Sharing Economy: Dienstleistungen anbieten, Dinge teilen – Hype oder Trend?

Derzeit wird überall von der „Sharing Economy“ gesprochen – doch was heißt das eigentlich und was beinhalten die einzelnen Konzepte? Wichtig zu wissen: Differenzierungen sind hier dringend nötig, es geht nicht einfach nur um das Tauschen und Verschenken.

Tauschen und Verschenken: Kein Modetrend

Lange Zeit galt es als Hype, Dinge zu tauschen und zu verschenken – doch dieser Trend hält sich gegen alle Erwartungen und hat Einzug ins Internet gehalten. Verschiedene Portale bieten Hilfestellungen und Vermittlungen an. Dabei werden unterschiedliche Konzepte verfolgt, die an dieser Stelle in Kurzform vorgestellt werden sollen.

Wichtig: Wer Dienstleistungen tauschen will, muss dieser Sache allerdings auch offen gegenüberstehen.

Was so logisch klingt, stellt sich in der Realität oft als nicht umsetzbar heraus. Interessant ist, dass beim Sharing auch Unternehmen mitmischen, die zum Beispiel Autos oder Fahrräder vermieten. Hierbei geht es um die Variante „Mieten statt Besitzen“, was nichts mit dem privaten Anbieten von Dienstleistungen zu tun hat.

Video: Sharing Economy – mehr als nur teilen

Sharing von Lebensmitteln

Lebensmittel zu teilen, ist eigentlich eine logische Sache. Reste einer Party oder der volle Kühlschrank, der vor dem Urlaub noch leergeräumt werden muss, können über foodsharing.de angeboten werden. Diese Offerte ist kostenlos möglich. Nutzer finden hier in der näheren Umgebung Lebensmittel, die sofort abgeholt werden können. Vielleicht lässt sich sogar ein gemeinsamer Termin zum Kochen finden!

Teilen von Medien

Bücher tauschen Studenten und andere Menschen, wenn sie diese nicht zwingend neu kaufen wollen. Die Plattform leih-ein-buch.de ist zwar optisch nicht besonders attraktiv, funktioniert aber und ist mit einer Bibliothek vergleichbar.

Das Wunschbuch kann für 28 Tage ausgeliehen werden, die Systemgebühr von 33 Cent und das Porto für das Verschicken müssen gezahlt werden. Wer das Porto sparen will, kann auch den Regioverleih nutzen und das Buch selbst abholen.

Doch nicht nur Bücher werden getauscht, auch andere Medien werden dabei berücksichtigt. Spiele, DVDs oder CDs können ebenso im Sharing inbegriffen sein.

Kleider tauschen und teilen

Wer hat nicht schon einmal seinen Kleiderschrank ausgemistet und wusste nicht, wohin mit all dem Zeug? Fashionlend.com ist eine Seite, die das Verleihen von Kleidung und Accessoires ermöglicht. Hier können auch teure Kleidungsstücke refinanziert werden, außerdem lassen sich neue Leute kennenlernen.

Auf der Plattform werden Produktfotos hinterlegt und der Mietpreis muss festgelegt werden. Ein Übergabeprotokoll regelt alles zum Mieten des Kleidungsstückes, darin werden auch Preis und Kaution festgeschrieben.
Ähnlich funktioniert kleiderkreisel.de, eine Tauschbörse für Kleidung und Accessoires. Mehr als 6000 Nutzer sind hier derzeit schon eingeschrieben, angeboten werden über 45.000 Artikel.

Etwas für Kinder

Kinder kosten jede Menge Geld, daher bieten sich Onlinetauschbörsen an. Besonders bekannt ist hier der Mamikreisel, auf dem Umstandskleidung, Kinder- und Spielsachen angeboten werden können. Tipps und eine Community runden das Angebot ab.

Auch mylittlebigswap.de ermöglicht das Tauschen von Kleidungsstücken und Spielzeugen, sogar Bücher werden hier angeboten. Die zu verleihenden Artikel werden einfach eingeschickt, alles andere erledigen die Mitarbeiter der Plattform – kein umständliches Fotografieren, Beschreiben und Einstellen der Artikel ist nötig.

Sharing Economy for Kids: Spielzeug und Kinderkleidung einfach wegtauschen oder weiterverkaufen. (#02)

Sharing Economy for Kids: Spielzeug und Kinderkleidung einfach wegtauschen oder weiterverkaufen. (#02)

Verschiedene Sachen tauschen und anbieten

Wer hat nicht schon einmal wegen Zucker oder eines Eis beim Nachbarn geklingelt? Das ist dank frents.com nicht nötig. Hier können Gegenstände aus der Nachbarschaft ausgeliehen werden, ohne dass erst geklingelt werden muss. Wer welcher Dinge anbietet, ist auf einer Karte ersichtlich, so kann direkt ausgekundschaftet werden, wo was geliehen werden kann. Der Mietpreis wird vom jeweiligen Vermieter des Gegenstands selbst festgelegt.

So ähnlich funktionierte auch leihdirwas.com. (die Seite wurde leider Ende Juni 2016 abgeschalten) Dabei ist diese Plattform sogar für Menschen mit erhöhtem Sicherheitsbewusstsein bestens geeignet, denn hier können die Dinge nur den Menschen zur Verfügung gestellt werden, die sich zuvor einem Verifizierungsverfahren per SMS unterzogen werden.

