Feinstaub durch Kerzen: Belastung höher als durch Industrie

Feinstaub durch Kerzen: Belastung höher als durch Industrie

Feinstaub durch Kerzen, Landwirtschaft, Kraftwerke, Straßenverkehr und Industrie und seine schädlichen Auswirkungen ist längst im Bewusstsein der Menschen angekommen. Meist bringt man jedoch die Belastung durch Feinstaub mit Industrie, Straßenverkehr und Kraftwerken in Verbindung. Wohlfühlmomente im eigenen Heim wie knisterndes Kaminfeuer und heimeliger Kerzenschein verbannt unser Bewusstsein nur all zu gerne.

Feinstaub durch Kamine, Kerzen & Räucherstäbchen

Es ist nicht nur die Stimmung, die von Kerzen, Räucherstäbchen und dem flackernden Feuer im Kamin ausgeht. Auch lieb gewonnene Gewohnheiten wie die Zigarette möchte man nicht hinsichtlich ihrer Schädlichkeit hinterfragen. Dennoch ist es Fakt, dass gerade die vorgenannten Dinge zu denjenigen Feinstaubquellen in Innenräumen zählen, welche den meisten Feinstaub absondern. Hier ist ganz bewusst zu unterscheiden zwischen polemischer Panikmache, die gewiss nicht angesagt ist, und einer notwendigen Bewusstseinsbildung zum vorbeugenden Schutz unserer Gesundheit.

Wieso ist das so? Alljährlich zur Winterszeit häufen sich Berichte und Diskussionen um den Feinstaub in den Städten. Die Schuldigen sind auch schnell identifiziert: Emmissionen von Industrie und Straßenverkehr sowie Heizungsanlagen. Das ist auch sehr plausibel und wird oftmals nicht weiter hinterfragt. Dass die Grenzwerte für die Feinstaubbelastung gerade in den eigenen vier Wänden überschritten werden, geht gänzlich unter.

Fakten zu Feinstaub, Kerzen & Co.

Feinstaub bezeichnet durch Verbrennung erzeugte, kleinste Ruß-, Rauch- und Staubpartikel von einer Größe unter zehn Mikrometer – also kleiner als ein Hundertstel Millimeter. Atmet der Mensch diese Feinstaub-Partikel ein, kann so die Lunge geschädigt werden. Oftmals werden durch die Feinstaub-Partikel auch Allergien ausgelöst. Als Grenzwert gilt: der Anteil von Feinstaub in der Luft darf in Europa den Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (50 µg/m3) nicht übersteigen.

Anteil Emmittent
39,7 % Kleinverbraucher/Haushalte
38,2 % Industrie und Maschinen
7,5 % Landwirtschaft
5,2 % Diesel-PKW
5,1 % LKW und Busse
4,3 % Heiz- und Kraftwerke

Tabelle (statt Infografik): Prozentualer Beitrag der verschiedenen Verursacher von Feinstaub zur Gesamt-Belastung mit Feinstaub (PM 10). Quelle: ÖAMTC (Zahlen: 2010)

Was lesen wir aus dieser Tabelle heraus? Haushalte und und Industrie zeichnen für ca. 75% der Feinstaubbelastung verantwortlich. Emmissionen aus dem Verkehr sind durchaus beteiligt, jedoch vom Anteil her wesentlich geringer. Dennoch sind die Belastungen aus dem Straßenverkehr regelmäßig in der öffentlichen Diskussion zu finden.

Kamine, Kerzen, Zigaretten: ein wahrer stiller Killer

Die Industrie arbeitet aktiv an der Reduzierung des Ausstoßes an Feinstäuben und auch beispielsweise die Diesel-Pkw reduzieren ihre gefährlichen Feinstaubausstöße kontinuierlich. Ganz anders ist es bei den privaten Haushalten. Hier werden keinerlei Maßnahmen zur Begrenzung – geschweige denn zur Reduzierung – der Feinstaubemmission unternommen. Besonders in geschlossenen Räumen kommt es weiter zur ungeschützten Emmission der Feinstäube durch Kerzen, Räucherstäbchen, Zigaretten und Kaminfeuer.

