Mammut Energy AG: Gesellschaft mit Pleite-Garantie

Mammut Energy AG: Gesellschaft mit Pleite-Garantie

Die Mammut Energy AG aus der Schweiz plante einst, gemeinsam mit ihrer 100prozentigen Tochter Mammut Energy Corp. in Texas Erdöl und Erdgas zu fördern. Gleichzeitig sollte die Firma zum führenden Förder- und Produktionsunternehmen im Barnett Shale werden, Konzessionsgebiete wurden in der entsprechenden Region bereits erworben.

Mammut Energy AG: Was steckt dahinter?

Im zentralen Großraum von Dallas und Fort Worth, Texas, befindet sich Barnett Shale, auch als Barnett Schiefer bezeichnet. Als die Mammut Energy AG mit ihrem Vorhaben begann, waren die genauen Ausmaße des Areals noch nicht einmal erfasst. Bekannt war nur, dass es sich um eine Erdölregion handelte, die als besonders ertragreich galt. Die Rede war gar davon, dass diese Region zu den Top 10 der Welt gehören würde. Hier wollte Mammut Energy einsteigen und möglichst viel Geld scheffeln, wobei die Vorbereitungen durch Analysen und Expertengespräche gar nicht so schlecht waren.

Die Prognosen waren gut und binnen eines Jahres sollten die Kosten für Bohrungen und andere Vorbereitungen wieder hereingeholt werden. Die Rendite bei Ausgabe der Aktien sollte im Verhältnis fünf zu eins über 20 Jahre liegen. Das „Best Case Szenario“ sprach von einem Gewinn von über 27 Milliarden Dollar,  der Gesamtumsatz sollte sich bei 33,3 Mrd. Dollar belaufen, davon mussten Entwicklungs- und Explorationskosten in Höhe von 5,55 Mrd. Dollar abgezogen werden.

Börsenbriefe und Empfehlungen von Experten gingen dahin, dass die Aktien der Mammut Energy AG durchaus interessant seien. Wer seine Finanzen überlegt investieren will und nach einer Gesellschaft sucht, die langfristig hohe Gewinne verspricht, sollte mit den Wertpapieren dieses Unternehmens gut beraten sein. Dennoch war es natürlich eine spekulative Geldanlage, die zwar den Vorteil versprach, dass hier die Gewinne von Anfang an in hohem Maße fließen sollten, die aber dennoch längst nicht an der Börse etabliert war.

 

Als die Mammut Energy AG mit ihrem Vorhaben begann, waren die genauen Ausmaße des Areals noch nicht einmal erfasst. (#01)

Als die Mammut Energy AG mit ihrem Vorhaben begann, waren die genauen Ausmaße des Areals noch nicht einmal erfasst. (#01)

Zweifelhafte Gesellschaft, die Mammut Energy AG?

Eines vorweg: Die Aktienpapiere der Mammut Energy AG werden heute nicht mehr gehandelt und konnten sich auch nicht wirklich gut platzieren, nachdem sie auf den Markt gekommen waren. Viele Personen hatten damit Verluste eingefahren, wenn auch nur zu 70 Prozent und nicht zu 100 Prozent, wie es bei vielen anderen Firmen ähnlichen Konstrukts der Fall ist und war. Doch bei genauerem Hinsehen hätten die Anleger diese Verluste nicht hinnehmen müssen, denn wer bei den ersten Auffälligkeiten hellhörig wurde, verzichtete gleich auf diese Investition.

Schon allein der Sitz des Unternehmens: Zug. Zug gilt als Steueroase für Firmen aller Art sowie als Heimat der Briefkastenfirmen. Vollmundige Ankündigungen und Versprechungen von Unternehmen, die in Zug ansässig sind, sind überall an der Tagesordnung. Doch die meisten dieser Firmen besitzen in der Schweizer Stadt nur einen Briefkasten – leere Versprechungen, nichts dahinter.

Mammut Energy AG: Großer Name, kein Gewinn

Der Name klang vielversprechend und sollte allen interessierten Personen Großes verheißen: Die Mammut Energy AG setzte auf Rohstoffe, hier vor allem auf Erdgas und Erdöl. Die Anleger hätten bereits bei dem Fakt, dass die Notierung an der Börse sehr kurzfristig erfolgte und das auch nur im lediglich kaum regulierten Freiverkehr, aufmerksam werden sollen. Mitzuteilen hatte die Mammut Energy AG immer viel, von den Versprechungen gehalten hat sie allerdings wenig. Dann kamen noch die diversen Börsenbriefe hinzu: Die Werbetrommel wurde von „Trading Insider“ oder „Trading Inside“ nicht wenig gerührt.

