Lufttaxi: So will Lilium den Luftraum erobern

Luftaxi: So will Lilium den Luftraum erobern

In diesem Artikel wird eine Innovation im Bereich der Personenbeförderung vorgestellt. Das Münchener Startup Lilium hat das erste elektrisch angetriebene Lufttaxi der Welt entwickelt, das senkrecht startet und landet.

Welche Potentiale bietet ein Lufttaxi?

Wer sich bei der täglichen Fahrt zur Arbeit stundenlang durch den Stop-and-Go-Verkehr quält, kennt den Wunsch, einfach abzuheben und mit einem Flugzeug über das Verkehrschaos zu fliegen. Da überall auf der Welt in den Ballungszentren der Verkehrsinfarkt droht, investieren Geldgeber in Startups, die alternative Verkehrskonzepte entwickeln.

Das Münchener Unternehmen Lilium gehört zu diesen innovativen Startups und hat einen zukunftsweisenden Prototyp eines Lufttaxis konzipiert, der das Verständnis von Mobilität grundlegend verändern könnte. Im folgenden Artikel wird das Konzept des jungen Unternehmens vorgestellt.

Lufttaxi: Wer sich bei der täglichen Fahrt zur Arbeit stundenlang durch den Stop-and-Go-Verkehr quält, kennt den Wunsch, einfach abzuheben und mit einem Flugzeug über das Verkehrschaos zu fliegen. (#01)

Lufttaxi: Wer sich bei der täglichen Fahrt zur Arbeit stundenlang durch den Stop-and-Go-Verkehr quält, kennt den Wunsch, einfach abzuheben und mit einem Flugzeug über das Verkehrschaos zu fliegen. (#01)

Wie funktioniert das Prinzip eines Lufttaxis?

Ein Lufttaxi ist nicht nur ein kleines Flugzeug, sondern muss andere technische Vorgaben erfüllen. Da diese Flugzeuge möglichst direkt in der Stadt, am besten sogar direkt im Zentrum, starten und landen sollen, steht ihnen keine Start- oder Landebahn zur Verfügung.

Ein Lufttaxi muss somit senkrecht in die Luft steigen und ebenso auf kleinstem Platz landen, wenn es als alternative Möglichkeit der Personenbeförderung einsetzbar sein soll. Ziel war also die Entwicklung eines Kleinstflugzeugs, das mehrere Passagiere im städtischen Umfeld wie in einem Taxi transportiert.

Eine weitere wichtige Bedingung für die Umsetzbarkeit dieser Idee ist, dass derartige Kleinstflugzeuge über einen geräusch- und abgasarmen Antrieb verfügen müssen. Deshalb haben Startups, deren Flugzeuge mit einem umweltfreundlichen und darüber hinaus leisen Elektroantrieb ausgestattet sind, die besten Chancen finanziell gefördert zu werden.

Außerdem wird langfristig das Ziel verfolgt, dass diese Lufttaxis ohne Piloten fliegen, denn nur dann können Fahrpreise realisiert werden, die mit denen eines konventionellen Taxis vergleichbar sind.

Ein Lufttaxi ist nicht nur ein kleines Flugzeug, sondern muss andere technische Vorgaben erfüllen. (#02)

Ein Lufttaxi ist nicht nur ein kleines Flugzeug, sondern muss andere technische Vorgaben erfüllen. (#02)

Lösen Lufttaxis die Probleme des Individualverkehrs?

Startups in den USA und China wetteifern mit der Entwicklung von Lufttaxis, die fünf bis sechs Personen befördern können. Mit der Lilium GmbH tritt auch ein deutsches Startup im Wettbewerb um die Poleposition in den Lüften an. Ziel ist es, eine bezahlbare Alternative zum Auto zu entwickeln und Teile des Individualverkehrs in die Lüfte zu verlagern. Die Effekte wären großartig.

