Zinsanstieg: Immobilien-Kredite so gefragt wie nie zuvor

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Ganz einfach werden mit dem Zinsanstieg Immobilien unbezahlbar, denn die Menschen können sich die Kredite bald nicht mehr leisten. Lange Zinsbindungen und eine rasche Entscheidung bei günstigen Angeboten sind jetzt wichtig.

Zinsanstieg: Immobilien werden teurer

Durch den derzeit zu beobachtenden Zinsanstieg werden Immobilien immer teurer. Gleichzeitig berichten die Banken und andere Krediteinrichtungen darüber, dass die Nachfrage nach Wohneigentum stärker denn je steigt.

Viele Menschen haben Angst vor der Inflation und davor, dass sie sich bei weiter steigenden Preisen bald kein Haus mehr leisten können. Also lieber jetzt zuschlagen? Experten gehen davon aus, dass Wohneigentum tatsächlich unerschwinglich werden könnte, weil zum einen die Baukosten steigen, zum anderen steigende Zinsen Kredite immer teurer werden lassen. Eine flexible Immobilienfinanzierung ist jetzt wichtig.

Nicht nur Neukäufe werden teurer

Der Zinsanstieg bei Immobilien bewirkt nicht nur, dass Neukäufe immer teurer werden. Auch Modernisierungen und Anschlussfinanzierungen, die von Immobilieneigentümern abgeschlossen werden, sind mittlerweile um einige Prozent teurer als noch vor kurzer Zeit.

Banken wie die Landesbausparkasse Bayern berichten darüber, dass von Januar bis April 2022 etwa 890 Mio. Euro als Kredite für Immobilien zugelassen wurden. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sind das rund 70 Prozent mehr. Auch andere Banken berichten über eine Zunahme von mindestens 50 Prozent. Begründet wird der Run auf die Immobilienkredite damit, dass der Zinsanstieg derart enorm war. Über Jahre hinweg waren die Immobilienpreise ebenso wie die Baukredite niedrig.

Jetzt kommt der Zinsanstieg bei Immobilien und die Nachfrage steigt so stark an wie seit Jahren nicht mehr. Viele Interessenten wollen die aktuellen Zinsen mitnehmen, ehe sie noch weiter steigen. Dies gilt auch vor dem Hintergrund der allgemein steigenden Preise und der wachsenden Inflation. Die Dynamik ist bei beidem derart groß, dass sogar Experten der Finanzbranche davon überrascht sind. Der Zinsanstieg bei Immobilien war zu erwarten, doch nicht in diesem Ausmaß.

Banken fordern höheres Eigenkapital  ( Foto: Adobe Stock-  Rynio Productions  )

Banken fordern höheres Eigenkapital ( Foto: Adobe Stock- Rynio Productions )

Warum kommt es zu steigenden Immobilienpreisen?

Immobilienpreise steigen, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. So viel ist allen klar und niemand muss dafür die Marktwirtschaft studiert haben, um das zu verstehen. Doch die Nachfrage ist nicht der einzige Faktor, der einen Zinsanstieg bei Immobilien bewirkt.

Gerade seit Februar 2022 kommen einige Faktoren zusammen. Nicht zuletzt die diskutierte Erhöhung des Leitzinses könnte dafür sorgen, dass die Preissteigerung so stark ausfällt wie seit Jahren nicht mehr.

Gründe für steigende Immobilienpreise

Der Zinsanstieg für Immobilien sowie die erhöhte Nachfrage nach Wohneigentum hängt Experten zufolge unter anderem mit dem Krieg in der Ukraine zusammen. Dadurch wurde deutlich, wie stark Deutschland in Sachen Energie von Russland abhängig ist. Gleichzeitig wurde das Ansehen des Landes bei Investoren verringert, was zur Folge hatte, dass unter anderem auch die Bundesanleihen bzw. deren Zinsen stiegen.

Deutschland erscheint schwächer, was die Bundesanleihen nicht mehr so sicher scheinen lässt. Damit wiederum werden Pfandbriefe teurer und infolgedessen steigen die Immobilienzinsen. Deutschland gilt nicht mehr als Land für sichere Geldanlagen, sondern steht für Energieabhängigkeit und eine gewisse Bedeutungslosigkeit in Sachen Militär.

Auch diese Gründe sorgen für einen Zinsanstieg bei Immobilien:

  • mangelnde Verfügbarkeit von Handwerkern und Bauunternehmer
  • hohe Nachfrage und geringes Angebot an Baumaterialien
  • starke Inflation
  • stetig weiter steigende Lebensmittelpreise
  • keine Handlungen seitens der EZB
  • fehlende KfW-Förderung

Die US-amerikanische Notenbank hat ihren Leitzinssatz längst angehoben, bei der EZB ist man noch zurückhaltend. Hier ist man der Meinung, dass sich die aktuelle Lage auf dem Finanzmarkt auch ohne explizites Zutun wieder entspannen würde. Wenn jetzt die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen würde, könnte das einen weiteren Zinsanstieg bei Immobilien bewirken.

