Pooptech Startup: Darmbeschwerden sichtbar machen

Pooptech Startup: Darmbeschwerden sichtbar machen

Pooptech Startup, so nennt sich das Unternehmen HiDoc selbst gern. Und der Name passt. Denn die von der Firma entwickelte App hilft, das Leben mit Reizdarm angenehmer zu gestalten. Wie die Firmengründer Millionen von Betroffenen helfen wollen.

Pooptech Startup wird mit zwei Millionen Dollar unterstützt

Es war eine Millionen-Investition vom Investor Atlantic Lab und weiterer, nicht genannter Business Angels, die im Herbst vergangenen Jahres für Aufsehen in der deutschen Gründerszene sorgte. Zwei Millionen Dollar pumpten die Investoren in die Berliner Firma HiDoc, die im Segment „E-Health“ aktiv ist.

Der Lead-Investor Atlantic Labs ist auf Frühphasen-Finanzierungen spezialisiert und unterstützt innovative Startups mit zukunftsfähigen Lösungen. Mit der Investition wird deutlich: die Unterstützer glauben an die jungen Berliner Existenzgründer und ihre Idee.

Eine Idee, die Millionen Menschen helfen soll, mit ihrem chronischen Reizdarmsyndrom besser leben zu können. Mit Hilfe der App sollen die Betroffenen u.a. ihre Ernährung individueller gestalten können.

Ziel ist es, letztlich mit den lästigen Symptomen (z.B. Blähungen und Verstopfung) der Erkrankung besser leben zu können. Bei dieser Thematik ist es nur passend und wenig verwunderlich, dass sich HiDoc also selbst gern als Pooptech Startup bezeichnet.

Pooptech-Startup: Zwei Millionen Dollar pumpten die Investoren in die Berliner Firma HiDoc, die im Segment „E-Health“ aktiv ist. (#01)

Pooptech-Startup: Zwei Millionen Dollar pumpten die Investoren in die Berliner Firma HiDoc, die im Segment „E-Health“ aktiv ist. (#01)

Pooptech Startup: Wer und was steckt hinter HiDoc?

Das Pooptech Startup HiDoc das ist ein Team aus Medizinern, Technikern, SEO-Produkt-Managern und Marketing-Experten, die eines gemeinsam haben. Sie alle sind „Digital Natives“. Digital Natives sind Menschen, die mit und in der digitalen Welt aufgewachsen sind.

Sie sind bestens vertraut mit den Neuen Medien, deren Umgang und Technologien. Jeder Digital Native kennt Begriffe wie SEO, Digital Marketing, Crowdsourcing und Hashtag und die meisten besitzen Accounts in Netzwerken wie Twitter, Pinterest, Instagram oder Snapchat.

Bei HiDoc kommt neben dem Interesse an all diesen Themen noch hinzu, dass drei verschiedene Segmente bzw. Disziplinen auf innovative Weise zusammengebracht werden:

  • Medizin
  • Neue Medien
  • aktuelle Informations- und Kommunikationstechnologien

Gegründet wurde das Pooptech Startup von den Berlinern Dankrad Feist, Jesaja Brinkmann, Andre Sommer und Orest Tarasiuk. Die vier Männer, zwischen 20 und 40 Jahren alt, sind Mediziner und Techniker.

Unterstützt werden sie darüber hinaus von einem großen Team an Marketing-, Digital-, E-Health- und Kommunikations-Experten sowie erfahrenen Ärzten. Die optimale Kombination, um mit einer eigenen App medizinische Probleme zu lösen.

Pooptech Startup: So funktioniert die App

Ein auf einer App basierendes Programm, das sich individuell dem Krankheitsverlauf eines jeden Patienten anpasst. Das ist das Kerngeschäft des Pooptech Startups aus Berlin. Die Anpassung an die verschiedenen Krankheitsverläufe erfolgt mittels Machine-Learning.

Die Idee hinter dem „maschinellen Lernen“: ein Programm findet mit Hilfe von ausgeklügelten, komplexen Algorithmen selbstständig Lösungen, z.B. für bisher wenig bekannte oder schwer zu lösende medizinische Probleme.

Wie im Falle des Reizdarmsyndroms, das bei jedem Patienten anders verläuft und den Alltag teils massiv beeinträchtigt. Die App des Pooptech Startups HiDoc soll das ändern.

