalai Lama lehnt die Gier ab, die nur für einen Menschen persönlich bestimmt ist. Wenn andere von dieser Gier profitieren, ist sie wiederum eher gerechtfertigt. Niemand sollte für sich und seine Firma das meiste wollen – und für alle anderen den mageren Rest. Reiche Menschen sollten nicht versuchen, immer mehr Geld anzuhäufen, sondern dieses gerecht verteilen und damit helfen, die Armut auf der Welt zu reduzieren.

Video: His Holiness The Dalai Lama – Switzerland 2013

Tipps für Unternehmenschefs

Der Dalai Lama kann es nicht nachvollziehen, wenn jemand Reichtümer anhäuft und sich selbst daran bereichert. Das Unternehmen kann derweil in den Konkurs schlittern? Die Angestellten werden gekündigt oder können aufgrund niedriger Löhne keinen vernünftigen Lebensstandard halten? Das ist nach Aussage des Dalai Lama nicht in Ordnung. Wichtig für Unternehmen ist, dass sie nicht nur nach Gewinn streben, sondern dass der Gewinn die Belohnung für harte Arbeit ist.

Abzulehnen ist hingegen, wenn Unternehmen stets versuchen, die Produktionsmethoden so billig wie möglich anwenden zu können, in Billiglohnländer ausweichen und den Lebensstandard der Menschen, die in anderen Ländern für das eigene Unternehmen arbeiten, nicht berücksichtigen. Es sollte die moralische Verpflichtung der Unternehmen sein, für einen besseren Standard der Angestellten zu sorgen. Wer dem Land als Ganzes hilft oder wenigstens für seine Angestellten einen Gewinn darstellt, kann auch von günstigen Lohnbedingungen profitieren oder seinen Gewinn stetig steigern.

Selbstverwirklichung für Unternehmer

Wer als Existenzgründer eine Idee hat und diese in seiner Selbstständigkeit umsetzen möchte, versucht zuerst einmal, sich selbst zu verwirklichen. Laut Dalai Lama reicht es den Menschen nicht, nur ein Dach über dem Kopf und genügend zu essen zu haben. Sie müssen sich verwirklichen können, eigene Ideen entwickeln und ausbauen dürfen, Erfolg haben und Gewinne einfahren. Nur diejenigen, die am Ende erfolgreich sind, können auch anderen helfen. Insofern gibt der Dalai Lama jedem angehenden Unternehmer den Rat, die eigenen Ideen gewinnbringend durchzusetzen und damit erfolgreicher zu werden. Wird der dann eingefahrene Gewinn für die Allgemeinheit angewendet, ist das Streben nach Gewinn durchaus als sinnvoll zu bezeichnen.

Wichtig ist zudem, nicht „schön“ zu reden, sondern nur das zu sagen, was man wirklich meint. Gerade ein Unternehmer muss ehrlich sein – und auch dann zu seiner Meinung stehen, wenn diese vielleicht für andere unbequem sein mag. Kritikfähig muss ein Unternehmer sein, er muss Kritik von außen und auch Selbstkritik ertragen können. Ein wirklicher Erfolg kann sich nur dann einstellen, wenn an den eigenen Leistungen gearbeitet und die eigene Meinung immer wieder überdacht wird. Hybris ist gänzlich fehl am Platze, wenn jemand in der Wirtschaft erfolgreich sein möchte.

Mit dem Herzen dabei sein

Natürlich braucht das Gehirn Futter – das bekommt es schon in der Schule und im Studium. Doch auch im Alltag will es arbeiten dürfen – eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Unternehmer ist ständiges Denken und Nachdenken: über die eigene Situation, über die Wirtschaft im Allgemeinen, über das Wohl aller und über eigene Verbesserungsmöglichkeiten. Viele Dinge können in der Schule erlernt werden, doch moralische Verantwortung und Selbstverantwortung nicht. Für einen Unternehmer ist es daher laut Dalai Lama immer wichtig, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen dabei zu sein. Laut dem Weisen ist die Finanzkrise ein wichtiges Lehrmittel für alle diejenigen gewesen, die immer nur an das Geld gedacht haben. Was bleibt denn, wenn dieses keinen Wert mehr hat? Dinge, die im Herzen sind und für die sich – auch ein Unternehmer – persönlich einsetzt, hingegen bleiben auch ohne Geld bestehen. Sicherlich lässt sich nicht alles ohne die nötigen finanziellen Mittel lösen und in vielen Fällen ist ein ausreichendes Geldpolster auch die wichtigste Voraussetzung, um etwas umsetzen oder bewirken zu können. Doch die inneren Werte dürfen nicht vernachlässigt werden, denn nur sie bringen auf Dauer Glück und Stärke.

Der Dalai Lama, der übrigens zuletzt 2013 zu Gast in der Schweiz war (und auch in einigen Jahren davor), verteidigt seinen Ansatz, dass nur moralisch handelnde Unternehmen Erfolg haben können. Wer über die Fähigen regiert und seine Mitarbeiter bewusst „klein“ hält und einengt, muss damit rechnen, zu scheitern.

Erfolg ohne schlechtes Gewissen genießen

Der Dalai Lama rät allen Unternehmern und solchen, die es noch werden wollen, ihren Erfolg zu genießen. Ein schlechtes Gewissen ist hier fehl am Platze. Doch es sollte immer allen bewusst sein, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht. Unternehmensführer sollten daher alles dafür tun, dass die Armut anderer Menschen zumindest teilweise gemildert wird. Selbst für den Fall, dass das Leid der Menschen nur kurzfristig gelindert werden kann, sollte jeder versuchen, etwas für eine kleine Verbesserung der Welt zu tun.

Für einen Existenzgründer ist das Streben nach Erfolg nichts Schlechtes, denn nur durch Erfolg kann er am Markt bestehen. Er sollte daher sein ganzes Herzblut in sein Vorhaben und in die Verwirklichung seiner Idee stecken, sofern diese letzten Endes nicht nur ihn selbst voranbringt. Eigentlich selbstverständliche Dinge wie teilen, andere Menschen gut behandeln und Kritik annehmen, müssen auch für Unternehmer wieder normal werden. Der kleine Anfang ist in der Firma zu machen, wo Mitarbeiter unter guten Arbeitsbedingungen tätig sein sollten und wo die Unterstützung für weniger gut gestellte Menschen leicht ist. Von hier aus könnte sich dies auf alle anderen Menschen ausdehnen, dies ist zumindest die Hoffnung der gläubigen Buddhisten. Dass dies angesichts des Strebens nach stetiger Gewinnmaximierung zum eigenen Zwecke kaum möglich sein wird, sieht auch der Dalai Lama. Jedoch können gerade aus der buddhistischen Lehre viele hilfreiche Ansätze von Unternehmern und Start-ups entnommen werden, die auf Dauer Erfolg, Glück und Zufriedenheit bringen können.


Bildnachweis: © pixabay.com – monikawl999

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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