Finanzierung für Start-ups: Verschiedene Wege führen zum Ziel

Finanzierung für Start-ups: Verschiedene Wege führen zum Ziel

Der erste Schritt zum eigenen Unternehmen ist die Idee – doch wie soll diese finanziert werden? Viele Gründer fragen sich, woher sie das Geld für nötige Finanzierungen bekommen können und ob nicht vielleicht jemand auch geringe Beträge zum Verleih anbietet. Ein Kurzzeitkredit kann die Lösung sein.

Firmengründung ohne Fremdkapital

Die Gründung eines Unternehmens ganz ohne Fremdkapital wird neudeutsch „Bootstrapping“ genannt und hat durchaus ihre Vorteile. Ein gewisses Maß an Eigenkapital muss natürlich vorhanden sein, nur Motivation hilft dem Gründer leider nicht weiter. Dafür ist das Bootstrapping gut fürs Selbstbewusstsein: Wer es mit seinem Unternehmen aus eigener Kraft schafft und tatsächlich erfolgreich ist, wird noch lange von diesem guten Gefühl zehren können. Außerdem ist die Motivation größer, sich wirklich anzustrengen und das investierte Geld wieder zu erwirtschaften.

Gleichzeitig birgt diese Finanzierung den Vorteil, dass der Firmengründer tatsächlich Inhaber und Entscheider bleibt und sich nicht der breiten Masse an Investoren beugen muss. Des Weiteren hat die Praxis gezeigt, dass jemand, der seine Firma mit wenig Geld auf die Beine stellt, für mehr Struktur im Unternehmen sorgt und insgesamt effizienter arbeitet. Allerdings stehen Gründer bei Verzicht auf Fremdkapital oft sehr unter Druck – und Rechnungen müssen nun einmal bezahlt werden.

Video: Zum Startup-Unternehmen in 5 Schritten – Campus Magazin – ARD-alpha

Nicht zu viel ausgeben

Wer ein Unternehmen gründet, muss von Anfang an eines beherrschen: Die Liquiditätsplanung. Diese gehört zu den Grundlagen der Unternehmensführung und findet sich bereits im Businessplan wieder. Gründer sollten wissen, wo sie Geld bekommen können und wie dieses am besten eingesetzt wird. Zu diesem Punkt zählt auch das Sparen – aus dem Privatleben bekannte, oft lästige Pflicht. Doch wer auf jeden Cent achten muss, sollte sich das Unternehmen genauer ansehen und so herausfinden, welche Ausgaben sein müssen und welche nicht.

Ein Beispiel: Für die Ausstattung des Computers benötigt der Gründer ,Word, Excel und Powerpoint. Doch die Original-Software kostet weit über 200 Euro – günstiger ist Open Source Software. Nicht nur günstiger – sie ist sogar kostenfrei nutzbar. Gleichzeitig muss ein Anwender dabei auf nichts verzichten, denn der Leistungsumfang ist ähnlich wie bei den Originalprodukten. Auch Möbel für das Büro müssen nicht nagelneu sein, günstige gebrauchte Stühle, Tische und Aktenschränke sind ebenfalls auf dem Markt zu finden.

Sie möchten ein repräsentatives Büro? Für den Fall, dass Sie sparen müssen, fragen Sie sich bitte, wie repräsentativ das Büro wirklich sein muss. Nur diejenigen, die häufiger mit Kunden und Geschäftspartnern zu tun haben und diese bei sich empfangen, müssen nach außen zeigen, was sie haben. Eventuell ist das Immobilienleasing für Sie interessant, hierbei zahlen Sie monatlich feste Raten und entscheiden nach einem festgelegten Zeitraum, ob Sie die Immobilie kaufen wollen oder nicht.

Video: Fördermittel für Gründer – 5 Tipps von der IHK Region Stuttgart

Fördermittel nutzen

Eventuell lässt sich der Weg in die Selbstständigkeit über Fördermittel ermöglichen. Hierfür gibt es verschiedene Existenzgründerprogramme, die nicht nur für diejenigen infrage kommen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen möchten. Wichtig: Teilweise gelten enge Fristen, die es zu beachten gilt. Die Darlehen, die von staatlicher Seite vergeben werden, bieten oft sehr gute Konditionen und tilgungsfreie Zeiten. Bis zu fünf Jahre lang müssen dann nur die Zinsen zurückgezahlt werden, die eigentliche Kredittilgung ruht. Teilweise sind auch Zuschüsse erhältlich, diese müssen nicht zurückgezahlt werden.