Sie verfügt über drei Grundbausteine:

  • Tracking Eine Art elektronisches Tagebuch. Die App erfasst Aspekte wie z.B. Schmerz, Stimmung, Verträglichkeit oder auch die Symptome des Patienten
  • Ernährung Die App ist auf die low-fodmap-Diät (fodmaps: kurzkettige Zucker und Zuckeralkohole) zugeschnitten und soll die Ernährung verträglicher sowie „magenfreundlicher“ gestalten
  • Entspannung Die App bietet zudem Entspannungsübungen, damit die Patienten mit den Symptomen besser leben können
Ein auf einer App basierendes Programm, das sich individuell dem Krankheitsverlauf eines jeden Patienten anpasst. Das ist das Kerngeschäft des Pooptech Startups aus Berlin. (#02)

Ein auf einer App basierendes Programm, das sich individuell dem Krankheitsverlauf eines jeden Patienten anpasst. Das ist das Kerngeschäft des Pooptech Startups aus Berlin. (#02)

Volkskrankheit Reizdarmsyndrom

Die Konzentration des Pooptech Startups auf diese Krankheit ist aus zweierlei Gründen sinnvoll: sie betrifft viele Menschen und eine vollständige Heilung ist schwer möglich.

Es geht darum, das Leid der Betroffenen zu lindern. Bedarf an neuen (digitalen), wirksamen Behandlungsmethoden ist also immer da. Schätzungen gehen davon, dass aktuell rund 12 Millionen Menschen in Deutschland unter einem Reizdarm leiden.

Eine Volkskrankheit, die bei den Betroffenen mit einem großen Schamgefühl einhergeht. Immerhin ist die Erkrankung gesellschaftlich nach wie vor tabuisiert. Darüber gesprochen wird nicht.

Selbst beim Arzt oft erst zu spät. Schließlich berichten Patienten ihrem Arzt oft erst dann von den Symptomen (etwa Durchfall, Unterleibskrämpfe, Blähungen), wenn der Leidensdruck kaum mehr zu ertragen ist. Mit dem Arztbesuch endet das Leid aber nicht automatisch.

Denn eines der großen Probleme dieser Krankheit ist, das in vielen Fällen keine organische Ursache gefunden werden kann. Die Diagnose erfolgt daher meist nach dem Ausschlussverfahren.

Beim Reizdarm liegt eine Funktionsstörung des Darms vor, wieso es aber dazu kommt ist bis heute nicht bekannt. Als sicher gilt lediglich, dass Schädigungen des vegetativen Nervensystems sowie hormonelle Störungen den Reizdarm begünstigen.

Wie finanziert sich die App?

Viele Betroffene interessiert natürlich, was die App kostet? Die gute Nachricht nichts. Die App ist kostenlos. Ist der Nutzer mit der App zufrieden und kommt mit ihr zurecht, kann er weiterführende, ausgewählte „Premium“-Inhalte beziehen. Diese sind dann kostenpflichtig. Die Gründer des Pooptech-Startups HiDoc hoffen, mittelfristig Eingang in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen zu erhalten.

Dann würden die Kosten für die App in ihrer Gesamtheit, also inklusive der Premium-Inhalte, von den Kassen erstattet. Getreu dem Motto: Reizdarm-App auf Rezept. Die App gibt es für iOS, dem Apple-Betriebssystem. An einer Version für Android arbeiten die Entwickler des Pooptech Startups aktuell.

Die Gründer haben bereits Kontakte zu den Kassen geknüpft, erste Gespräche mit den Entscheidungsträgern wurden geführt. Auch wenn die Aufnahme in die Regelversorgung der Krankenkassen meist Jahre dauert: Die Kassen könnten stark von der App profitieren.

Denn sollte die Technologie die Lebensqualität der am chronischen Reizdarmsyndrom Erkrankten tatsächlich langfristig verbessern, besteht erhebliches Einsparpotenzial.

Etwa bei weiterführenden Untersuchungen oder Medikamenten wie Abführmitteln oder Schmerzmitteln, die den Patienten nicht selten in kurzen Abständen verschrieben werden. Ein einfaches, schnell wirksames Heilmittel, gibt es für das Reizdarmsyndrom nämlich nicht.

Die Gründer des Pooptech-Startups HiDoc hoffen, mittelfristig Eingang in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen zu erhalten. (#03)

Die Gründer des Pooptech-Startups HiDoc hoffen, mittelfristig Eingang in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen zu erhalten. (#03)

Pooptech-Startup im e-Health-Markt: Internet tifft Medizin

Das Pooptech-Startup HiDoc siedelt sich im „e-Health“-Markt an. Zwei Worte stecken in diesem Begriff: „e“ für electric, „Health“ für Gesundheit. Es geht dabei um die Digitalisierung des Gesundheitswesens und in der Medizin.

