„Tragen Link ein“

„Tragen Sie den Link ein“ und „Toplink“ liest man allenthalben, durchstreift man mal gedankenverloren das Internet. Doch warum um alles in der Welt trage ich einen Link ein? Und was bitte schön ist ein Toplink? Ein kleiner Ausflug in die Steinzeit der Suchmaschinenoptimierung wird ein wenig Licht ins mystische Dunkel bringen.

Tragen Link ein: Toplink, Probefahrt, Linkliste, Rücktritt, Grosshandel, Webkatalog & Co.

Es begab sich zu einer Zeit, da es neben Google noch eine ganze Reihe anderer großer Suchmaschinenbetreiber gab. AskSam, Yahoo und wie sie alle hießen. Sie hatten sich einer wichtigen Aufgabe angenommen, nämlich das Web nutzbar zu machen. Was nämlich helfen die Milliarden von interessanten Seiten im Internet, wenn niemand Zugang zu ihnen erhält – zum Beispiel aus dem banalem Grund, weil der Nutzer einfach nichts von ihnen weiß. Umgekehrt wurde bei den Nutzern des Internets recht schnell der Wunsch wach, Informationen zu einem ausgewähten Thema im Internet aufzustöbern. Gibt es denn kein Webverzeichnis? Kein „Telefonbuch“ des Internets?

Webkatalog: das digitale Telefonbuch

Lange bevor es den Begriff „digital“ gab, entwickelte sich etwas Neues im Web und ich glaube, der übertragene Begriff des Telefonbuchs trifft den Charakter der Webverzeichnisse recht gut. Wie eine Art Branchenbuch darf man sich das vorstellen, was sich in mannigfaltiger Ausführung begann, herauszubilden.

Webseiten, auf denen keine Abhandlungen über Geschehnisse und Sachzusammenhänge zu lesen waren, sondern schlicht nur Listen von Webseiten, die man themenbezogen zusammengetragen hatte. Für den Nutzer stellten diese Listen und Webverzeichnisse eine große Hilfe dar, konnte man doch hier themenverwandte Seiten ausfindig machen und dann auf Erkundungstour gehen. Man merke: die Suchmaschinen standen noch ganz am Anfang ihrer technischen Möglichkeiten und auch Google kochte noch mit lauwarmem Wasser.

User Generated Content der ersten Stunde: „Tragen Link ein“

Die Webkataloge und Webverzeichnisse waren jedoch auf die Mithilfe der Nutzer angewiesen, denn die Unmenge der entstehenden Webseiten konnte von einzenen Personen nicht katalogisiert werden. So baten denn die Betreiber der Webkataloge die Nutzer, doch bitte die Ihnen bekannten Links zu interessanten Webseiten in bestimmte Branchenlisten einzutragen. Dies ist der Grund, warum in eben desen Webkatalogen unter der Liste der Webseiten eines Themenkatalogs zu lesen war: „Tragen Sie den Link ein!“ oder „Schlagen Sie den Link vor!“. Es gab also schon in den Geburtsstunden des Internets den User Generated Content (UCG), wennauch in einer Minimalform.

Toplink: … tragen Sie den Link ein (und helfen Sie anderen beim Suchen)

Der Begriff des Toplinks bildete sich schnell heraus. Einige der Webkataloge wuchsen schnell an und auch die Verzeichnisse an Webseiten für eine Branche oder ein Thema wurden schnell unübersichtlich. Wer darin stöberte war bald überfordert und von der Menge erschlagen.

Um die Menge der Daten nutzbarer zu gestalten, führten einige Betreiber Mechanismen ein, die gespeicherten Links zu bewerten. Dies konnte die Häufigkeit sein, mit der diese von Nutzern angeklickt wurden oder auch Bewertungssysteme, mit denen Nutzer nach Besich der betreffenden Seite ihre Wertung hinterließen, um anderen ihre Suche nach gutem Content zu erleichtern.

Links in einem Webverzeichnis, die besonders häufig angeklickt bzw. gut bewertet wurden, wurden dann oftmals zuoberst als Toplinks ausgewiesen. So hatten Nutzer die Möglichkeit, ihr Glück zuerst bei den als Toplinks markierten Webseiten zu versuchen.

„Link empfehlen“, „URL vorschlagen Backlink“, „URL hinzufügen“

Die Dinge haben sich im Laufe der Jahre geändert. Die Webkataloge verloren mit zunehmender Qualität der Suchergebnisse der Suchmaschinen an Bedeutung. Wer einen Link empfehlen möchte, der verweist heutzutage auf seiner eigenen Webseite in seinem Blogpost oder Artikel genau an der Stelle, an der das Thema behandelt wird auf die zu empfehlende Webseite, indem er dorthin verlinkt. Suchmaschinen wie Google und Bing erkennen dies und werten das Link empfehlen als Qualitätsaussage.

