Volk, Email und Freiheit: nicht nur die Mail eroberte 1989 Deutschland

Volk, Email und Freiheit: nicht nur die Mail eroberte 1989 Deutschland

Als das Volk die Mauer bezwang, begannen E-Mail und Internet ihren Siegeszug in Deutschland. Während das Volk freier wurde, wurde es auch digitaler. Michael Rotert – Vortandsvorsitzender eco – sieht in diesem Jahr die Öffnung des Internets. Mit der Öffnung des Internets einher ging alsodann die Ausbreitung der Nutzung bei Privaten und kommerziellen Anwendern.

3. August 1984 – Geburtsstunde der Email

Gerade mal fünf Jahre alt war die E-Mail, als man ihr die Eroberung Deutschlands nachsagte. An jenem besagten Tag wurde die erste E-Mail versandt. Das Internet war von Anbeginn an nur zur universitären Nutzung vorgesehen. Wenn heutzutage ein Smartphonebesitzer die Rolläden an seinem Haus im Sauerland herunterlässt, während er im Yellow Cab durch New York rollt, dann ist dies das Ergebnis einer dreissig Jahre anhaltenden Weiterentwicklung der Nutzung des Internets.

Als damals dem Deutschen Volk Email und Internet vorgesetzt wurden, hätte noch niemand daran gedacht, dass dereinst 5-jährige mit WhatsApp Sprachnachrichten versenden würden. Das Gleiche gilt für Facebook, Twitter & Co. Digitaler ist es geworden, das Volk. Mail und andere Dienste hat es sich angeeignet – und lässt sie nimmer los.

Fest steht: für das digitale Volk ist die E-Mail noch immer das häufigste digitale Kommunikationsmedium. Der Trend zeigt, dass die Nutzung sich noch immer ausweitet.

Für’s Volk: „E-Mail und Spiele“

Was einst der Dichter Juvenal als Kritik an der Politikverdrossenheit im damaligen römischen Volk formulierte, lässt sich mühelos auf unsere Zeit adaptieren. „Panem et circensis“ will das digitale Volk auch. Das Brot des digitalen Volkes ist die Kommunikation. So wichtig wie das tägliche Brot ist der Chat und Austausch mit Freund, Freundin, Nachbar, Kollege, Partner oder einem sonstigen verbundenen Menschen. Als in USA Jugendliche befragt wurden, worauf sie eher verzichten könnten: auf Handy oder Auto, lautete die klare Antwort: auf das Auto. War das Auto nach dem Krieg Statussymbol Nummer eins, hat das Zeitalter der Kommunikation dessen Bedeutung verwässert. Kommunizieren zu können ist die größte Freiheit unserer Generation. Die Digital Natives kennen es nicht anders, als permanent per Mail oder Chat mit dem Rest des digitalen Volks – der Community – verbunden zu sein.

Augustus und Tiberius brauchten den Zirkus, um das Volk bei Laune zu halten. Via Internet lädt sich der Römer von heute sein Spiel herunter oder spielt es gleich gar online. Auch in die Nutzung von Diensten und Produkten hat das spielerische Element Einzug gehalten. Mit Gamification erzielt man eine Bindung der Nutzer. Wenn das Volk Email und Internet nutzt, erfüllt es sich seine Grundbedürfnisse.

Das Volk und seine E-Mail: die Flut wächst

Schenkt man der Untersuchung von statista Glauben, dann wurden im Jahr 2014 vom digitalen Volk unglaubliche 196,3 Milliarden Emails verschickt und empfangen. Das sind pro Erdenbürger grob gerechnet 25 Mails – Säuglinge, Greise und technikaverse Menschen eingeschlossen. Weder WhatsApp noch Facebook konnten diesen Trend bisher umkehren. Die zahl der jährlich versandten und empfangenen Emails steigt von Jahr zu Jahr.

Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Versandte und empfangene E-Mails [Mrd] 196,3 205,6 215,3 225,3 235,6 236,5

Tabelle: Jährlich vom „digitalen Volk“ versandte und empfangene E-Mails in Milliarden
 

Auslöser des Booms

Fragt man Rasmus Giese, den Geschäftsführer beim Dialogdienstleister United Internet Dialog nach den Ursachen für die rasante Ausbreitung der Mail im Volk, so erfährt man: „Der Druchbruch im Bereich der Nutzerkommunikation kam mit der Entstehung der kostenlosen E-Mail-Angebote wie GMX und T-Online.“. Der niedrigschwellige Zugang zum Kommunikationsmedium Email und die zunehmende Erreichbarkeit anderer Menschen via Mail sog das Volk ins Internet und digitalisierte es zunehmend.

Auf dem Smartphone die #1: E-Mail meistgenutzter Online-Dienst

Das Smartphone hat längst das Auto abgelöst. Des Deutschen liebstes Kind passt in die Hosentasche und entfernt sich fast nie weiter als 50cm von seinem Besitzer. Das Smartphone hat sich im Leben des digitalen Volkes festgebissen. Die häufigsten Nutzungsarten des Smartphones sind die Suche bei Google, Bing oder Yahoo und die Email.

E-Mail als Kanal ist praktisch und offiziell. Nahezu jeder Bürger verfügt mittlerweile über eine eigene Mailadresse. Die unbegrenzte Erreichbarkeit anderer Menschen und die hohe Kommunikationsgeschwindigkeit via Mail und Mobiltelefon nähren den Trend. Dies gilt auch für Unternehmen, nicht nur für Private.

Neues Thema: Sicherheit in der Kommunikation

Es wäre der erste Bereich des täglichen Lebens, der keine kriminellen Elemente angezogen hätte. Es dauerte nicht lang, da entdeckte die Kriminalität das neue Medium auch für sich. Neue und unauffällige Formen des Betrugs nahmen Gestalt an. Deren Namen sind mittlerweile Alltagsbegriffe: Phishing, Spam, Geheimdienste. Der ehemals Freiheit verheißende Raum des Internets erforderte zunehmend eine Gleichsetzung mit der geordneten analogen Welt. Rechtssprechung und Gerichtsbarkeit nahmen sich der Besonderheiten an. Wenn das digitale Volk Mail und WhatsApp nutzt, geschieht das längst nicht mehr nach Gusto des Anwenders. Der rechtliche Rahmen ist gesetzt und hat teils beängstigend enge Ausmaße angenommen.


Bildnachweis: © freeimages.com – simon stratford

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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