Und um sämtliche Technologien, die Gesundheitsdienstleistungen erbringen. Darunter fallen z.B. Verfahren wie Patientenüberwachungsgeräte oder persönliche digitale Assistenten (PDA).

Aber eben auch Programme, Tools und Apps, die von den Nutzern auf mobilen Endgeräten abgerufen werden können. Es handelt sich um einen Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt, der aber bereits viele Startups (auch z.B. im Segment der gesundheitsbezogenen E-Commerce) hervorgebracht hat. Ein Markt der schon heute die Art und Weise beeinflusst, wie medizinische Daten gesammelt und ausgewertet werden.

Video: E-Health App – Map Funktion für Sportstech Fitness Geräte

Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten von e-Health

E-Health-Technologien und -Programme können vielseitig genutzt werden und eröffnen ganz neue Möglichkeiten, z.B.

  • computerbasierte Verfahren: Vielfältige Gesundheitsdaten der Patienten werden digital gesammelt und ausgewertet
  • örtliche und zeitliche Unabhängigkeit: Die Kommunikation mit Ärzten, Therapeuten, Betreuern und Co. kann von überall und mobil erfolgen. Eine physische Präsenz, etwa beim Arzt vor Ort, ist nicht mehr nötig. Das gleiche gilt für Hausbesuche der Ärzte
  • Monitoring: Also die lückenlose, diagnostische Überwachung eines Patienten. Gerade bei chronisch kranken Personen ein wichtiges Element

Die Vorteile dieser Punkte liegen auf der Hand: lange Warte- und Fahrzeiten sowie ständige Hausbesuche gehören der Vergangenheit an. Zudem werden die Kosten im Gesundheitswesen gesenkt.

Pooptech Startup und die Möglichkeiten des Smart Health

An den digitalen, mobilen Gesundheitsangeboten über das Smartphone oder den Tablet (kurz: „Smart Health“-Verfahren) führt kein Weg vorbei. Da sind sich die Experten sicher. Das Ziel ist den Patienten eine umfassendere und bessere Betreuung und Versorgung zukommen zu lassen.

Dass es so kommt, glauben aber nicht nur die Forscher, Techniker und Mediziner sondern auch die Patienten selbst. Das ergab eine von der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführte Umfrage zu dem Thema „digitales Gesundheitswesen“.

Demnach halten es über 90 Prozent der Befragten für (sehr) wahrscheinlich, dass diese Technologien in zehn Jahren fester Bestandteil des Alltags der Menschen sein werden. Technologien wie z.B. die „Reizdarm-App“ des Pooptech-Startups HiDoc.

Das Berliner Unternehmen setzt darauf, in Zukunft noch mehr Menschen mit solchen mobilen Angeboten zu erreichen. Auch die Älteren. Ein Blick auf die TK-Studie zeigt zumindest, dass schon heute fast jede zweite Person über 60 Jahren das mobile Internet zum Surfen nutzt. Bei den 18- bis 29-jährigen sind fast 90 Prozent.

Gesundheits-Apps: moderne Medizin des 21. Jahrhunderts

Startups wie HiDoc wollen die Medizin endgültig ins 21. Jahrhundert führen. Die Gründer sind überzeugt, dass Patienten mit chronischen Beschwerden wie dem Reizdarm von digitalen Verfahren enorm profitieren werden.

Denn die App rückt allein den Patienten ins Zentrum der Versorgung, mehr noch: digitale Gesundheitsangebote sorgen dafür, dass der Betroffene aktiv an allen Prozessen beteiligt wird. Durch Beteiligung, Mitentscheidung und ein hohes Maß an Information. Das Stichwort lautet „Patient Empowerment“.

Ärztliche Hausbesuche und Krankenhausaufenthalte könnten seltener werden, ebenso Fehler in Behandlung und Therapie. Auch, weil sich die Menschen selbstständig über ihre Gesundheit, mögliche Behandlungsmethoden, Ärzte, Symptome etc. informieren und auf diese Weise zum informierten Patienten werden.

Hinzu kommen Gesundheits-Blogs, einschlägige medizinische Foren und eben auch die Gesundheits-Apps. Gerade den Health Apps, wie z.B. jener vom Pooptech Startup HiDoc, sagen Fachleute eine rosige Zukunft voraus.

Denn sie bringen digitale Vernetzung und personalisierte Medizin zusammen. Im Bereich der E-Health-Anwendungen, Gesundheits-Apps sowie im gesundheitsbezogenen E-Commerce kommt in den nächsten Jahren noch so einiges auf uns zu.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: RomarioIen – #01: Wright Studio – #02: FakeStocker – #03: Rocketclips, Inc

Über 

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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