Refraktometer: High-Tech für den Imker

Die Imkerei wird gern romantisch gesehen und mit einem Leben in und mit der Natur in Verbindung gebracht. Doch weit gefehlt, auch ein Imker hat es inzwischen mit modernster Technik zu tun. Er setzt zum Beispiel das Refraktometer ein – ein Hilfsmittel zur Bestimmung des Wasseranteils im Honig. Notwendig ist diese Bestimmung, weil der Gesetzgeber einen festen Wasseranteil vorschreibt, den der Honig nicht überschreiten darf.

Welche Informationen liefert das Refraktometer?

Laut deutscher Honigordnung darf der Wassergehalt im Honig nicht über 20 Prozent liegen. Imker, die im Deutschen Imkerverbund (DIB) organisiert sind, dürfen sogar nur Honig mit maximal 18 Prozent Wasser verkaufen, wenn sie zur Abfüllung die bekannten Honiggläser des DIB verwenden. Heidehonig bildet hier die Ausnahme, er darf bis zu 23 Prozent bzw. laut Imkerbund 21,4 Prozent Wasser enthalten.

Für eine hoch professionelle Imkerei bietet sich der Einsatz eines Refraktometers an, denn mithilfe des Geräts kann der Wassergehalt im Honig ganz einfach bestimmt werden. Es werden verschiede Refraktometer eingesetzt:

1. Das Handrefraktometer

Das Handrefraktometer macht einen weniger technischen Eindruck, denn es besteht lediglich aus einem Okular und einem Prisma. Ersteres ist für das Ablesen der Messwerte unverzichtbar, auf das Prisma wird die jeweilige Probe des Honigs aufgetragen. Dies geschieht mit einer Pipette, die ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist. Ein Schraubendreher gehört ebenfalls zum Lieferumfang, damit lässt sich dieses Refraktometer kalibrieren. Dies geschieht wie folgt:

  • Geben Sie ein bis zwei Tropfen der Kalibrierungsflüssigkeit auf das Messprisma. Diese Flüssigkeit besitzt einen festen Wassergehalt, den das Refraktometer daraufhin anzeigt.
  • Stellen Sie fest, dass der Messwert nicht exakt ist, können Sie die rückseitige Schraube zur Einstellung des richtigen Wertes nutzen.
  • Reinigen Sie das Prisma.
  • Beginnen Sie mit der Honigprobe.

Diese Honigprobe wird dann wie folgt vorgenommen:

  • Säubern Sie den Deckel sowie das Prisma gründlich.
  • Sie wollen eine Probe direkt von der Wabe nehmen? Dann vermischen Sie erst einmal mehrere kleine Proben in einem Becher und geben Sie davon ein wenig auf das Refraktometer.
  • Maximal drei Tropfen Honig gehören auf das Prisma. Schließen Sie den Deckel und lesen Sie den Wert ab. Dazu ist es nötig, das Gerät ins Licht zu halten.
  • Reinigen Sie das Prisma nach der Benutzung sorgfältig – das Refraktometer dürfen Sie allerdings nicht unter Wasser halten.

Der tatsächliche Wert kann in der Imkerei nicht einfach abgelesen werden, wenn das Gerät keine automatische Temperaturkompensation besitzt. Hierfür ist der Vergleich mit der mitgelieferten Tabelle nötig, denn die Geräte werden bei einer festen Umgebungstemperatur kalibriert. Den richtigen Wert finden Sie über die Tabelle. Allerdings versucht natürlich jeder Imker, es sich so einfach wie möglich zu machen – dem wurde von der Industrie Rechnung getragen und heute erhältliche Refraktometer haben meist die automatische Temperaturkompensation integriert.

Wichtig: Auch die Imkerei kennt Hilfsmittel, die nicht das halten, was sie versprechen. So gibt es sehr billige Refraktometer, die einfach nicht genau arbeiten und bei denen leider gesagt werden muss, dass sich die Anschaffung nicht gelohnt hat.

2. Das digitale Refraktometer

Viele Imker ziehen sicherlich das digitale Refraktometer vor. Hierbei geschieht alles automatisch und das Gerät misst den Wassergehalt des Honigs mit einem einfachen Knopfdruck. Die Werte sind zuverlässig, allerdings bedeutet diese technologische Bequemlichkeit auch eine höhere Ausgabe. Je nachdem, wie viele Bienenvölker Sie als Imker zu versorgen haben, ist die Anschaffung des digitalen Refraktometers nicht in jedem Fall zu empfehlen.
Für die Messen nutzen die meisten Imker einen Honigeimer, denn hierbei werden verlässliche Werte geliefert. Der Hintergrund ist, dass sich der Honig aus den einzelnen Zellen einer Wabe stark unterscheiden kann. Im Honigeimer können die Honigproben vermischt werden, ehe sie gemessen werden.

Imkerei und Technologie: Wie kann der Wassergehalt noch gemessen werden?

Nicht nur das Refraktometer hilft dem Imker dabei, den Wassergehalt des Honigs zu bestimmen. Die Imkerei kennt hier noch viele andere Methoden! So kann die Spritzprobe gemacht werden, um erntereifen Honig zu finden. Diese wird am frühen Morgen durchgeführt, wenn noch kein neuer Nektar in die Waben getragen wurde. Dieser ist zu flüssig und würde aus der Wabe spritzen, obwohl der restliche Honig bereits zum Schleudern bereit ist. Honig ist sehr zäh, wenn wenig Wasser enthalten ist – spritzt der Honig also nicht heraus, kann er geschleudert werden. Der Wassergehalt stimmt.

Doch der Imker kennt noch eine weitere Möglichkeit, ohne technologisches Gerät den Wassergehalt zu bestimmen. Er schaut einfach nach der Deckelung der Honigwabe – ist diese zu zwei Dritteln gedeckelt, ist der Honig reif. Bienen deckeln nur die Waben, die voll sind – haben sie ihre Arbeit fast beendet, weiß der Imker, dass er den Honig bereits verwenden kann.


Bildnachweis: © morguefile.com – kakisky

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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