Arbeitszeugnis: Was man unbedigt beachten sollte

Arbeitszeugnis schreiben: Welche Formulierung entspricht welcher Bewertung?

Nachdem ein Job gekündigt wurde – ob durch den Arbeitgeber oder durch den Arbeitnehmer – oder wenn ein Arbeitsvertrag schlichtweg ausgelaufen ist, steht die Ausfertigung eines Arbeitszeugnisses an. Doch die Sprache in diesem ist eine ganz andere als die normale deutsche Sprache! Ob mit der Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und Bewerbung möglich sind, hängt von den verwendeten Codes darin ab.

Anforderungen an das Arbeitszeugnis

Wenn mit der Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und neue Bewerbung möglich sein sollen, muss das Zeugnis natürlich gut ausfallen. Hierfür gibt es laut Gewerbeordnung sogar die Vorgabe, dass das Arbeitszeugnis wohlwollend sein muss. Das heißt, es darf dem Arbeitnehmer nicht bewusst schaden oder übel nachreden. Es muss aber dennoch wahr sein. Eine offene Kritik darf nicht enthalten sein, die versteckte aber sehr wohl.

Aus diesem Grund hat sich eine regelrechte Zeugnissprache entwickelt, mit der sich die Arbeitgeber untereinander genau mitteilen können, wie gut oder schlecht ein Arbeitnehmer seinen Job gemacht hat. Meist klingt das alles sehr nett, doch wirklich toll muss ein augenscheinlich gutes Arbeitszeugnis noch lange nicht sein.

Die Formulierungen können sogar das ganze Gegenteil von dem bedeuten, was sie auf den ersten Blick aussagen. Eine neue Bewerbung kann sich somit ganz schnell erledigt haben, wenn der Personaler aus dem Arbeitszeugnis herausliest, dass der Bewerber doch gar nicht fleißig oder in der Lage ist, ihm übertragene Aufgaben zu erfüllen.

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf ein Arbeitszeugniss: Nur entscheident ist wie gut oder eben auch wie schlecht ist das Zeugniss tatsächlich

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf ein Arbeitszeugniss: Nur entscheident ist wie gut oder eben auch wie schlecht ist das Zeugniss tatsächlich (#01)

Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und Anforderungen

Wenn mit der Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und Beurteilung des Arbeitnehmers möglich sein sollen, muss das Zeugnis erst einmal gewisse Anforderungen erfüllen. Das heißt, Personaler achten auf die folgenden Kriterien zuerst:

  1. Wurde das Arbeitszeugnis auf Firmenpapier gedruckt?
  2. Sind die Adressen vollständig?
  3.  Wurde das Zeugnis unterschrieben?
  4.  Sind in dem Arbeitszeugnis die Anforderungen bestätigt, die für die neue Stelle erfüllt werden müssen?
  5. Sind die Zeiten im Lebenslauf identisch mit denen im Arbeitszeugnis?

Dann folgt der genaue Blick hinter die Kulissen:

  1.  Was verrät der alte Arbeitgeber über den Bewerber?
  2.  Welche versteckten Botschaften werden übermittelt?
  3.  Sind die Leistungen im Vergleich zu früheren Arbeitszeugnissen besser geworden (wenn mehrere Zeugnisse beigelegt werden)?

 

Augenscheinlich ein tolles Arbeitszeugniss, nur leider kann man da so einiges negatives verstecken

Augenscheinlich ein tolles Arbeitszeugniss, nur leider kann man da so einiges negatives verstecken (#02)

Mit der Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und Beurteilung beeinflussen

Viele Arbeitgeber versuchen, einem potenziellen neuen Chef ihres ehemaligen Mitarbeiters über bestimmte Formulierungen mitzuteilen, dass es sich hier um einen Versager handelt oder wenigstens um jemanden, der die Aufgaben nicht unbedingt perfekt erfüllt. Viele Arbeitnehmer merken das nicht einmal, sie lesen das Arbeitszeugnis durch und denken sich, dass sie wohl einen ganz besonders guten Stand bei ihrem Chef hätten.