Belastung durch Feinstaubquelle #1: Zigarettenrauch

Die Belastung in geschlossenen Räumen geht vor allem vom Rauch von Zigaretten aus. Untersuchungen haben ergeben, dass gerade in Wohnungen von Rauchern eine mittlere Feinstaubbelastung gemessen werden kann, die bis zu dreimal höher liegt als in der Außenluft. Raucher sorgen damit dafür, dass in ihrer Umgebung die sogenannte PM10-Belastung um 20 -50 µg/m3 steigt. Erinnern wir uns nochmals des Grenzwerts für die Belastung der Außenluft. Es sind exakt 50 µg/m3. In Wohnungen von Rauchern können sogar Spitzenkonzentrationen von bis zu 1.000 µg/m3 auftreten. Dies entspricht dem Zwanzigfachen des vorgenannten Grenzwertes, dessen Überschreitung Industrie und Verkehr ursächlich vorgeworfen wird. Hier wird bewusst, dass es für ein Umdenken Zeit wird.

Feinstaub durch Kerzen

Chronische und akute Atemwegserkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Probleme und Krebserkrankungen können die Folgen des Feinstaubs in der heimischen Wohnung sein, wenn diese durch einen behaglichen Kamin geziert wird. Besonders die kalten Jahreszeit lässt uns die Nähe zum Kamin suchen und Kerzen entzünden. Schön ist es schon, sinnvoll ist es nicht.

Während die Zigarette es bis zu 1.000 µg/m3 als Spitzenbelastung schafft, kommt das Räucherstäbchen auf immerhin noch mehrere 100 µg/m3 in der Raumluft. Von den Schadstoffen Benzol und Formaldehyd, die beim Verglühen der Bestandteile wie Sägemehl, Harz und Aromastoffen entstehen, haben wir noch gar nicht gesprochen. In Summe stehen Räucherstäbe damit den Glimmstengeln in nichts nach.

Brennende Kerzen vervielfachen die Menge der Feinstaubpartikel um das 10- bis 20-fache. Die von den Kerzen ausgehende Belastung bleibt auch länger erhalten als jene von anderen Emmittenten, nämlich über mehrere Stunden.

4 einfache Tipps zur Senkung der Feinstaubbelastung

  1. Verzichten Sie auf Räucherstäbchen in Kleinsträumen wie dem WC.
    Das geringe Volumen und die fast gänzlich fehlende Lufzirkulation führen zu einer ebenso langanhaltenden wie enormen Dauerbelastung.
  2. Achten Sie auf die Qualität / den Hersteller der Räucherstäbchen.
    Billige indische Räucherstäbchen werden nur zu oft unter Verwendung von synthetischen Grundstoffen wie Moschus-Ambrette hergestellt. Bei Ratten schädigt dieser Stoff das Nervensystem und er ist deshalb auch bei der Herstellung von Kosmetika verboten. Das stört die exportorientierten Inder natürlich herzlich wenig. Japanische Räucherstäbchen sind etwas teurer, werden jedoch mehr aus edleren Duftstoffen und Hölzern hergestellt.
  3. Kerzen: 1-2x pro Woche genießen und kräftig Lüften.
    So schön der Schein der Kerzen ist, sollten Sie doch dazu übergehen, den Genuss der Romantik auf ein bis zweimal pro Woche zu begrenzen. Wichtig ist dann vor allem, dass Sie nach abklingen der romantischen Stimmung das Zimmer kräftig lüften.
  4. Holzöfen, Kamine, Kachelöfen: regelmäßig kontrollieren lassen.
    Eine regelmäßige Kontrolle stellt sicher, dass zum Beispiel die Abgasleitungen dicht sind und keine Abgase unbemerkt in den Raum entweichen können. Warum ist das wichtig? Es sind gerade die Feinstaubpartikel aus Holzfeuerungen, welche eine besonders hohe Konzentration an den krebserregenden polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen aufweisen. Durch die besonders geringe Größe der Partikel gelangen diese besonders tief in die Atemwege. Gerade Kinder sind hier besonders stark gefährdet.

Bildnachweis: © morguefile.com – nikilynne

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Hans-Jürgen Schwarzer leitet die Content-Marketing-Agentur schwarzer.de. Als Marketer, Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de und industry-press.com. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei „ausgefallene“ Ideen und technische Novitäten besonders am Herzen.

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