Sehr interessant ist in dem Zusammenhang auch das EXIST-Gründerstipendium, welches Hochschulabgänger unterstützt. Sie bekommen bis zu 3000 Euro pro Monat als Hilfe zum Lebensunterhalt und bis zu 30.000 Euro für Investitionen. Allerdings gibt es das Geld nicht einfach so, denn der Gründer muss beispielsweise den Besuch von Gründerseminaren nachweisen und binnen einer Frist von zehn Monaten einen Businessplan vorlegen.

Auch die KfW bietet Hilfe für Gründer an, auch wenn es den früher bekannten Gründerzuschuss in der Form nicht mehr gibt. Der Gründerzuschuss der KfW gilt allerdings nur für Arbeitslose mit ALGI. Die Förderung beträgt dabei bis zu 18.000 Euro und muss nicht zurückgezahlt werden.

Finanzierung über Kurzkredite

Eine spannende Sache für eine kurzfristige Finanzierung sind sogenannte Kurzzeitkredite. Sie sind binnen kürzester Zeit verfügbar und betragen durchschnittlich 500 Euro. Die Höhe ist abhängig davon, wie kreditwürdig der Antragsteller ist. Beim Kurzzeitkredit von Vexcash ist es zum Beispiel so, dass die 500 Euro der Startkredit sind. Wer seine Raten pünktlich bezahlt, kann bei folgenden Kreditanträgen mit einer Aufstockung der Leihsumme rechnen. Dieser Kredit ist für die kurzfristige Überbrückung eines finanziellen Engpasses gedacht, er dient nicht der Anschaffung von Sachgütern.

Doch gerade für einen Existenzgründer, der sein gesamtes Kapital in sein Unternehmen steckt, bleibt oft nicht genug Geld zum Leben übrig. Dann ist solch ein Kurzkredit überaus hilfreich, um die Zeit bis zum nächsten Geldeingang zu überbrücken. Das Angebot für Kurzzeitkredite richtet sich nicht explizit an Gründer, sondern auch an Arbeitslose, Arbeitnehmer oder Selbstständige – wichtig ist lediglich, dass sich der monatliche Geldeingang mindestens über die Höhe des Kredits beläuft.

Die Vergabe solcher Kurzzeitkredite ist dank VideoIdent rasch möglich – sofern die zugehörigen Unterlagen bis 14:00 Uhr eingereicht werden, erfolgt die Anweisung zur Auszahlung des Geldes oft noch am gleichen Tag. Teilweise kann für einen Kurzkredit eine doppelte Laufzeit vereinbart werden, dann muss die Rückzahlung des geliehenen Geldes nicht innerhalb von vier Wochen, sondern binnen acht Wochen erfolgen. Das wiederum hat den Vorteil, dass ein finanzieller Engpass auch etwas länger dauern kann.

Allerdings sei einem Gründer an dieser Stelle zur Vorsicht geraten, denn auch ein solcher Klein- bzw. Kurzzeitkredit muss zurückgezahlt werden. Bleibt der unternehmerische Erfolg aus oder stellt sich geringer als erwartet ein, braucht es am Ende Geld zur Rückzahlung des Überbrückungsgeldes – der Weg in die Überschuldung ist von hier aus schnell beschritten.

Sicherlich: Es gibt keine Garantie, dass ein Gründer einen Wettbewerb gewinnt und das Preisgeld einstreicht. Eine sichere Finanzierungsmöglichkeit ist das also nicht! (#01)

Sicherlich: Es gibt keine Garantie, dass ein Gründer einen Wettbewerb gewinnt und das Preisgeld einstreicht. Eine sichere Finanzierungsmöglichkeit ist das also nicht! (#01)

Wettbewerbe als Finanzierungsmöglichkeit?

Der „Gründerchampions“ der KfW ist nicht fach- oder bereichsgebunden und kann dem Sieger bis zu 30.000 Euro einbringen. „Start2grow“ ist ein weiterer Wettbewerb, der vonseiten der Wirtschaftsförderung Dortmund ins Leben gerufen wurde und bei dem Preisgelder von bis zu 60.000 Euro ausgezahlt werden. Diese Gelder gelten allerdings für alle zusammen, die Einzelnen erhalten daher weniger. Besonders hervorzuheben sei an dieser Stelle noch der „Science4Life Venture Cup“, der für alle Gründer interessant ist, die sich etwas im Bereich Chemie oder Lifesciences auf die Beine stellen wollen.

