Mein Gameduell

Mein GameDuell hat sich wacker geschlagen. Das Wachstum im Online-Spielemarkt ist gewiss, doch der Wettbewerb ebenso. Während Mein GameDuell mit seiner Prognose sehr zurückhaltend war, konnte man im Laufe des Jahres seine eigenen Worte toppen. Chapeau!

Mein GameDuell: schaffen die Berliner mit dem Breakeven ihren Turnaround? (Foto: shutterstock - ComicSans, #2)

Mein GameDuell: schaffen die Berliner mit dem Breakeven ihren Turnaround? (Foto: shutterstock – ComicSans, #2)

Der Erfolg ist mein: GameDuell auf Zukunftskurs

„Der Erfolg ist mein“ – GameDuell hat mit seinem Geschäftsmodell seit seiner Gründung im Markt stets richtig gelegen. Nicht immer haben die Zahlen widergespiegelt, dass man einem echten Bedürfnis der Menschen ein Zuhause gegeben hat. Einige anstrengende Jahre lagen zwischen der Gründung im Jahr 2003 und dem Heute. Doch mit den in diesem Jahr veröffentlichten Zahlen wird deutlich, dass GameDuell offenbar seine Lektionen gelernt hat und das Schiff auf Zukunftskurs steuert.

Jahresüberschuss von 1,4 Millionen Euro: mein GameDuell kann sich sehen lassen

Als GameDuell das Jahr 2017 vorbereitete, standen einige Sterne noch nicht so recht günstig. Entsprechend vorsichtig äußerte man sich mit den Aussichten. „Ein leicht negatives Ergebnis“ peilte man an. Im Verlauf des Jahres 2017 konnte man dann aber doch einige unerwartete Erfolge einheimsen. Mit dem Rohergebnis blieb man etwas unter dem zurückliegenden Jahr. Zuguterletzt wurde jedoch aus den leicht negativen Zahlen ein satter Jahresüberschuss von immerhin 1,4 Millionen Euro.

Mein GameDuell konsolidiert erfolgreich

Die Aussichten für GameDuell waren in den letzten Jahren nicht die besten. Noch im Jahr 2015 lag der Jahresfehlbetrag bei über 200.000 Euro und im Jahr darauf, in 2016 lag er sogar bei über 700.000 Euro. So kann man gut verstehen, wenn GameDuell das Jahr 2017 mit etwas düsteren Aussichten begonnen hat.

Ganz offensichtlich hat mein GameDuell bei den Kosten ordentlich auf die Bremse getreten. Der unlängst veröffentlichte Jahresabschluss für das Jahr 2017 weist gravierend niedrigere Kosten im Bereich Material und Personal auf. Somit kommt die Ergebnisänderung nicht von ungefähr. GameDuell hat sich planvoll wirtschaftlich neu positioniert. Zusätzlich erwirtschaftete mein GameDuell höhere Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2017. Auch Erträge aus Zinsen für Steuererstattungen trugen zum positiven Gesamtergebnis bei.

Mein GameDuell: leicht gesunkene Roherträge

Die höheren Umsatzerlöse konnten im Jahr 2017 noch nicht in gleichermaßen steigende Erträge umgesetzt werden. Trotz Umsatzsteigerung ging der Roherlös um anderthalb Millionen Euro zurück. Während man in 2016 noch auf ein Rohergebnis von über 20 Millionen Euro blicken konnte, brachte das Jahr 2017 nur ein Rohergebnis von 18,75 Millionen Euro.

Die Personalkosten: GameDuell tritt massiv auf die Bremse

Die Personalkosten schlugen bei GameDuell stark zu Buche. Das Programm zur Kostenreduzierung führte seit 2015 zu einer stetigen Verkleinerung der Belegschaft. Doch diese Maßnahme zeigt Wirkung und reduzierte den Personalaufwand um grob 4 Millionen Euro auf 6,87 Millionen Euro im Jahr 2017.

Entwicklung Personalstand GameDuell
Jahr Mitarbeiter Veränderung
2017 118 -22,9 %
2016 153 -19,0 %
2015 189  
Mein GameDuell: der Fokus der Investitionen liegt klar auf den Märkten Web Games, Social Games und Mobile Games (Foto: shutterstock - Chaay_Tee, #1)

Mein GameDuell: der Fokus der Investitionen liegt klar auf den Märkten Web Games, Social Games und Mobile Games (Foto: shutterstock – Chaay_Tee, #1)

Mein GameDuell: Rückkehr zu den goldenen Zeiten?

Das Jahr 2011 war für GameDuell das bisher erfolgreichste. Seit 2011 entwickelten sich Rohergebnis wie Jahresüberschuss von Jahr zu Jahr zusehends schlechter. Wie man der Tabelle entnehmen kann, sank der Jahresüberschuss zuletzt sogar in den negativen Bereich ab. Auch wenn sich 2017 positiv entwickelt hat, muss sich der Turnaround in 2018 erst verfestigen.

