Ersol AG Aktie: Aufstieg und Fall eines Start-ups

Ersol AG Aktie: Aufstieg und Fall eines Start-ups

Ersol: Ein Erfurter Unternehmen geht im Jahr 1997 an den Start. Alles sieht vielversprechend aus, doch schon bald entwickelt sich ein Drama sondergleichen, was am Ende die Firma von der Bildfläche verschwinden lässt. Inzwischen ist die Ersol AG Aktie Geschichte und die Solartechnik spielt dort keine Rolle mehr.

Ersol AG Aktie: Startschuss an der Börse

Ersol gehörte zu den ersten Unternehmen, die aus der Solarbranche startend einen Weg an die Börse fanden. Es war groß in den Nachrichten, als die Ersol AG Aktie mit großem Aufsehen startete und bereits nach einem Tag den Wert um 55 Prozent steigern konnte. Es dauerte damals nur wenige Tage, dann waren alle Aktien platziert und das Gesamtvolumen somit ausgeschöpft. Die Emissionserlöse betrugen rund 177,5 Millionen Euro, ein Wert, der sich durchaus sehen lassen konnte.

Natürlich bestanden die ganze Zeit über große Hoffnungen auf einen Erfolg beim Börsengang, doch dass die Erwartungen derart übertroffen werden könnten, damit hatte wiederum niemand gerechnet. Schon bald wurden Stimmen laut, die anhand der aktuellen Finanzen eine Expansion der Firma forderten, dafür war der Börsenerfolg natürlich sehr gut. Monatelang wuchs Ersol nun und intern nahmen die Pläne zur Firmenerweiterung immer mehr Gestalt an. Umsatz und Nettogewinn stiegen und die Firma Bosch wurde auf Ersol aufmerksam. Die Ersol AG Aktie lief immer noch gut und Bosch fand Möglichkeiten, sich Stück für Stück in Ersol einzukaufen.

Dies dauerte bis zum Jahr 2009, dann gingen die letzten Aktien in den Besitz des Stuttgarter Unternehmens über. Die Umbenennung von Ersol in die Bosch Solar Energy AG war die Folge und Ersol galt nun als Tochter des Stuttgarter Großkonzerns. Die Mitarbeiter wurden auf drei Standorte verteilt: Arnstadt, Brandenburg an der Havel und Venissieux (Frankreich). Das Werk in Erfurt wurde zum Ende des Jahres 2012 geschlossen, damals zeigten sich auch die ersten Probleme. Analysen belegen, dass es dort bereits an der Zeit gewesen wäre, einzugreifen und für eine neue Richtung zu sorgen.

Die Umbenennung von Ersol in die Bosch Solar Energy AG war die Folge und Ersol galt nun als Tochter des Stuttgarter Großkonzerns. (#01)

Die Umbenennung von Ersol in die Bosch Solar Energy AG war die Folge und Ersol galt nun als Tochter des Stuttgarter Großkonzerns. (#01)

Ersol AG Aktie: Eine Pleite nach der anderen

Die Übernahme durch den Bosch-Konzern lief wie geplant, doch schon bald sahen die Finanzen nicht mehr gut aus. Ersol als Tochterunternehmen fuhr Verluste in Milliardenhöhe ein, wovon auch alle Sparten betroffen waren. Die Probleme weiteten sich aus und zu Anfang 2014 erfolgte die Einstellung sämtlicher Geschäftsaktivitäten von Ersol. Lediglich der Entwicklungsbereich der Dünnschicht-Technologien fiel der Schließung nicht zum Opfer, die wenigen Mitarbeiter dort arbeiten sogar bis heute für den ehemaligen Ersol Konzern.

Doch was waren die Gründe für die Auflösung von Ersol und für den Verfall der Ersol AG Aktie? Die Verantwortlichen waren der Meinung, dass der allgemeine Preisverfall, wie er überall für Solarzellen und –module auftritt, die Schuld trage. Es war von einem Preissturz von bis zu 40 Prozent die Rede. Der Konzern habe damals angeblich auf Hochtouren gearbeitet, konnte den Preisverfall jedoch nicht ausgleichen. Sämtliche Maßnahmen zur Kostensenkung griffen nicht. Auch die Möglichkeit, die Produktion zurückzufahren und nur noch spezialisierte Produkte anzubieten, wurde in Betracht gezogen, jedoch wieder verworfen. Binnen kürzester Zeit hatte der Bosch-Konzern durch Ersol über 2,4 Milliarden Euro verloren. Die Ersol AG Aktie hatte den Anlegern nur noch Verluste zu bieten.

Ersol AG Aktie: Konsequenzen für Anleger

Schon viele Firmen haben sich auf dem Weg nach oben verschätzt oder sind durch äußere Umstände zu anderen Wegen gezwungen worden. So auch in dem Bereich Solarenergie (Solarzellen und Solarmodule), der gerade in Deutschland im großen Stil ausgebaut wurde bzw. wird. Dabei ist es nicht die Solar Energy an sich, die Probleme macht, sondern eher die fehlerhafte Kostenaufstellung, mit der viele Firmenchefs und Anleger nicht gerechnet haben.

Ein wenig Blauäugigkeit sei so manchen Geschäftsleuten an dieser Stelle unterstellt, dazu kamen eine oftmals noch nicht ausgereifte Technologie und die Flut an neuen Firmen, die sich auf die Erkenntnisse der bereits existierenden Konzerne stützen und produktiver arbeiten konnten. Analysen wurden im großen Stil durchgeführt, diese zeigten die Fehler anderer, aus denen sich wunderbar lernen ließ. Was für die einen positiv war, bedeutete das Verderben anderer Firmen wie zum Beispiel Ersol.

Noch immer sind hohe Risiken mit Solar Energy verbunden und so viel Geld wird in scheinbar lukrative Geschäfte versenkt, die am Ende doch deutlich weniger interessant sind als zuerst gedacht. Investitionsmöglichkeiten gibt es indes viele, allerdings sollten sich die Anleger immer des hohen Risikos bewusst sein, das sie mit dem Kauf der Aktien eingehen. So, wie es bei der Ersol AG Aktie war, die nur anfänglich hohe Gewinne bescheren konnte. Ebenfalls zu bedenken ist, dass die alten Stromhersteller immer noch darauf bauen, am längeren Hebel zu sitzen und alles dafür tun, um im Geschäft zu bleiben. Neuen Firmen wird es schwer gemacht, im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland Fuß zu fassen.

Noch immer sind hohe Risiken mit Solar Energy verbunden und so viel Geld wird in scheinbar lukrative Geschäfte versenkt, die am Ende doch deutlich weniger interessant sind als zuerst gedacht. (#02)

Noch immer sind hohe Risiken mit Solar Energy verbunden und so viel Geld wird in scheinbar lukrative Geschäfte versenkt, die am Ende doch deutlich weniger interessant sind als zuerst gedacht. (#02)

Wichtig:

Egal, was die Nachrichten und Analysen sagen: Kein Anleger sollte auf den Zug aufspringen, der gerade jeden Euro in Gold verwandeln kann. Schnell wachsende Branchen bergen immer ein hohes Anlagerisiko, dessen sollte sich jeder bewusst sein. Wer das ignoriert, könnte sein angelegtes Geld schneller verlieren, als ihm lieb ist.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: Vaclav Volrab – #01: pcruciatti  – #02: pixbox77

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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