Zum einen würden Staus reduziert und zum anderen auch die Umweltbelastung durch Abgase und Lärm gesenkt werden, denn ein konkurrenzfähiges Lufttaxi verfügt über einen emissionslosen und außerdem leisen Elektromotor. Darüber hinaus ist diese Art des Personentransports für die Passagiere mit einem besonderen Service verbunden, denn sie erreichen ihr Ziel in einem Bruchteil der bisherigen Fahrzeit.

Das Lufttaxi könnte sogar zur ernsthaften Konkurrenz der Bahn werden, wenn der Service auch auf Mittelstrecken ausgedehnt wird. Es ist nicht verwunderlich, dass die Lilium GmbH, der es gelungen ist, den Prototyp eines elektroangetriebenen Lufttaxis zu bauen, Investoren für ihre Idee begeistern konnte.
Das junge Startup, das erst 2015 von vier Absolventen der Technischen Universität München gegründet wurde, hat insgesamt 90 Millionen Dollar Kapital gesammelt. Bereits 2019 soll das Kleinstflugzeug mit fünf Sitzen Testflüge absolvieren. Das Startup entwickelte die sogenannte eVTOL-Flugzeugtechnologie, das elektrisch-vertikale Abheben und Landen.

Es ist der Lilium GmbH gelungen, folgende Investoren zu überzeugen:

  • Tencent, chinesischer Internet-Konzern
  • Atomico, Fonds des Skype-Gründers Niklas Zennström
  • LGT, größte, familiengeführte Investmentfirma Europas
  • Obvious Ventures, Investmentfirma des Twitter-Mitgründers Ev Williams
    Was zeichnet den Lilium-Jet aus?

Das Lufttaxi kann senkrecht starten sowie landen und erfüllt so eine der wichtigsten Anforderungen, die an derartige Kleinstflugzeuge gestellt werden. Damit ein Lufttaxi eine wirtschaftlichen Alternative zum Auto wird, muss es direkt in den Städten starten und landen.

Müssten die Passagiere zunächst einen Flughafen am Stadtrand erreichen, wäre der Zeitvorteil verschwunden und außerdem wäre dies den meisten Menschen wahrscheinlich zu umständlich, als dass sie auf das eigene Auto oder das Taxi an der nächsten Straßenecke verzichten würden.

Video: Lilium Lufttaxi: Per Anhalter über den Stau

Wie wurde die Idee des Lufttaxis technisch umgesetzt?

Das Lufttaxi wird von insgesamt 36 elektrischen Turbinen angetrieben. Angebracht werden die Turbinen an beweglichen Klappen, die sich wiederum an den Flügeln des Flugtaxis befinden und einen effizienten senkrechten Auftrieb erzeugen. Ist die Flughöhe erreicht, werden diese Klappen waagerecht ausgerichtet und sorgen jetzt für den Vorwärtsschub.

Der Prototyp des deutschen Startups zeichnet sich auch dadurch aus, dass der Flug mit dem in einem konventionellen Flugzeug vergleichbar ist. Darin unterscheidet sich dieses Lufttaxi von Modellen, die vom Flugverhalten eher mit einer Drohne oder einem Helikopter vergleichbar sind. Eine besondere Herausforderung war die Realisierung eines nahtlosen Übergangs vom Schwebeflug beim Abheben in den Vorwärtsflug.

Die vier Ingenieure sind weltweit die ersten, die dieses technische Problem gelöst haben. Die Fähigkeit des Senkrechtstarts führt zu einem sehr geringen Energieverbrauch, der vergleichbar ist mit dem Verbrauch von Elektroautos. Andere drohnenähnliche Kleinstflugzeuge verbrauchen 90 Prozent mehr Energie. Damit ist es den Ingenieuren gelungen, die Grundvoraussetzungen für ein Lufttaxi zu realisieren, das zu Taxipreisen gebucht werden kann und von Pendlern zur Vermeidung von Staus genutzt wird.