Dieser Service muss allerdings nicht in Anspruch genommen werden, sondern auch das normale Aus- und Verleihen ist möglich. Das Sortiment ist bunt gemischt und reicht vom Betonmischer über den Vorschlaghammer bis hin zum Luxuswagen. Verifizierte Mitglieder genießen die Garantie im Schadensfall, die zumindest bis zu 1000 Euro gehen kann.

Wer Dienstleistungen anbieten will oder Geräte und Gegenstände zum Verleihen anbietet, kann auf verschieden Seiten seine Offerten einstellen. Babysitten und Nachhilfe sind hier ebenfalls im Programm inbegriffen.
Die Smartphone-App Whyownit ermöglicht das Tauschen von Dingen unter Freunden. Handtaschen, Bücher, Werkzeuge und Co. können hier angeboten werden. Für die Vergabe treffen sich die jeweils beteiligten Partner, sodass sich sogar interessante Freundschaften entwickeln können.

Weitere Plattformen, die sich mit dem Verleihen oder Tauschen von verschiedenen Dingen befassen, sind unter anderem

– Netcycler.de
– Tauschticket.de
– Givebox (zu finden bei Facebook)

Alles rund ums Auto

Des Deutschen liebstes Kind – das Auto – darf bei solchen Börsen nicht fehlen. Gerade das Carsharing ist momentan sehr beliebt, wobei die bekannteste Plattform drivy.de sein dürfte. Hier zieht der Autovermieter sein Geld auf eine von ihm festgelegte Weise ein, der Leiher muss die Leihgebühr sowie eine feste Buchungsgebühr zahlen. Außerdem kommt die Versicherung für das Fahrzeug hinzu.

Viele Autos stehen nutzlos in der Garage herum – für diese gibt es tamyca.de. Auf der Plattform ist eine Karte zu sehen, auf der wiederum ersichtlich ist, wo in der Nachbarschaft ein Auto gemietet werden kann. Benzinkosten und die Vermietungsgebühren sind vom Ausleiher zu zahlen, dazu kommt die Gebührenpauschale des Seitenbetreibers. Auch die Versicherung für das Fahrzeug wird vom Ausleihenden bezahlt.

Das Auto steht nur die ganze Zeit rum? Sharing Economy für des Deutschen Liebling: Auto teilen geht gleich auf mehreren Plattformen. (#01)

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Ebenfalls im Bereich des Carsharings aktiv ist rent-n-roll.de aus Hamburg. Wer hier ein Fahrzeug mieten möchte, muss mindestens 23 Jahre alt sein und darf in den letzten fünf Jahren weder betrunken am Steuer erwischt noch ohne Führerschein ertappt worden sein. Autobesitzer und –verleiher werden damit vor schwarzen Schafen geschützt.

Solche Autoleih-Angebote sind auch für Fahrgemeinschaften interessant. Wer eine Benzinkosten Fahrgemeinschaft gründen will, kann sich dafür auch ein Fahrzeug leihen, allerdings sollten hierzu die Bedingungen der Vermieter genau gelesen werden. Teilweise gibt es bestimmte Vorgaben, von wem und in welchem Umfang ein Fahrzeug genutzt werden darf. Dies gilt vor allem für die höherpreisigen Fahrzeuge. Ein solcher Anbieter für Fahrgemeinschaften ist zum Beispiel die Mitfahrzentrale, die bereits seit 1998 am Markt vertreten ist.

Das Prinzip sieht sich als Wettbewerb zu den Angeboten der Deutschen Bahn und wartet mit überaus günstigen Preisen auf. Es gibt wohl derzeit keinen billigeren Weg, um Plätze in einem Fahrzeug miteinander zu teilen. Auch flinc.org verfolgt dieses Prinzip, dazu kommt pockettaxi.de, das sich vor allem an Berufspendler wendet. Firmen profitieren ebenso von diesem Angebot und lassen ihre Mitarbeiter teilweise über den Anbieter reisen.

Interessant: Hier kann das eingesparte CO2 berechnet werden, was eine gute Möglichkeit für alle Unternehmen ist, ihre Umweltfreundlichkeit und nachhaltige Geschäftspraktik unter Beweis zu stellen.

Platz gefällig?

Nicht nur Gegenstände und Dienstleistungen können getauscht oder verliehen werden, auch Stauraum kann per Internet gefunden werden. So ermöglicht zum Beispiel die Plattform milkrun.info die bessere Auslastung von Touren für Logistikunternehmen, denn sie können sich hier mit anderen Firmen vernetzen. Hier werden regelmäßige Touren geboten, sodass keine Einmalladungen nötig sind.

Freie Transport- und Raumkapazitäten werden auch durch raummobil.de angeboten, wo sogar Zimmer und Mitfahrgelegenheiten offeriert werden. Die Nutzung ist für private Personen kostenlos.

Stauraum wird auf vielen weiteren Seiten im Netz angeboten, dabei handelt es sich aber weniger um die üblichen Immobilienangebote als vielmehr um Möglichkeiten, vorhandenen Platz mit anderen zu teilen. So kann ein Lagerraum auch durchaus an mehrere Nutzer vermietet werden, was natürlich ein gewisses Maß an Vertrauen bei allen Beteiligten voraussetzt.

Doch scheinbar sind solche Angebote weniger von schwarzen Schafen bedroht als andere, bei denen Lagerraum an eine einzige Person oder ein Unternehmen vermietet wird und wo dann doch Einbrüche und Diebstähle zu verzeichnen sind.


Bildnachweis: © Fotolia Titelbild: gustavofrazao – #01: Tomasz Zajda – #02: famveldman

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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