Kredithai: Keine Alternative zu Venture Kapital und Existenzgründerdarlehen

Kredithai: Keine Alternative zu Venture Kapital und Existenzgründerdarlehen

Start-Ups haben oft die besten Ideen – allein an der Umsetzung scheitert es oft aus finanziellen Gründen. Spätestens dann, wenn mehrere Kredite abgelehnt wurden und auch ein Existenzgründerdarlehen nicht infrage kommt, stellt sich die Frage, ob ein Kredithai die Alternative sein kann. Wenn das Unternehmen läuft wie geplant, kann doch eigentlich nichts schiefgehen?! Doch was, wenn der Gewinn weitaus optimistischer geplant wurde als in der Realität überhaupt möglich? Die Zinsen für den Kredithai fallen trotzdem an und bedrohen die unternehmerische Existenz, noch ehe sie richtig begonnen hat.

Solide Finanzierung ist wichtig

Für alle Unternehmen gilt, dass sie auf festen Füßen stehen müssen, was die Finanzierung angeht. Auch wenn Kredite laufen und große Investitionen nur dank jahrelanger Abschreibungen möglich sind, muss der Umsatz entsprechend hoch ausfallen. Das gilt analog natürlich auch für Start-Ups, die auf der einen Seite mit Investitionen vorsichtig sein müssen, auf der anderen Seite ohne gewisse Käufe nicht arbeiten können. Werden Maschinen und Anlagen für die Produktion benötigt, kann auf diese nicht verzichtet werden. Keine Ausstattung – kein Umsatz – kein Gewinn – Pleite.

Daher gilt, dass sich Existenzgründer über eine solide Finanzierung Gedanken machen müssen. Ist kein ausreichendes Eigenkapital vorhanden, muss ein Kredit her – der allerdings von einer seriösen Bank oder einem anderen Geldgeber stammen sollte. Der Kredithai darf keine Lösung sein. In dem Zusammenhang sei auf die Möglichkeit hingewiesen, mithilfe von Venture Kapital an den Start zu gehen.

Venture Kapital: Kein Existenzgründerdarlehen

Wird auf Venture Kapital gesetzt, so wird bewusst der Weg über einen Kredit ausgeschlagen. Denn es handelt sich dabei um eine Form der Unternehmensbeteiligung, in etwa mit einer Entwicklungshilfe zu vergleichen. Ein Finanzinvestor bringt das Venture Kapital ein, das auch als Risikokapital bezeichnet wird. Er geht dabei bewusst dieses Risiko ein und nimmt hin, dass die Unternehmensidee auch scheitern kann. In dem Fall ist das investierte Geld verloren. Die Investments für Venture Kapital werden daher sehr bewusst ausgewählt und längst nicht jeder Gründer hat Chancen auf diese finanzielle Unterstützung.

Für den Venture Capitalist ist von Bedeutung, dass er sein eingesetztes Geld maximiert, wobei davon auszugehen ist, dass von zehn Investitionen nur drei derartig viel Geld bringen, dass sich die Investition wirklich lohnt. Bei einem guten Unternehmen kann der Investor mit dem Verkauf von Anteilen ein Vielfaches seines Einsatzes wiederbekommen.

Derzeit gibt es in Deutschland rund einhundert Risikokapitalgesellschaften, die über Venture Kapital junge Unternehmen stützen. Eine dieser Gesellschaften ist Creathor Venture, bei dem pro Monat mehr Businesspläne in vierstelliger Höhe eingehen. Oft ist wochenlang kein Businessplan dabei, der investitionswürdig erscheint. Wer als Start-up also auf Risikokapital setzen möchte, muss zum einen eine sehr gute Unternehmensidee mitbringen, zum anderen auf eine gute Formulierung seines Businessplans achten, die sich deutlich von der Masse abhebt.

Die Risikokapitalgesellschaften sind den Banken zugehörig und bekommen von diesen ihr Kapital. Sie prüfen besonders sorgfältig, ob eine Geschäftsidee des Jungunternehmers rentabel sein könnte oder nicht und legen das Augenmerk auch auf den Entwicklungsstand des Unternehmens. So ist Kapital auch dann noch erhältlich, wenn die eigentliche Gründerphase längst überwunden ist.

