Schnellkupplungen: Automobilindustrie von Österreicher erobert

Schnellkupplungen: Automobilindustrie von Österreicher erobert

Was macht ein StartUp mit einem genialen Produkt wie Schnellkupplungen für die Automobilindustrie? Richtig: das StartUp konzentriert sich auf das chancenreiche Produkt, gewinnt erste Referenzkunden und startet dann durch, die gesamte Automobilindustrie aufzumischen. Sollte man denken. Dass der Weg zum Erfolg ein klein wenig verschlungener sein kann, zeigt der Hidden Champion HENN aus dem österreichischen Dornbirn.

Frage: Warum gerade Schnellkupplungen & Automobilindustrie?

Warum Automobilindustrie?

HENN wurde im Jahr 1990 gegründet. Schnellkupplungen waren nicht von Anbeginn an das Vorzeigeprodukt im Hause HENN. Da gab es schon lange das Thema Erdwärmesonden, um das man sich bemühte. Im Jahr 1996 gelang HENN dann der Coup: man gewann Audi für die Schnellkupplungen als ersten Referenzkunden in der Automobilindustrie. Den Fuß in der Tür, tat man bei HENN das einzig Richtige: man sorgte für nachhaltige Zufriedenheit beim Kunden. Das sollte sich dann schon nach drei Jahren für HENN auszahlen. Volkswagen klopfte an der Tür. Auch hier brillierte HENN 1999 mit seiner überzeugenden Technologie.

Warum Schnellkupplungen?

HENN schuf, was schon lange fällig war. Seit Jahrzehnten begnügte man sich in der Automobilindustrie mit der altbekannten Schelle als klassischem Verbinder zwischen Luftschläuchen und Motor, Kühler und Aggregaten. Entweder alternativlos oder nie hinterfragt, war die Schelle schon immer ein System, welches an zwei Punkte krankte. Zum Einen ist die Verbindung per Schelle fehleranfällig und zum Anderen erfordert die Verbindung des Luftschlauchs mit dem Motor per Schelle einen sehr zeitaufwändigen Montageprozess. Somit drückte die Schraubverbindung an zwei Stellen: Qualität und Kosten.

Zwei Wunden mit einem Pflaster zu bedecken, war die Chance für HENN. Wenn HENNs Schnellkupplungen die Automobilindustrie begeistern, dann vor allem auch, weil sie den Montageprozess drastisch vereinfachen. Die Schnellverbindungen aus Dornbirn werden direkt mit dem Schlauch verpresst. Somit verbleibt an den Montageplätzen der Automobilindustrie nur noch das Aufstecken. Ein Arbeitsschritt, welcher nicht nur sehr schnell erledigt, sondern auch wesentlich fehlerunanfälliger ist. Wenn jährlich 35 Millionen Schnellkupplungen in der Automobilindustrie verbaut werden, dann darf man hier von einem nicht nur revolutionären, sondern von einem etablierten System sprechen. Glückwunsch an HENN.

Ist ein gutes Produkt ein Garant für den Erfolg?

Genau das ist der Punkt. Eingangs erwähnten wir bereits, dass es da etwas hakelte. Die HENN-Gruppe beschäftigte sich zunächst mit Erdwärmesonden, einem ebenso anstrengenden wie wenig erfolgreichen Vorhaben. Als im Jahr 2011 der Betriebswirt Martin Ohneberg zum Unternehmen stieß, war kurz darauf auch der Bereich Erdwärmesonden derjenige, von dem sich das Unternehmen trennte.

Martin Ohneberg war kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte sich bereits zuvor als erfolgreicher Manager bei einer ganzen Reihe von europäischen Unternehmen gezeigt. Der Bregenzer Betriebswirt erkannte schnell, welche Marktchancen die HENNschen Schnellkupplungen für die Automobilindustrie besitzen. Mit seinem Einstieg als Mehrheitsgesellschafter ins Unternehmen erfüllte sich Martin Ohneberg einen lange gehegten Wunsch: ein eigenes Unternehmen. Seine Rolle als operativer Geschäftsführer ermöglichte es ihm, das Unternehmen in kürzester Zeit neu auszurichten – auf die Schnellkupplungen für die Automobilindustrie, die „Top-Connections„.

Martin Ohnebergs Erfolg lässt sich ganz einfach in Zahlen messen. Mit seinen Schnellkupplungen gelang ihm in der Automobilindustrie im Jahr 2014 sogar ein besonderer Rekord. Mit einem Wachstum von 19 Prozent übertraf er den Vergleichswert der Branche bei Weitem. Auch schon die Jahre zuvor waren von guten Umsatzsteigerungen geprägt. Derzeit beliefert HENN 33 Automobilhersteller weltweit. Damit noch nicht genug eroberte sich Ohneberg durch die Lieferung der kompletten Anlagen zum Verpressen der Schläuche und Schnellverbindungen mit Hard- und Software eine starke Marktposition in der Automobilindustrie. Man darf die HENN-Connectoren mit Fug und Recht als „die“ Schnellkupplungen der Automobilindustrie bezeichnen.

Der Ausblick ist nicht weniger interessant als der Rückblick. Neues Betätigungsfeld wird die Dämpfung von Betriebsgeräuschen im Motorraum sein. HENN kann hier sein Expertenwissen um Besonderheiten bei Verbindungssystemen im Wasser- und Luftkreislauf als Ausgangsbasis nutzen.

300 Mio. Schnellkupplungen für die Automobilindustrie: 0 Fehler

Die Zero-Fehler-Quote ist in Zeiten riesiger Rückrufaktionen in der Automobilindustrie ein sehr vorzeigbares Alleinstellungsmerkmal – das auch den Unternehmer ruhig schlafen lässt. Das Qualitätsmanagement bei HENN ist außergewöhnlich gut. Das muss es auch sein, denn HENN Schnellkupplungen wurden derzeit bei 17% aller Autos weltweit verbaut.

Die Schnellkupplungen werden im Motorraum außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt, welche man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Ein Turbolader verpresst Luft mit einem Druck von bis zu 4,5 Bar. Rund um die Schnellkupplungen können Betriebstemperaturen von bis zu 230 Grad entstehen. Wenn bisher dennoch keine einzige der 300 Millionen Schnellverbindungen ausgefallen ist, macht dies die Qualität im Fertigungsprozess noch einmal deutlicher.

Die Rückverfolgung für den Fall der Fälle wird von HENN jedoch vorbereitet und ist gangbar. Schon bei der Auslieferung wird der einwandfreie Zustand der Schnellkupplung per Foto dokumentiert. Ein Barcode ermöglicht die schnelle Identifizierung eines jeden einzelnen Stücks und dessen Rückverfolgung.

HENN: a „Great Place To Work“

Die kooperative Teamarbeit und die Übernahme von Verantwortung durch die mittlerweile knapp 50 Mitarbeiter sind bei HENN Standard. Die Mitarbeiter sind hochgradig motiviert, was nicht zuletzt vom guten Arbeitsklima herrührt. Aber auch bei Neueinstellungen werden bei der Auswahl auf soziale Kompetenzen, die Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung und zur Weiterbildung Wert gelegt. Die Verdopplung der Mitarbeiterzahl unter der Ägide von Ohneberg sind nicht nur Zeichen der Prosperität. Für die Mitarbeiter ergibt sich hier auch ein positiver Flow, von dem man sich gerne mitreißen lässt. Die Österreichische Schmiede der „Schnellkupplungen für die Automobilindustrie“ is a „Great Place To Work“.


Bildnachweis: © pixabay.com – falco

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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