Wichtig ist, sich nicht einfach bei allen verfügbaren Wettbewerben einzuschreiben und überall mitzumachen, sondern gezielt nach den wichtigsten und aussagekräftigsten zu suchen. Denn eine solche Teilnahme mit eventuellem Gewinn macht sich gut in der Chronik des jungen Unternehmens! Daher sollte ein Wettbewerb immer sorgfältig vorbereitet werden – ein planloses Mitmachen ist nicht zielführend.

Video: STARTUP ACADEMY – BROWN BAG: Finanzierung von Startups (11. September 2014)

Über Darlehen und Kredite finanzieren

Wer nicht genügend Eigenkapital vorweisen kann, aber nicht weiter für seine Geschäftsidee sparen möchte, wird auf Darlehen von der Bank zurückgreifen müssen. Ob nun immer die Hausbank erste Anlaufstelle sein muss, sei einmal dahingestellt. Denn oft ist diese weitaus teurer als andere Banken. Besonders die Onlinebanken punkten mit guten Angeboten, denn sie können ihre Kredite aufgrund eigener Einsparungen ohnehin günstiger anbieten.

Möchten Sie ihre Firma mit Fremdkapital auf die Beine stellen, sollten Sie auf einen guten Businessplan Wert legen. Dieser ist die Basis für sämtliche Kreditangebote – die Bank möchte sehen, ob sie eine Chance hat, das verliehene Geld wieder zurückzubekommen.
Teilweise sind besondere Förderdarlehen interessant, die, wie oben bereits beschrieben, über tilgungsfreie Zeiten und moderate Rückzahlkonditionen verfügen. Des Weiteren bieten der Bund und die Länder, aber auch die Kommunen sowie die EU Bürgschaften oder Fördermöglichkeiten für Kredite an. Bei den Bürgschaften ist es so, dass der Bürge im Verlustfall für die Sicherheit des Kredits haftet. Das heißt, er sichert die Zahlungen gegenüber der Bank ab. Gern nutzen die Banken derartige Angebote, weil sie sich damit gegen den Verlustausfall absichern.

Wer noch ein wenig mehr von der öffentlichen Unterstützung profitieren möchte, nutzt die Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Förderprogramme. Allerdings muss nicht nur die Bank davon überzeugt werden, dass es eine gute Idee ist, den Kredit an den Gründer zu zahlen, sondern auch die Förderstellen müssen dargestellt bekommen, wie gut die Unterstützung des Gründers doch ist.

Finanzierung über Business Angels

Die Begriffe „Business Angel“ und „Venture Capital“ bekommen in jüngster Zeit immer stärkere Bedeutung. Dies verwundert nicht, denn viele Existenzgründer haben zwar tolle Ideen, aber kein Geld, um diese zu verwirklichen. Ein Business Angel ist ein erfahrener Unternehmer, der mit seinem Know-how und vor allem mit finanzieller Unterstützung dafür sorgt, dass die Idee des Gründers umsetzbar wird.
Wer sich für das Venture Capital entscheidet, sucht Investoren, die Kapital für die Entwicklung eines Produkts oder einer Dienstleistung geben.

Solche Unterstützer erwerben in der Regel auch Anteile am Unternehmen, was dem eigentlichen Gründer zwar eine geringere Entscheidungsfreiheit lässt, jedoch dank des Kapitals überhaupt erst die Möglichkeit gibt, die Idee zu verwirklichen. Die Gründer müssen allerdings auch Bericht erstattet – der Kapitalgeber möchte in der Regel über alle wichtigen Schritte des Unternehmens informiert werden. Damit steigt auf der einen Seite der finanzielle Spielraum des Gründers, auf der anderen Seite aber auch der Aufwand bzw. die Verantwortung.

Wichtig zu wissen: Je größer das Risiko für das junge Unternehmen ist, desto weniger investitionsfreudig sind die Geldgeber. Daher steigen sie oft auch erst ein, wenn ein Produkt oder eine Leistung bereits weiter entwickelt ist. Dann sinkt das Risiko und die Chance, das investierte Geld wieder zu verlieren, wird geringer. Dem gegenüber stehen die Business Angels, die ein höheres Risiko eingehen und bereit sind, schon bei der ersten Entwicklung zu investieren. Sie steigen oft in deutlich früheren Geschäftsphasen ein und riskieren daher eher den Verlust ihres Kapitals.