Existenzgründerdarlehen: Hilfe von Banken und Sparkassen

Ein Existenzgründerdarlehen kann für ein Start-up die Rettung sein, ehe es zu einem Kredithai geht. Solche Darlehen werden zum Beispiel von den Hausbanken vergeben, auch Sparkassen und die Postbank sind gute Anlaufstellen. Allerdings sollten sich hier am ehesten Gründer bewerben, die ohnehin Kunde der betreffenden Bank sind. Des Weiteren sind die Volks- und Raiffeisenbanken zu nennen, die Existenzgründerdarlehen vergeben, dazu kommen diverse Privat- und Großbanken.

Investitionsbanken

In jedem Bundesland gibt es verschiedene Förderinstitute, die auch als Investitionsbanken bekannt sind. Diese tragen dann die Bezeichnung „Investitionsbank Berlin“ oder „Investitionsbank Schleswig-Holstein“, um nur zwei Beispiele zu nennen. Diese Banken verwalten die Förderprogramme, die für die einzelnen Bundesländer herausgegeben wurden und sind die Verbindung zu den Unternehmern. Die Förderanträge selbst werden über die Hausbank gestellt.

Kreditanstalt für Wiederaufbau

Ein Existenzgründerdarlehen des Bundes ist über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhältlich. Damit soll der deutsche Mittelstand gefördert werden und die Programme richten sich vor allem an Existenzgründer. So gibt es den Existenzgründerkredit namens „ERP-Gründerkredit“ sowie weitere Programme, die sich durch besonders zinsfreundliche Konditionen, tilgungsfreie Zeiten und lange Laufzeiten auszeichnen. Die jeweils zur Verfügung gestellten Summen sind unterschiedlich und reichen von 500 Euro bis zu mehreren Millionen.

Der Kredithai lockt: Beste Konditionen auch bei negativer Schufa!

Trotz aller Bemühungen hat der Gründer kein Geld bekommen – keine Bank und auch keine Risikokapitalgesellschaft wollte in das Projekt investieren. Der Kredithai scheint die letzte Lösung zu sein. Doch wie genau lässt sich ein solcher erkennen? Schließlich soll doch alles versucht werden, seriös an Geld zu gelangen.

Allgemein hat es der Kredithai nicht schwer, denn die gesetzlichen Vorschriften zur Kreditvergabe sind bewusst sehr lax gehalten. Der Staat möchte sich nicht in die Vereinbarungen einmischen, die hinsichtlich des Verleihens von Geld auch tagtäglich in diversen Familien getroffen werden. Für Kredite ist daher nur vorgeschrieben, dass das Geld auch in der benötigten Höhe vorhanden sein muss.

Ein Kredithai ist aber selten als solcher zu erkennen. Zuerst einmal ist er meist ein Kreditvermittler, das heißt, er hat das Geld gar nicht selbst zur Verfügung, sondern vermittelt nur zwischen Unternehmensgründer und Kapitalgeber. Wichtig: Der Kredithai verlangt für seine Vermittlung in der Regel eine recht hohe Gebühr. Außerdem ist nicht immer klar, ob das Geld auch wirklich vorhanden ist, mit dem geworben wird. Wichtig zu wissen: Der Kredithai vergibt Geld in der Regel gewerbsmäßig, ohne eine Genehmigung durch die BaFin zu haben. Dies ist illegal! Daher gilt es, vorab zu überprüfen, ob der Anbieter die schriftliche Erlaubnis der BaFin überhaupt besitzt. Dafür kann auf den Internetseiten der BaFin eine entsprechende Liste eingesehen werden.

Deutlich auf einen Kredithai weist hin, wenn er ganz gezielt um Kunden mit schlechter Bonität wirbt. Jeder weiß schließlich, dass hier die Erfolgsaussichten gering sind und ein möglicher Verlust nur durch hohe Zinsen kompensiert werden kann. Warum also sollte jemand gezielt diese Personengruppe ansprechen? Richtig, weil er nichts Gutes im Schilde führt.

Nicht zu vergessen bei der Betrachtung, ob es sich um einen guten Kreditvermittler oder einen Kredithai handelt, ist die Höhe der Zinsen. Es gibt keine gesetzliche Regelung, wann Zinsen als sittenwidrig einzustufen sind. Als Faustregel kann jedoch gelten, dass es sich um eine Sittenwidrigkeit handelt, wenn die Zinsen zwischen 50 und 75 Prozent über dem marktüblichen Wert liegen. Preis und Leistung müssen auch bei der Kreditvergabe stimmen – was aber bei einem Darlehen durch einen Kredithai kaum der Fall sein dürfte. Daher gilt: Abstand halten und die Gründungsidee gegebenenfalls überdenken oder verschieben!


Bildnachweis: © morguefile.com – GaborfromHungary

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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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