Doch Fehlanzeige! Die geheimen Botschaften bedeuten meist nichts Gutes und Zufriedenheit beim Chef sieht anders aus. Achten Sie daher darauf, welche Formulierungen doppeldeutig sind und nehmen Sie jeweils die negativere. Wenn etwas Gutes gesagt werden soll, wird das auch nicht doppeldeutig formuliert!
Klassische Beispiele sind:

„Sie besitzt ein gutes Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.“
-> eingebildet, arrogant und überheblich
„Sie war bei Kunden rasch beliebt.“
-> keinerlei Verhandlungsgeschick vorhanden
„Sie bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.“
-> Der Versuch blieb erfolglos.

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den üblichen Formulierungen, die beim ersten Lesen so toll klingen, es im Grunde aber gar nicht sind. Wer von den Zeugniscodes allerdings keine Ahnung hat, wird diese auch nicht durchschauen und kommt nicht dahinter, welch schlechte Leistung ihm eigentlich bescheinigt wird.

Wenn Sie mit der Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und Bewerbungsvorhaben positiv ausfallen lassen wollen, müssen Sie einen genauen Blick auf Ihr Arbeitnehmerzeugnis werfen und es gegebenenfalls beanstanden.

Manchmal ist es wirklich ratsam, nur ein einfaches Zeugniss mit Fakten, Zahlen und Aufgaben sich ausstellen zu lassen

Manchmal ist es wirklich ratsam, nur ein einfaches Zeugniss mit Fakten, Zahlen und Aufgaben sich ausstellen zu lassen (#03)

Mit dem einfachen oder dem qualifizierten Zeugnis gehen?

Wenn Sie mit der Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung und Einstellung positiv beeinflussen wollen und Zweifel an Ihrer Beurteilung haben, sollten Sie besser ein einfaches Arbeitszeugnis verlangen. In diesem sind nur sachliche und nachprüfbare Fakten enthalten. Es werden Ihre Aufgaben als Mitarbeiter genannt, es geht um die Dauer Ihrer Tätigkeit und um eventuelle zusätzliche Arbeiten.

In einem qualifizierten Arbeitszeugnis sind auch die Aufgaben und Tätigkeiten des Arbeitnehmers genannt, dazu kommen aber noch Beurteilungen im Hinblick auf die erbrachten Leistungen und auf das Sozialverhalten.
Der Grund, warum Sie aus dem Unternehmen ausscheiden, wird nach der Beurteilung genannt. Dann folgen die Schlussformel sowie die Wünsche für die Zukunft.

Sind diese nicht gut formuliert bzw. werden sie völlig weggelassen, kann der neue Chef daraus entnehmen, dass Ihr früheres Unternehmen froh ist, Sie los zu sein und dass ihm Ihre Zukunft völlig egal ist. Zufriedenheit mit einem Mitarbeiter wird so auf jeden Fall nicht ausgedrückt.

Eine Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung vornehmen

Sie haben ein Zeugnis des Arbeitgebers erhalten und möchten nun eine Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung vornehmen. Dafür müssen Sie die Codes aber gut kennen! Sogar verklausulierte Schulnoten wurden inzwischen in das Bewertungssystem übernommen, die Worte „zur vollen“ oder „stets“ sprechen für eine Verwendung dieser Schulnoten. Lesen Sie irgendwo „bemüht“ als Beurteilung, können Sie von einem Arbeitszeugnis ausgehen, das alles andere als gut ist. Die Schulnoten staffeln sich dabei wie folgt:

„Sie erfüllte Ihre Aufgaben …

1 – stets zur vollsten …
2 – zur vollsten …
3 – zur vollen …
4 – zur …
5 – im Großen und Ganzen zu unserer …… Zufriedenheit.

Die Note 6 wird mit „Sie hat sich bemüht, …“ ausgedrückt.

Jeder Arbeitnehmer hat natürlich das Recht gerichtliche Schritte zu gehen

Jeder Arbeitnehmer hat natürlich das Recht gerichtliche Schritte zu gehen (#04)

Was sagt das Arbeitsrecht zur Arbeitszeugnis Formulierung Bewertung?

Immer wieder kommt es zu Rechtsstreitigkeiten, weil Arbeitnehmer mit ihren Zeugnissen nicht einverstanden sind. Pro Jahr beschäftigen sich die Arbeitsgerichte mit mehr als 10.000 Prozessen aufgrund codierter Zeugnisse. Solche Negativzeugnisse sind rechtlich verboten, werden jedoch immer wieder ausgestellt. Eine Ausnahme stellt ein Fehlverhalten seitens des Arbeitnehmers dar.