Musste man früher noch neue Webseiten bei Google anmelden und dort deren URL hinzufügen, kann man dies mittlerweile getrost dem Crawler der Suchmaschinen überlassen. Wird über die eigene Webseite besprochen, findet diese recht schnell den Weg in die Suchmaschinen. Niemand muss noch eine URL vorschlagen. Backlink & Co. haben allerdings die Betrachtungsweise geändert. Die Herren Suchmaschinenoptimierer haben nämlich den guten alten Webkatalog als Möglichkeit wiederentdeckt, einer Webseite auf einfache Weise den einen oder anderen Backlink zu verschaffen – und das mit minimalem Aufwand.

Webkatalog kostenlos eintragen, ohne Backlinkpflicht

Wenn ich hier von „dem einen oder anderen“ Backlink spreche, dann muss man sich bewusst sein, dass Suchmaschinenoptimierer mehr vom Typ „Jäger und Sammler“ sind. Gerade Backlinks schätzt man in größeren Gebinden, ab 50-100 aufwärts. Der Wunsch der Suchmaschinenoptimierer war es schon immer, möglichst viele Backlinks zu einer Webseite einzusammeln. Wenn also ein Webkatalog Eintrag mit Kosten verbunden war – was nicht ungewöhnlich war – dann konnte sich das Ansinnen recht schnell zu einem erklecklichen Betrag summieren. Man möchte also seine URL zur Webseite gerne in den Webkatalog kostenlos eintragen. Im Internet muss ja ohnehin alles kostenlos sein, nicht wahr?

Einige Webkataloge und Webverzeichnisse forderten den Eintragenden auch auf, als Gegenleistung für das Eintragen der URL ebenfalls einen Link als Verweis zum Webkatalog auszubringen. Auf diese Weise versprach sich der Betreiber des Webkatalogs auch einen positiven Effekt für seinen Webkatalog in den Suchmaschinen. Es war dann quasi ein Tausch. Google & Co. sehen derlei Toplink-Spiele allerdings nicht so gerne.

In der Szene der Suchmaschinenoptimierer herrschte damals die Meinung vor, dass es vorteilhafter sei, einen Toplink zur eigenen Webseite zu erhalten, ohne dafür einen Backlink zurück schalten zu müssen. Infolgedesssen waren damals vor allem Webkataloge „ohne Backlinkpflicht“ gefragt. Und kostenlos mussten sie auch noch sein. Das haben wir ja schon gelernt.

Der Webkatalog Eintragsdient

Wer das „Link empfehlen“ und „URL hinzufügen“ tagtäglich umsetzt, merkt, dass es mit einer nicht unerheblichen Menge an Arbeit verbunden ist. Es entwickelten sich dann die sogenannten Eintragsdienste. Softwaremodule tragen den Link ein, von Toplink bis Hyperlink und URL. Das geht natürlich wesentlich schneller als ein manuelles Vorgehen. Wer automatisch den Eintrag in Webkataloge vornehmen lassen konnte, war fein raus.

Ist das „Link eintragen“ noch aktuell?

Das Eintragen von Links in kostenlose Webkataloge war jahrelang in den Hintergrund gerückt. Mittlerweile erinnern sich jedoch viele Suchmaschinenoptimierer an diese Verfahrensweise. Wer in einem Webkatalog mit „Link Suggest Add“ einen Verweis zu seiner Webseite erzeugt, kann mit derlei Maßnahmen zumindest die ersten Schritte zur Förderung der Bekanntheit seiner Webseite gehen.

Allerdings muss man sich einer Tatsache bewusst sein. Suchmaschinen wie Google haben natürlich bereits seit langem die Webkataloge und Webverzeichnisse als solche identifiziert. Taucht eine neue Webseite plötzlich zahlreich in den „bekannten“ Webkatalogen auf, erkennt Google die dahinterstehende Absicht und beäugt die betreffende Webseite sicher etwas genauer und argwöhnischer. Ein Suchmaschinenoptimierer ist insofern angehalten, hier nicht nach dem Gießkannenprinzip das „Link eintragen“ im großen Stil zu betreiben, sondern eher selektiv. Einige der Webkataloge genießen nämlich hohes Ansehen, da der Eintrag dort kuratiert wird. Zu den privilegierten Webkatalogen zählt beispielsweise das DMOZ. Auch hier zählt also Klasse vor Masse.

Das Interessante an den Webkatalogen ist in diesem Zusammenhang, dass in der heutigen Zeit eigentlich fast keine Nutzer mehr die Verzeichnisse nutzen. Hauptsächliche Leser der Verzeichnisse sind die Suchmaschinen. Warum auch sollten Nutzer sich die Mühe machen, ein solches Verzeichnis zu bemühen? Die heutigen Suchmaschinen liefern Vorschläge für thematisch passende Seiten zu fast jedem Suchbegriff in erstaunlicher Qualität. So sehr das „Tragen Link ein“ und „Schlagen Link vor“ wieder in Mode kommt, so abstrus ist es auf der anderen Seite.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Valentin Valkov

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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