Deutsche Biotechbranche erreicht 1,787 Milliarden Euro Eigenkapitalfinanzierung trotz Rückgang

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Im Gesamtjahr 2025 erreichte die deutsche Biotechnologiebranche eine Eigenkapitalfinanzierung in Höhe von 1,787 Milliarden Euro, was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem schwachen ersten Halbjahr darstellte. Dennoch blieb das Ergebnis sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Private Risikokapitalgeber steuerten 593 Millionen Euro bei, börsennotierte Unternehmen sammelten 1,194 Milliarden Euro ein. Angesichts der Entwicklungen fordern Tubulis GmbH und QIAGEN N.V. nun rasche Wachstumsfonds von EU und Bundesregierung. Sie betonen Bedeutung langfristiger Finanzierungsstrukturen zur Stärkung der Innovationskraft.

Deutsche Biotech-Equity-Finanzierung 2025 um sieben Prozent leicht unter Vorjahresniveau

Die Eigenkapitalfinanzierung in der deutschen Biotech-Branche belief sich im Jahr 2025 insgesamt auf 1,787 Milliarden Euro und lag damit um sieben Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,917 Milliarden Euro. Nach einem schwachen Verlauf im ersten Halbjahr mit lediglich 337 Millionen Euro implementierten Unternehmen im weiteren Jahresverlauf größere Finanzierungsrunden, wodurch das Gesamtvolumen einen spürbaren Aufschwung erfuhr. Ein Börsengang blieb jedoch in diesem Zeitraum aus. Diese Dynamik verdeutlicht die Bedeutung großer Investitionsrunden.

Private Venturekapital 2025 schrumpft 34 Prozent auf 593 Millionen

Im Jahr 2025 konnten private Biotechnologie-Unternehmen insgesamt 593 Millionen Euro an Venture-Kapital akquirieren, was einem Rückgang um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 898 Millionen Euro entspricht. Eine Untersuchung von BIO Deutschland e. V. und EY offenbart insbesondere im Bereich der Wachstumsfinanzierungen eine markante Finanzierungslücke: Außer der außerordentlichen Serie-C-Finanzierung der Tubulis GmbH in Höhe von 344 Millionen Euro blieben großvolumige Kapitalrunden selten und erschwert dauerhaft deutlich die Skalierung innovativer Geschäftsmodelle.

Börsennotierte Biotech-Firmen steigern Finanzierung erheblich auf 1,194 Milliarden Euro

Börsennotierte Biotech-Unternehmen konnten im vergangenen Geschäftsjahr ihre Kapitalaufnahme deutlich steigern. Mit 1,194 Milliarden Euro liegt der Gesamtwert um 20 Prozent über den 999 Millionen Euro des Vorjahres. Den größten Beitrag dazu leisteten Tubulis GmbH mit einer Finanzierungsrunde über 344 Millionen Euro sowie QIAGEN N.V., die 642 Millionen Euro einwarben. Zusammen repräsentieren diese beiden Unternehmen rund 55 Prozent des kumulierten Emissionsvolumens der Branche. Dieses Wachstum unterstreicht die verstärkte Investitionsbereitschaft institutioneller Anleger.

Sackers: Viele Seed-Runden erzielten 2025 über 1,7 Milliarden Euro

Roland Sackers, Vorsitzender von BIO Deutschland, hebt hervor, dass im vergangenen Jahr zahlreiche Seed-Runden entscheidende Impulse für junge Biotech-Unternehmen lieferten. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds gelang es der Branche, im Gesamtjahr 2025 über 1,7 Milliarden Euro an Eigenkapital zu mobilisieren. Sackers unterstreicht, dass nun die schnelle Umsetzung geplanter Initiativen von EU und Bundesregierung für umfangreiche Wachstumsfonds erforderlich sei, um Biotechnologie als Schlüsseltechnologie langfristig und nachhaltig zu stärken. Im internationalen Wettbewerb bestehen.

Bronsema warnt: USA investierten 14 Milliarden Euro in Biotech

Viola Bronsema, in ihrer Funktion als Geschäftsführerin des Branchenverbands, unterstreicht, dass Venture-Kapitalgeber in Großbritannien, der Schweiz und den USA deutlich höhere Summen investieren. Sie weist darauf hin, dass US-amerikanische Biotech-Unternehmen binnen neun Monaten über 14 Milliarden Euro erhielten und fordert deshalb entschieden schnellere Maßnahmen zur Reduktion bürokratischer Hürden, die Umsetzung der Hightech-Agenda Deutschland sowie den Aufbau eines EU Scale-Up Fonds. Nur so lasse sich technologische Souveränität in Europa langfristig sichern.

EY-Partner Ort fordert sofortige Biotech-Investitionen statt teurem Rückkauf später

Klaus Ort von EY betont die Rolle der Biotechnologie als erheblich unerschlossener Wachstumsbereich. Er warnt davor, dass fehlende Investitionen dazu führen können, dass Forschungsergebnisse später teuer eingekauft werden müssen. Im internationalen Vergleich fließt in Deutschland lediglich ein Viertel bis knapp die Hälfte des in den USA, Großbritannien und der Schweiz investierten Risikokapitals in Biotech. Um Marktzugang und Innovationskraft zu stärken, fordert Ort eine umgehende Senkung der Körperschaftssteuer als entscheidendes Förderinstrument.

Deutsche Biotech-Branche benötigt dringend Wachstumsfonds, Bürokratieabbau und steuerliche Entlastung

Die hohe Eigenkapitalausstattung und die Vielzahl an Seed-Finanzierungen belegen das erhebliche Innovationspotenzial der deutschen Biotechnologiebranche. Um jedoch langfristig im internationalen Wettbewerb mit den USA, Großbritannien und der Schweiz an der Spitze zu bleiben, müssen schnell umsetzbare, effiziente Wachstumsfonds bereitgestellt, bürokratische Hürden abgebaut und steuerliche Entlastungen umgesetzt werden. Nur durch effektiv abgestimmte, strategisch-effizient und planvoll ausgerichtete Fördermaßnahmen sowie verbesserte Rahmenbedingungen kann Biotechnologie als zentrale Schlüsseltechnologie Europas nachhaltiges Wachstum sichern und zukunftsfähige Wohlstandsperspektiven eröffnen.

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