Wenn dieser wegen Diebstahl oder Untreue entlassen wird bzw. dieses Verhalten im Arbeitszeugnis erwähnt wird, ist das rechtens. Der Chef darf hier die Tatsachen beschreiben, wie sie sind – Beschönigungen müssen nicht gefunden werden. Der Grund: Der neue Chef könnte den alten auf Schadensersatz verklagen, wenn dieser bewusst solch ein Fehlverhalten des Arbeitnehmers verschweigt oder beschönigt.
Die Rechtsprechung hat in der Vergangenheit wie folgt entschieden:

  1.  Arbeitszeugnisse müssen mindestens mit dem Urteil „befriedigend“ schließen. Schlechtere Zeugnisse müssen begründet werden.
  2.  Selbstverständlichkeiten müssen im Arbeitszeugnis nicht erwähnt werden, denn damit wird ein schlechter Eindruck erzeugt.
  3.  Versteckte Hinweise sind nicht zulässig, so auch das Angebot, für Rückfragen bezüglich der Leistung des Arbeitnehmers als früherer Chef zur Verfügung zu stehen.

Neue Codes im Anmarsch

Viele Chefs wollen ihren ehemaligen Mitarbeitern unbedingt noch einmal eins auswischen – auch wenn sie das offiziell per Arbeitszeugnis nicht dürfen. Sie finden dennoch einen Weg und nutzen nun neue Codes und verschlüsselte Botschaften. Allerdings steckt nicht immer böser Wille dahinter, einige Personaler sind mit der Zeugnissprache auch einfach nicht vertraut genug und schreiben etwa, was sie so eigentlich gar nicht sagen wollten.

Gern wird zum Beispiel auf Unwichtiges besonders hingewiesen. Je mehr unwichtige Einzelheiten im Arbeitszeugnis auftauchen, desto schlechter fällt es aus – der sorgfältige und sparsame Umgang mit Büromitteln, mit alltäglichen PC-Programmen und höfliche Umfangsformen sind selbstverständlich. Durch eine Überbetonung an dieser Stelle wird eigentlich nur gesagt, dass mehr eben auch nicht war.

Fehlt hingegen die wichtige Bewertung, heißt das nichts anderes, als dass die entscheidende Qualifikation eben nicht vorhanden war. Eine negative Umschreibung mit „nicht“ oder „kein“ kann zwar auf den ersten Blick positiv erscheinen, ist es aber in der Regel nicht. Wenn es keinen Anlass zu Beanstandungen gab, muss dieser Fakt auch nicht extra erwähnt werden, ansonsten gab es wohl doch solche Anlässe.

Klar ist es schön, wenn man als Mitarbeiter nicht nur per Handschlag verabschiedet wird, nur ein Anrecht, dass auch ein Alles Gute für die Zukunft im Zeugniss geschrieben wird, hat man nicht

Klar ist es schön, wenn man als Mitarbeiter nicht nur per Handschlag verabschiedet wird, nur ein Anrecht, dass auch ein Alles Gute für die Zukunft im Zeugniss geschrieben steht hat man nicht (#05)

Auf welche Abschlussformeln kommt es an?

Ob das Beste immer zum Schluss kommt? Das sei zumindest im Arbeitszeugnis einmal dahingestellt, denn die ein, zwei Sätze am Ende können alles ruinieren. Teilweise lässt sich hier mehr herauslesen als im ganzen Zeugnistext zuvor. Der Grund ist zum einen, dass das zuletzt Gelesene einfach länger im Gedächtnis bleibt. Zum anderen kann mit wenigen Worten alles zuvor Gesagte zunichtegemacht und ins komplette Gegenteil verkehrt werden.

Wichtig: Die Abschlussformulierung ist nicht vorgegeben, sie kann freiwillig Erwähnung finden. Vor dem Arbeitsgericht kann niemand darauf beharren, dass die guten Wünsche am Ende des Textes erscheinen, eine rechtliche Handhabe gibt es hier also nicht. Niemand muss als Personaler einem scheidenden Mitarbeiter viel Glück für die Zukunft wünschen.

