Autoklav: Investitionen führen FACC zur Umsatzmilliarde

Der Autoklav alleine bringt die Umsatzmilliarde noch nicht, doch er ist wichtig. Der Aerospace-Zulieferer FACC greift für 2020/2021 nach den Sternen. CEO Machtlinger hat große Pläne.

Autoklav: für die Zukunft rüsten

Der oberösterreichisch-chinesische Flugzeugzulieferer FACC steht blendend da. Die Auftragsbücher sind für die kommenden sechs Jahre bereits gefüllt. Die Aufträge summieren sich auf stolze 5,8 Milliarden Euro. FACC zählt in seiner Sparte zu den Weltmarktführern. Systeme von FACC finden sich in Flugzeugen von Boeing, Airbus, Embraer, COMAC und Bombardier.

Leichtbausysteme für Flugzeug- und Triebwerkshersteller bilden die Produktpalette von FACC. Die technologische Weiterentwicklung ist rasant. FACC hat dabei den Anspruch, gegenüber Wettbewerbern stets einen Vorsprung zu halten. Seit Jahre spielt FACC an der Spitze sehr erfolgreich mit. Zu jeder Sekunde des Tages startet oder landet auf dieser Erde ein Flugzeug, das mit Equipment von FACC ausgestattet ist.

In die Zukunft investieren: die Story der Autoklav-Einheiten

Im Jahr 2017 investierte FACC den Betrag von 100 Millionen Euro in ein Investitionsprogramm, das unter anderem eine Erweiterung der Produktionsfläche an den beiden Standorten Reichersberg und Ort im Innviertel auf 6.400 Quadratmeter bewirken wird. Mit dieser Vergrößerung der Produktionskapazitäten begegnet CEO Machtlinger der wachsenden Nachfrage der Aerospace-Industrie.

Bestandteil des Investitionsprogramms sind auch zwei Autoklav-Einheiten für die beiden Standorte. Die Autoklav-Einheiten werden bei FACC die größten ihrer Art sein. Die gasdicht verschließbaren Druckbehälter mit einer Länge von 19,90m und einem Durchmesser von 6,10m werden bei FACC zur thermischen Behandlung von Bauteilen im Überdruckbereich eingesetzt.

Per Schiff und Tieflader: der Transport der Autoklav-Einheiten

Für den Transport der beiden Autoklav-Einheiten ließ der Coesfelder Maschinenbauer Scholz zunächst beide Autoklave per Schiff nach Oberösterreich verbringen. Ab der Einschiffung im Hafen Lüdinghausen waren die beiden Autoklave 14 Tage unterwegs, bis sie in Aschach an der Donau ankamen. Der schwierigere Teil der Fahrt begann aber im Hafen von Aschach. Zwei 8- bzw. 12-achsige Tiefllader übernahmen den Weitertransport an die Bestimmungsorte Reichersberg und Ort im Innkreis.

Ein Autoklav brachte immerhin 160 bzw. 140 Tonnen Gewicht auf den Tieflader, den 800 PS starke Zugmaschinen schleppen mussten. Die Fahrstrecke musste zudem vorbereitet werden. Brückenbauwerke mussten ertüchtigt werden, da sie für das Gewicht des Transports zu schwach waren. Überbreite und -höhe des Schwertransports erforderten zudem das Anheben von Strom- und Telefonkabeln. Lichtmasten und Ampeln mussten entfernt werden, um dem Autoklav-Transport Durchlass zu gewähren.

Aushärtung von Triebwerksverkleidungen im Autoklav im FACC Werk 4 in Reichersberg in Oberösterreich. (#1)

Aushärtung von Triebwerksverkleidungen im Autoklav im FACC Werk 4 in Reichersberg in Oberösterreich. (#1)

Auch von Cyberattacke nicht zu stoppen

Im Jahr 2016 wurde FACC das Opfer einer Cyberattacke. Eine Anweisung per E-Mail veranlasste die Finanzchefin zu einer Überweisung in Höhe von 50 Millionen Euro. Anders als vermeintlich erkannt, wurde die Mail jedoch nicht vom damaligen CEO Walter A. Stephan verfasst, sondern von Cyberkriminellen. Glück im Unglück für FACC: der Cyberangriff traf das Firmenvermögen, nicht die Systeme, wie damals ein Sprecher von FACC verlautete. Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens wurde hinsichtlich der Liquidität nicht gefährdet.