Der Lilium-Jet verfügt über folgende zukunftsweisende Features:

  • Senkrechtstart und -landung möglich
  • nahtloser Übergang vom Schwebe- in den Vorwärtsflug
  • emissionsloser Elektroantrieb
  • 90 Prozent weniger Energieverbrauch als drohnenähnliche Flugzeuge
  • geräuscharmer Antrieb
  • fünf Sitzplätze
  • 300 Kilometer Reichweite
  • Höchstgeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde
  • Reduzierung der Reisezeit in Ballungszentren um 500 Prozent

Video: Der Lilium Jet: Fliegen für Jedermann

Welche nächsten Schritte sind bei der Eroberung des Luftraums geplant?

Obwohl mit dem Prototyp ein erfolgsversprechendes Konzept vorgestellt wurde, ist der Weg hin zum zugelassenen Serienflugzeug und dessen Einsatz als Transportmittel für Passagiere noch weit. Es müssen weitere, umfangreiche Tests für die Zulassung durchgeführt und die Technologie bis ins kleinste Detail perfektioniert werden.

Mit den derzeit gesammelten 90 Millionen Dollar an frischem Kapital wird das deutsche Startup seinem Ziel, einen Taxidienst in der Luft zu etablieren, einen großen Schritt näherkommen. Da das Konzept keine aufwendige Infrastruktur am Boden benötigt und mit kleinen Plätzen für den Start oder die Landung auskommt, kann ein wirtschaftlicher Betrieb erreicht werden.

Ein Blick in die Zukunft: Flugtaxi buchen per App

Das Ziel ist klar: Mit dem Flugtaxi soll die Personenbeförderung in den Ballungszentren auf der ganzen Welt revolutioniert werden. Das könnte zu einer Entlastung der Straßen führen, sodass weniger Staus entstehen und der drohende Verkehrsinfarkt abgewendet wird.

Durch den Elektroantrieb werden außerdem die Emissionen in der Luft reduziert und weniger Autos auf den Straßen bedeuten darüber hinaus weniger Lärmbelästigung und weniger Unfälle. Gleichzeitig verringern sich die Reisezeiten für die Passagiere ganz erheblich und der Komfort steigt. Der innovative Taxidienst soll zu Preisen angeboten werden, die auf die Distanz betrachtet mit denen konventioneller Taxis vergleichbar sind.

Lufttaxis könnten insbesondere für Berufspendler zur ernsthaften Alternative werden. Mit ihnen lassen sich Distanzen, für die man im städtischen Bereich aufgrund der Staus fast eine Stunde braucht, in fünf Minuten überwinden.

Für Pendler bedeutet das eine ganz neue Lebensqualität, denn anstatt zwei oder mehr Stunden täglich genervt im Auto zu verbringen, reduziert sich diese Zeit auf weniger als eine Viertelstunde. Die Folge ist auf der einen Seite, dass Berufspendler viel mehr Freizeit zur Verfügung hätten und sich andererseits der Lebensradius der Menschen um das Fünffache vergrößern würde.

Die Konsequenzen sind weitreichend, denn es wäre beispielsweise viel leichter möglich, eine neue Arbeitsstelle anzutreten, ohne den Wohnort zu wechseln und ohne dass die ganze Familie ihr soziales Umfeld verliert oder der Partner sich ebenfalls auf Jobsuche am neuen Standort begeben muss. Außerdem wäre die Pflege von Freundschafts- und Familienbeziehungen einfacher, was wiederum zu einer Erhöhung der Lebensqualität führt.

Neue Optionen ergeben sich darüber hinaus im Freizeitbereich, denn es können auch weiter entfernte Veranstaltungen problemlos besucht werden, ohne dass eine Übernachtung organisiert werden muss. Alles in allem bietet der Service eines Lufttaxis den Menschen neue Möglichkeiten, die jetzt noch gar nicht in vollem Ausmaß überschaubar sind, jedoch faszinierende Zukunftsperspektiven eröffnen.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: sergeysan1 – #01: u3d – #02: PalamarDeMolina

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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