Die Zukunftspläne von GameDuell sehen auch zusätzliche Games für die Spieler vor. So investierte man über eine Million Euro in Neuentwicklungen. Anders als in den ersten Jahren wurden die Investitionen aus dem laufenden Geschäft finanziert.

Die Business Units „Web Games“ wie „Social Games“ und „Mobile Games“ entwickelten sich finanziell stabil. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung anhält und die neuen Produkte helfen, die Marktposition und damit die Erlöse auszubauen.

Entwicklung Erträge GameDuell
Jahr Rohergebnis Veränderung zum Vorjahr Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag Veränderung zum Vorjahr
2017 18,7 Mio € -7,9 % 1,4 Mio € -295,5 %
2016 20,3 Mio € 9,7 % -0,7 Mio € 237,7 %
2015 18,5 Mio € 0,5 % -0,2 Mio € -116,3 %
2014 18,4 Mio € -8,0 % 1,3 Mio € -31,6 %
2013 20,0 Mio € -37,1 % 1,9 Mio € -9,5 %
2012 31,8 Mio € -12,4 % 2,1 Mio € -63,2 %
2011 36,3 Mio € 8,4 % 5,7 Mio € 185,0 %
2010 33,5 Mio € 25,5 % 2,0 Mio € 134,5 %
2009 26,7 Mio € 51,7 % 0,9 Mio € -34,4 %
2008 17,6 Mio €   1,3 Mio €  

Video: das Spiel Jungle Jewels

Mein GameDuell: die Story eines Startups

GameDuell entstand im Jahr 2003. Die Gründer – das sind Boris Wasmuth, Michael Kalkowski und Kai Bolik – saßen in einer Bar in Prenzlauer Berg zusammen und formten aus ihrer gemeinsamen Idee eines Spiels das Geschäftsmodell von GameDuell. Aus der Idee wurde rasch eine der größten Spieler-Communities weltweit.

GameDuell ist heute eine Cross-Plattform-Spiele-Community mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen betreibt über 70 Spiele in sieben Sprachen mit mehr als 130 Millionen Nutzern. Das Unternehmen produziert und vertreibt digitale Karten- und Brettspiele, Action-Arcade-Spiele sowie Puzzlespiele für das Web sowie soziale und mobile Plattformen. Zu den Spielen des Unternehmens gehören Fluffy Birds, Maya Pyramid, Bubble Speed, Jungle Jewels, Grand Gin Rummy und Belote.

Video: Kneipenskat / Skat 2.0

Im Jahr 2008 hat GameDuell in San Francisco ein Büro eröffnet. Das Unternehmen veröffentlichte im Jahr 2009 sein erstes Facebook-Spiel: Bubble Popp und sein erstes iOS Handy-Spiel Jungle Jewels. Im Jahr 2010 brachte mein GameDuell Jungle Jewels auch für Android heraus. Bis 2013 hatte das Unternehmen über 70 Online-Spiele in Deutsch, Französisch, Englisch, Niederländisch, Schwedisch, Dänisch und Spanisch produziert. Bis 2016 hatte GameDuell über 130 Millionen Nutzer gewonnen.

Im Jahr 2014 veränderte das Unternehmen sein Logo, um die „Leidenschaft für Spieleentwicklung und Spielerfahrung“ widerzuspiegeln. Im Februar 2014 wechselte der ehemalige PopCap-Studiodirektor Todd English als Leiter des Studios für soziale und mobile Spiele zu GameDuell. Ian J. Bowden, Mitbegründer von Rockstar Leeds, wurde im August 2014 Art Director bei GameDuell. Während seiner Zeit bei Rockstar arbeitete Bowden an den Spielserien Grand Theft Auto, LA Noire, Red Dead Redemption und Max Payne 3. Im Jahr 2014 veröffentlichte GameDuell das französische Kartenspiel Belote.com mit Cross-Plattform-Funktionalität. Später im selben Jahr startete GameDuell die Belote.com-Weltturniere („Coupe Du Monde“). Im Juni 2015 wurde Howard Phillips GameDuells Leiter für Game Design und User Experience. Phillips arbeitete zuvor für Nintendo, THQ, Microsoft und war Studiodirektor bei Chair Entertainment.

Im März 2016 veröffentlichte GameDuell Grand Gin Rummy, eine digitale Adaption des traditionellen Gin Rummy, kurz Gin oder Gin Rommé. Dies ist ein Kartenspiel für zwei Personen, das im Jahre 1909 von Elwood T. Baker vom Knickerbocker Whist Club in New York erfunden wurde. Die plattformübergreifende Game-Engine des Unternehmens macht das Spiel auf iOS- und Android-Smartphones und -Tablets spielbar. Das Spiel wurde zusätzlich im April 2016 auf Facebook veröffentlicht.

GameDuell ist Mitglied im Branchenverband media.net Berlin Brandenburg und Mitglied im Deutschen Spieleentwicklerverband GAME.

GameDuell betreibt einen plattformübergreifenden Spieleserver mit einem offenen plattformübergreifenden Entwicklungs-Toolkit, das in der Programmiersprache Haxe geschrieben ist.

Die Finanzierung von GameDuell

Im Jahr 2004 hat GameDuell eine Finanzierungsrunde unter der Leitung von Holtzbrinck Ventures und Burda Digital Ventures gestartet. Das Unternehmen sammelte im Juli 2008 in einer zweiten Finanzierungsrunde von Wellington Partners 17 Millionen US-Dollar ein.

Mein GameDuell: Große Events wie die Skat Masters und die Rommé Masters gehören zum jährlichen Programm. (Foto: shutterstock - Hank Shiffman, #3)

Mein GameDuell: Große Events wie die Skat Masters und die Rommé Masters gehören zum jährlichen Programm. (Foto: shutterstock – Hank Shiffman, #3)

GameDuell Events

GameDuell veranstaltet mehrere Events, auf denen Spielen, Development und Startup-Kultur gelebt werden.

GameDuell TechTalk

Seit 2010 veranstaltet GameDuell die TechTalk-Veranstaltungsreihe, in der renommierte Technologiepioniere ihr Know-How mit der Berliner Tech-Community teilen. Erfahrene Technologieexperten wie Ed Burns, Leiter der JSF-Spezifikation bei Oracle, Werner Vogels, CTO von Amazon, Emil Eifrem, Gründer von Neo Technology, Dr. Torsten Lodderstedt, Mitglied der OAuth-Arbeitsgruppe der Internet Engineering Task Force (IETF) und Tech-Manager bei der Deutschen Telekom, Matthias Weßendorf, Mitglied der Apache Software Foundation, arbeitet für JBoss / Red Hat und Jeanfrancois Arcand, Entwickler des Atmosphere-Frameworks, stellen dem Publikum ihre Arbeitsfelder vor.

Berlin 2.0

Zweimal im Jahr lädt GameDuell die hundert einflussreichsten und erfolgreichsten Gründer der Berliner Startup-Community zu einem exklusiven Networking-Event ein. Auf der Berlin 2.0 treffen sich die Gründer der etabliertesten Tech- und Internetunternehmen zum Austausch.

Skat & Rommé Masters

Seit 2006 veranstaltet GameDuell jedes Jahr das größte Skat-Turnier der Welt. Die Veranstaltungsreihe wird in exklusiver Partnerschaft mit dem Deutschen Skat-Verband (DSkV e.V.) organisiert. Das ganze Jahr über treten Spieler des beliebten deutschen Kartenspiels in Qualifikationsrunden auf der GameDuell-Webplattform an. Zusätzlich zu den Skat Masters hat GameDuell 2009 die Rommé Masters-Turnierserie ins Leben gerufen. Nur die besten Spieler beider Spiele qualifizieren sich für das Live-Finale in Berlin, wo sie gegeneinander um wertvolle Trophäen kämpfen. Die Endrunde wird aufgezeichnet und im deutschen Fernsehen übertragen.

Das Video vom höchstdotierten Skat-Turnier: das GameDuell Skat Masters Finale 2018.

Wohin geht die Reise?

GameDuell hat es geschafft, die Community-Mitgleider von Spielklassikern wie Skat, Rommé und Belote an sich zu binden. Das Konzept der Events und Turniere verankert den Anbieter fest mit der Community. Kann GameDuell hier weiteren Boden gut machen, indem andere zahlenmäßig starke Spielergemeinschaften zum Online-Spiel bewegt werden können? Welche weiteren Spiele würden hierfür qualifizieren?

Diese Gedanken werden sicherlich bereits erörtert worden sein. Weitere Bereiche, mit denen man natürgemäß Berührung hat, sind e-Sport und das Glücksspiel. Hier bleibt abzuwarten, in welchen Bereichen GameDuell sich künftig Zuwachsraten verspricht. Bleibt man seiner Linie treu, wird man viel Energie in die Entwicklung neuer Spiele investieren müssen, zumal man gegen die übrigen Anbieter antreten muss.

Ist China ein Markt für GameDuell? Betrachtet man die Zahl der potentiellen Spieler, ist es die Pflicht der Unternehmenslenker, über ein Set an Spielen für den dortigen Markt nachzudenken. Jedoch dürfte das politisch-wirtschaftliche Setting in China ebenfalls einige Denksportaufgaben mit sich bringen.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild skyNext, #1 Chaay_Tee, #2 ComicSans, #3 Hank Shiffman

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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