Die Staatsanwaltschaft Ried wurde von FACC involviert, gab das Verfahren dann aber ob der vermuteten Schadenshöhe an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ab. Auch an der Börse schlug der Vorfall Wellen. Die FACC-Aktie sackte am „schwarzen Mittwoch“ an der Wiener Börse um nahezu 17 Prozent ab. Der Schaden der Cyberattacke in Zahlen: der operative Fehlbetrag des Geschäftsjahres 2015/16 verfünffachte sich YTD von 4,5 auf 23,4 Millionen Euro.

Der Reputationsverlust war groß und CEO Walter A. Stephan verließ sein Amt. Robert Machtlinger, der zum damaligen Zeitpunkt als Technikvorstand im Unternehmen agierte, übernahm in Interimsfunktion die Führung des Unternehmens. Im Januar 2017 wurde er in seiner Funktion bestätigt – ein positive Entwicklung für FACC.

FACC auf Wachstumskurs

Mit Robert Machtlinger kam auch ein Schub des Erfolgs für FACC. Die von Machtlinger eingeleiteten Veränderungen führten zu mehr Profitabilität bei FACC. Die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2018/19 zeitigten einen Umsatz mit einem Plus zum Vorjahr von vier Prozent: 589,2 ­Millionen Euro. Das operative ­Betriebsergebnis stieg sogar um 5,3 Prozent auf einen Wert von 42,2 Millionen Euro. Hält die Entwicklung an, darf man nach dem Rekordumssatz des Geschäftsjahrs 2017/18 von 750 Millionen Euro nun für 2018/19 die prognostizierte Größe von 770-780 Millionen Euro erwarten.

Die Leichtbauweise in der Luftfahrtindustrie

Die Leichtbauweisen in der Luftfahrtindustrie zu platzieren war nicht einfach. Als FACC vor 20 Jahren begann, lag bei Flugzeugen der Composite-Anteil am Gesamtgewicht bei nur etwa zehn Prozent. Heutige Flugzeuge haben dagegen einen Composite-Anteil von über 50 Prozent.

Die enge Verzahnung mit der Luftfahrtindustrie bringt auch ihre Risiken mit sich. Als es im Jahr 2006 Verzögerungen beim Airbus 380 gab, musste FACC die Produktion von Bauteilen für dieses Projekt stoppen. Als Airbus das Aus für den weltgrößten Passagierjet für 2021 verkündete, bedeutete dies für FACC eine Einbuße beim operativen Gewinn von 12 Millionen Euro.

Des Geschäftsmodell FACC ist dennoch positiv zu bewerten. Wie Airbus bereits im Sommer 2018 verlautbarte, wird der Bedarf an Flugzeugen in den nächsten Jahrzehnten eher noch steigen. CEO Machtlinger peilt daher recht zuversichtlich die Schallmauer von einer ­Milliarde Euro Umsatz an.

Mit dem Autoklav in die Zukunft

Was sich auf den Fotos des Jahres 2017 mit den Autoklav-Einheiten plakativ zeigte, ist die zielstrebige Planung von CEO Machtlinger. Mit Perspektive 2030 betrachtet, will Machtlinger das Unternehmen FACC an der Gestaltung der Zukunft der Mobilität teilhaben lassen. Darüber hinaus plant FACC auch den Aufbau neuer Geschäftsfelder. So will man im Feld Maintenance, ­Repair & Overhaul (MRO) gezielt Umsätze in Höhe von 100 Millionen US-Dollar erzielen – bis 2022.

Für FACC ist das en-vogue-Thema KI/Künstliche Intelligenz bereits sehr präsent. So erkennt eine gechipte Komponente per KI Veränderungen in der Belastung. Im Bereich des autonomen Fliegens sieht Machtlinger einen weiteren globalen Markt von 30 Milliarden USD für Drohnentaxis. FACC richtet hier seinen Blick nach China, genauer zum chinesischen Technologieunternehmen EHang. Deren Modell EHang 184 wurde im Jahr 2016 als das erste autonome Luftfahrzeug auf der International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt.


Bildnachweis: © Titelbild FACC, #1 FACC/Bartsch

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply