Norddeutsche Affinerie: 2016 wird das Start-up 150 Jahre alt

Vor 150 Jahren ging ein Unternehmen an den Start, welches sich rasch aus den Kinderschuhen befreien konnte und heute eine an der Börse notierte Firma ist. Es geht um die Norddeutsche Affinerie, die heute den Namen Aurubis trägt und zu den größten Kupferproduzenten der Welt gehört. Außerdem ist das Unternehmen einer der größten Wiederverwerter von Kupfer. Von einem Start-up ist hier längst nichts mehr zu spüren und dennoch hat natürlich auch dieses Unternehmen einst klein angefangen.

Die Anfänge von Aurubis

Die Geburtsstunde für die Norddeutsche Affinerie war am 28. April 1866. Angefangen hatte einst alles in einem kleinen und dunklen Kellerraum auf St. Pauli, heute residiert das Unternehmen in schicken Büro- und Produktionsgebäuden. Schließlich steht die Norddeutsche Affinerie nun an vierter Stelle der größten Kupferproduzenten der Welt.

Doch die eigentliche Grundlage für das Unternehmen, welches heute so erfolgreich ist, wurde sogar schon früher gelegt. Marcus Solomon Beit werkelte im Jahr 1770 in den Kellerräumen an der Scheidung von Gold und Silber, was als Affinieren bekannt ist. Im 19. Jahrhundert wurden Kupfererze nach Hamburg gebracht – den Auswandererschiffen sei Dank. Die Weiterverarbeitung der Erze war den Reedereien relativ egal, denn allein der Import war einträglich genug. Zehn Jahre dauerte es daher, bis aus dem Elbkupferwerk von Godeffroy und Robinow und dem Beit’schen Stammwerk die „Elbhütten Affinerie und Handelsgesellschaft“ wurde. Der Kupferrausch hielt bis 1866 an, das Werk auf Steinwerder, welches bis dato rund 3000 Tonnen Kupfer produziert hatte, schloss für immer. Hier kam die Norddeutsche Bank ins Spiel, die in die Kupferverarbeitung einstieg und das Werk übernahm. Der Grundstein für die Norddeutsche Affinerie war gelegt.

Norddeutsche Affinerie: Erfolgreich voran

Schon bei der Gründung war die Aufbereitung von Rohstoffen für die Norddeutsche Affinerie relevant. Verarbeitet wurden hier damals Abfälle, die Edelmetalle enthielten, Münzen, Metall mit Gold- und Silberanteilen oder auch Erze mit ebensolchen Anteilen. In den ersten Jahren betrug die Dividende etwa zwölf Prozent – ein einträgliches Geschäft. Das Unternehmen wurde vergrößert – es mangelte allerdings an Platz. 1909 begannen die Bauarbeiten auf der Elbinsel Peute, sodass sich das Unternehmen genügend ausdehnen konnte.

Die Produktion wurde bis auf 800.000 Tonnen Kupfer und Kupferprodukte gesteigert, gefertigt wurden auch Bleche, Legierungen und Drähte. Außerdem weiteten die Geschäftsführer das Tätigkeitsfeld aus und boten nun auch Zinn, Gold, Silber, Blei und Schwefelsäure zum Verkauf a.

Die Norddeutsche Affinerie war aber nicht nur rein wirtschaftlich gesehen ein Vorbild. Auch ökologisch konnte das Unternehmen punkten. Rund ein Drittel der getätigten Investitionen wurden auf den Umweltschutz verwendet und schon bald gehörte das Unternehmen zu den Kupferhütten, die am schonendsten mit Ressourcen umgingen und die am wenigsten Emissionen ausstießen.

Weiterentwicklung bis heute

Im Jahr 1998 ging das Unternehmen an die Börse und gliederte seither immer wieder Tochtergesellschaft aus. Auch der Ankauf von Beteiligungen gehört inzwischen zum Stammgeschäft. Ingesamt hielt die Norddeutsche Affinerie noch vor wenigen Jahren 19 Beteiligungen und es arbeiteten mehr als 3200 Menschen in dem einstigen Start-up. Der Umsatz pro Jahr beläuft sich mittlerweile auf mehrere Milliarden Euro, die Nachfrage nach Kupfer steigt immer noch – das bedeutet rosige Aussichten für die Norddeutsche Affinerie. Oder für Aurubis, wie die Firma heute heißt. Der Name stammt aus der Übernahme von Cumerio, eines Kupferherstellers aus Belgien. Die Übernahme fand im Jahr 2008 statt und seit dem 1. April 2009 trägt die einstige Norddeutsche Affinerie den Namen Aurubis AG.

Auch binnen der letzten Jahre konnte der Erfolg von Aurubis gesteigert werden: Jährlich wird nun rund eine Million Kupferkathoden hergestellt, das Unternehmen zählt etwa 6.500 Mitarbeiter.

Das Beispiel von Aurubis zeigt recht eindrucksvoll, wie aus einem Start-up ein weltweit agierendes und vor allem international bekanntes und erfolgreiches Unternehmen werden kann.


Bildnachweis: © Fotolia – Thorsten Schier

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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