Es hieß, es handele sich hier um spekulative Anlagen, doch es wurde dazu geraten, möglichst von Anfang an dabei zu sein. Hier hätten die Anleger die Chance, bei etwas Großem dabei zu sein und von Beginn an mit zu wachsen. Jede ausgegebene Aktie war ein Versprechen auf einen Gewinn, der in der Form allerdings nie eintrat. Der viel beworbene „Rohstoffkracher“ aus der Schweiz hatte zwar viele Ideen bzw. kommunizierte diese in den schillernsten Farben, doch aus dem „Megadeal“ wurde lediglich ein Megaflop.

Wohl dem der seine Finanzen nicht allein in diese Gesellschaft investiert hatte. Sondern , wie stets und unermüdlich empfohlen wird, immer darauf bedacht war sein Anlageportfolio breit zu streuen. So ließ sich der Verlust besser verkraften. Dabei sagten sogar einige Börsenexperten damals aus, dass die großen Deals der Schweizer Gesellschaft nur der Anfang seien und dass weitere Zukäufe schon in Planung seien. Der Dreijahresplan wurde vom Vorstand abgesegnet und die Zukunft sah rosig aus.

 

Die Mammut Energy AG setzte auf Rohstoffe, hier vor allem auf Erdgas und Erdöl. (#02)

Die Mammut Energy AG setzte auf Rohstoffe, hier vor allem auf Erdgas und Erdöl. (#02)

Lug und Trug mit der Mammut Energy AG

An dieser Stelle einige interessante Zahlen zur Mammut Energy AG:

  • Grundkapital: 520.000 Schweizer Franken
  • Aktien: 52 Millionen
  • Nennwert pro Aktie: 0,01 Schweizer Franken
  • Notierung an der Börse: 30.04.2007
  • Konkurs: 01.04.2008
  • Einstellung der Notierung: 02.12.2008

Wie anhand dieser Zahlen zu sehen ist, hat sich die Gesellschaft nicht wirklich lange halten können. Besonders auffällig ist hier auch der sehr geringe Nennwert der Aktienpapiere, in Deutschland undenkbar. Hier lässt sich eine geplante Abzocke der Anleger vermuten, denn die Aktien waren praktisch wertlos. Unternehmen, die solche Wertpapiere ausgeben, üben meist keine oder nur eine sehr geringe Geschäftstätigkeit aus. Sie bestechen aber mit reißerischen Pressemitteilungen, Werbeversprechen und tollen Börsenbriefen. Dazu natürlich die Unmengen an Aktienpapieren, die angeboten werden!

Hier muss der Anleger der Deutschen Börse einen Vorwurf machen, denn diese glaubte den Börsenmaklern blind, dass eine bloße Versicherung über die Existenz der Wertpapiere ausreichend sei. Einen Verkaufsprospekt gab es dafür nicht und so konnten die Wertpapiere in den Frankfurter Freiverkehr, auf den Open Market, gelangen. Dies nennt sich im Börsendeutsch „prospektfreie Einbeziehung“. Danach wurde der Frankfurter Freiverkehr von derartigen Aktien nahezu überschwemmt. In Deutschland ist der rechnerische Nennwert von mindestens einem Euro pro Aktie vorgeschrieben.

Wer dieses Geld in der Schweiz investiert, kann 100-mal so viele Aktienpapiere erschaffen. Doch die Deutsche Börse nahm keine Schuld auf sich bzw. übernahm keine Verantwortung und verteidigte sich mit der Aussage, dass sie lediglich den Handelsplatz zur Verfügung gestellt habe. Pech für die Anleger, die noch neu auf dem Gebiet der Börse waren oder die leichtgläubig den verschiedenen Börsenbriefen glaubten, die natürlich keine Kaufempfehlung gaben, dennoch aber deutlich darauf hinwiesen, wie sinnvoll eine Investition in diese Aktienpapiere doch sei.

Übrigens wurde die Mammut Energy AG zum 09. Februar 2009 im Handelsregister gelöscht. So viel zum Thema „abgesegneter und vielversprechender Dreijahresplan“!


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: Catmando – #01: Mike Flippo – #02: Jiw Ingka

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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