Abschlussformeln folgen einem bestimmten Aufbau:

1. Gründe für die Trennung vom Unternehmen

Hier wird erwähnt, wer die Trennung veranlasst bzw. verursacht hat, ob sie auf eigenen Wunsch des Mitarbeiters stattfand oder ob eine Kündigung ausgesprochen wurde. Letzteres wird dann gern mit „im gegenseitigen Einverständnis“ angedeutet.

2. Für die Zusammenarbeit danken

In der Regel bedankt sich das Unternehmen dafür, dass es mit dem Angestellten zusammenarbeiten durfte. Auch die Leistungen sind ein „Danke“ wert. Als negativ ist anzusehen, wenn dieses Danke völlig fehlt – es gibt wohl keinen Grund, sich für Leistung und Kooperation zu bedanken, weil sie schlichtweg nicht vorhanden waren.

3. Die Trennung bedauern

Ähnlich wie für das Bedanken gilt auch für das Bedauern der Trennung, dass beides nicht vorhanden sein muss. Wenn die entsprechende Formel aber fehlt, ist das ein eindeutiges Zeichen für den nächsten Chef, dass dieser Angestellte wohl zu Recht endlich ging und dass man scheinbar froh sein kann, ihn los zu sein. Einen guten Angestellten lassen die Firmen nicht gern gehen und erwähnen diesen Fakt auch in der Abschlussformulierung.

4. Zukunftswünsche mitgeben

Der Personaler oder Chef wünscht dem scheidenden Angestellten zum Schluss noch alles Gute – hoffentlich, denn andernfalls steht es um die Bewerbung im neuen Unternehmen schlecht. Wenn dem Angestellten nichts Gutes gewünscht wird, hat er das wohl auch nicht verdient. Und wer möchte so jemanden schon einstellen?

 

Die Kleinigkeiten bei Arbeitszeugnissen

Der Teufel steckt auch bei Arbeitszeugnissen im Detail und viele Unternehmen nutzen sprachliche Feinheiten, um versteckte Botschaften an den potenziellen neuen Chef des Mitarbeiters zu übermitteln. So wird zum Beispiel auf einige wenige Worte gesetzt, die aber eine ungeheure Tragweite haben. Sie sind entscheidend für die Beurteilung des Zeugnisses als gutes oder befriedigendes Exemplar. Die Firmen bzw. diejenigen, die das Arbeitszeugnis verfassen, arbeiten mit unterschiedlichen Intensitäten der Sprache und lassen einzelne Worte den Ausschlag für die Bewertung geben.

Teilweise wird auf positive Sätze gesetzt, die auf den ersten Blick wirklich toll klingen. Auf den zweiten Blick klingen sie vielleicht immer noch toll, haben aber einen gewissen negativen Beigeschmack. Doch viele positive Sätze sind als negativer Wink mit dem Zaunpfahl gedacht und wer einem scheidenden Angestellten viel Glück wünscht, ist noch lange nicht nett. Vielmehr bedeutet das, dass der Betreffende ohne eine Portion Glück wohl keinen Erfolg haben wird – denn von Können kann bei der gezeigten Leistung nicht gesprochen werden. Gemein, aber Alltag im Verfassen von Arbeitszeugnissen.

Lassen sie sich beraten, lassen sie lieber genau checken wie gut oder schlecht ihr Zeugniss tatsächlich ist

Lassen sie sich beraten, lassen sie lieber genau checken wie gut oder schlecht ihr Zeugniss tatsächlich ist (#06)

Nicht zuletzt kommt es auf die Satzstellung an. Denn ein und dasselbe Wort kann innerhalb eines Satzes an verschiedenen Stellen stehen und schon etwas Anderes ausdrücken. Wer schreibt: „Wir wünschen weiterhin viel Erfolg“, wünscht etwas anderes, als wenn er formuliert: „Weiterhin wünschen wir viel Erfolg.“ In letzterem Satz wird ausgesagt, dass der Erfolg bisher ausblieb, in ersterem wird davon ausgegangen, dass der Erfolg im jetzigen Unternehmen wohl auch im zukünftigen Bestand haben wird.

Eine derartig komplizierte Sprache kann von einem Laien nicht verstanden werden. Wer sich daher unsicher ist, sollte zu einem Anwalt für Arbeitsrecht gehen oder die neuen Apps nutzen, die Zeugnisse per Smartphone analysieren.


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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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