Das große Verlustrisiko bedingt, dass Business Angels einen hohen Return on Investment fordern und sich meist gezielt die jungen Unternehmen heraussuchen, die aller Wahrscheinlichkeit nach binnen der nächsten fünf Jahre das eingesetzte Geld verzehnfachen können. Die hohen Rückzahlungen sind für viele Gründer eher nicht attraktiv, doch wer keinen anderen Financier findet, beißt in den sauren Apfel und nutzt ein derartiges Angebot. Ist der Gewinn groß genug, ist die Rückzahlung auch weniger relevant. Venture Capital und Business Angels eignen sich vor allem für Start-ups aus den Bereichen Biologie, Pharmazie und Informatik.

Das Crowdfunding hat sich in den letzten Jahren zu einer überaus beliebten Form der Finanzierung entwickelt. Dabei tritt hier nicht eine einzelne Person als Financier auf, sondern es beteiligen sich sehr viele Menschen. (#02)

Das Crowdfunding hat sich in den letzten Jahren zu einer überaus beliebten Form der Finanzierung entwickelt. Dabei tritt hier nicht eine einzelne Person als Financier auf, sondern es beteiligen sich sehr viele Menschen. (#02)

Finanzierung über die Crowd

Das Crowdfunding hat sich in den letzten Jahren zu einer überaus beliebten Form der Finanzierung entwickelt. Dabei tritt hier nicht eine einzelne Person als Financier auf, sondern es beteiligen sich sehr viele Menschen. Allerdings gibt es verschiedene Arten des Crowdfundings. Eine davon nennt sich „Reward-based Crowdfunding“ und kommt vor allem in kreativen Bereichen zum Einsatz. Dabei geben viele Investoren das Geld und bekommen bei Erfolg des Projekts oder des Start-ups eine kleine Belohnung. Diese reicht von der einfachen Karte mit einem dicken „Danke“ bis zu einer Endversion des Produkts, für das das Geld gedacht war.

Eine andere Form ist das “Equity-based Crowdfunding”, bei dem die Geldgeber im Gegenzug einen Teil des Unternehmens erwerben. Außerdem werden sie am späteren Umsatz beteiligt. Das erklärte Ziel der Investoren ist es aber, später aus dem Unternehmen wieder auszusteigen.

Das „Lending-based Crowdfunding“ ist mit einem Kredit zu vergleichen, der einen festen Zinssatz hat und über eine vorher vereinbarte Zeitläuft. Der größte Vorteil für den Gründer besteht darin, dass er keine Banken überzeugen muss, sondern nur die Crowd.
Geht es um wohltätige Zwecke und Projekte, so ist das „Donation-based Crowdfunding“ die richtige Lösung, denn dabei erhalten die Geldgeber keine Gegenleistung. Gerade für Projekte, die mehr innovativ als traditionell sind, eignet sich diese Form besonders.

Verschiedene Stellen – hier vor allem Universitäten, Unternehmen aus der Industrie und Venture Capital Gesellschaften – bieten derartige Programme an. Dabei bekommt der Gründer einen Mentor zur Seite gestellt, der ihm in den Anfängen des Geschäftslebens beratend hilft. (#03)

Finanzierung über Accelerator-Programme

Verschiedene Stellen – hier vor allem Universitäten, Unternehmen aus der Industrie und Venture Capital Gesellschaften – bieten derartige Programme an. Dabei bekommt der Gründer einen Mentor zur Seite gestellt, der ihm in den Anfängen des Geschäftslebens beratend hilft. Das Unternehmen, welches Kapital für das Start-up gibt, erwirbt dabei auch Anteile an diesem. Solche Programme werden immer wieder neu aufgelegt und sind vor allem für Hochschulen und Universitäten interessant bzw. werden sie von diesen initiiert.

Der Grund: Sie haben Ideen wissenschaftlich erarbeitet und möchten nun, dass diese auf dem Markt Bestand haben. Ist das Marktpotenzial gegeben und findet sich jemand, der mit dem Produkt an den Start geht, wird dieser finanziell über das Accelerator-Programm unterstützt.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Naresuan261-#01: Roman Samborskyi  -#02: Andrey_Popov  -#03:  Monkey Business Images

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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