Der Zinsanstieg für Immobilien sowie die erhöhte Nachfrage nach Wohneigentum hängt Experten zufolge unter anderem mit dem Krieg in der Ukraine zusammen. ( Foto: Adobe Stock -  Rynio Productions )

Der Zinsanstieg für Immobilien sowie die erhöhte Nachfrage nach Wohneigentum hängt Experten zufolge unter anderem mit dem Krieg in der Ukraine zusammen. ( Foto: Adobe Stock – Rynio Productions )

Höheres Eigenkapital der Banken gefordert

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) fordert, dass Banken ihr Eigenkapitalpolster aufstocken. Dahinter steht die Sorge, dass steigende Zinsen die Preise für Immobilien senken könnten, denn die Nachfrage würde deutlich nachlassen.

Nicht mehr lange können es sich Interessenten leisten, die steigenden Immobilienpreise hinzunehmen und einen Kredit zu bezahlen. Schon jetzt zahlen sie viele Tausend Euro mehr für eine Immobilie. Der Wunsch nach Stabilität wird früher oder später hinter den finanziellen Möglichkeiten zurückstehen müssen.

Banken tragen das Risiko, dass Kreditnehmer ihre Immobilienkredite nicht zurückzahlen können, was umso wahrscheinlicher ist, je teurer die allgemeinen Lebenshaltungskosten, Kraft- und Heizstoffe werden. Das höhere Eigenkapitalpolster seitens der Banken wird gefordert, um das Kreditausfallrisiko zumindest ein bisschen abzumildern.

Der höhere Kapitalaufwand kommt bei den Banken allerdings nicht aus eigener Tasche, die Mehrkosten dürften umgehend auf die Bankkunden abgewälzt werden. Diese wiederum müssen einen Aufschlag auf den Hypothekenzins hinnehmen, wobei allein dieser Aufschlag ein Plus von 0,2 Prozent machen kann.

Experten rechnen jetzt vor allem in Großstädten, in denen die Preise bis vor wenigen Jahren dynamisch gestiegen sind, mit einer dämpfenden Wirkung auf den Kaufwunsch. Zusammen mit der geringen Konjunkturentwicklung werden sich die Auswirkungen der Immobilienpreise im urbanen Raum besonders schnell zeigen.

Allerdings müssen Experten auch einräumen, dass der reale Zinssatz relevant ist und nicht der nominale. Bleibt der Realzins negativ, wird die Entwicklung der Immobiliennachfrage weiterhin gestützt.

Daher haben Immobilien auch den Ruf, bei Investoren für Sicherheit zu sorgen und einen gewissen Schutz gegen die Entwertung des Geldes zu bieten. Experten der Deutschen Bank gehen sogar so weit, dass sie in Wohnimmobilien einen Schutz vor dem Anstieg der Preise in Zeiten der Inflation sehen.

Die neuen Richtlinien, mit denen eine Förderung durch die KfW noch möglich sein soll, sind scharf formuliert und längst nicht jeder Bauherr kann die Fördersummen beantragen. ( Foto: Adobe Stock -  magele-picture )

Die neuen Richtlinien, mit denen eine Förderung durch die KfW noch möglich sein soll, sind scharf formuliert und längst nicht jeder Bauherr kann die Fördersummen beantragen. ( Foto: Adobe Stock – magele-picture )

Die Not der Bauherren und Wohnungseigentümer (Video)

Die Inflationsraten steigen weltweit, die Zentralbanken haben die geldpolitische Notbremse gezogen. Steigende Zinsen sind allgegenwärtig und längst ist der Zinsanstieg bei Immobilien in guter Gesellschaft mit dem Anstieg der Zinsen bei Konsumentenkrediten oder Unternehmensdarlehen. Auch der Wegfall der KfW-Förderung hat Bauherren und solche, die es noch werden wollten, hart getroffen.

Die Bundesregierung hat die Förderung einkassiert, was möglicherweise aus Kostengründen geschehen ist. Es gibt zwar eine Neuauflage, doch diese ist nur noch in deutlich reduzierter Form erhältlich. Nur noch KfW-Effizienzhäuser 40 erhalten die Förderung.

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Die Förderung durch die KfW

Die neuen Richtlinien, mit denen eine Förderung durch die KfW noch möglich sein soll, sind scharf formuliert und längst nicht jeder Bauherr kann die Fördersummen beantragen. Als die neue Förderung in Höhe von einer Milliarde Euro freigegeben war, war diese innerhalb nur eines Tages vergeben. Eingereicht werden konnte der Antrag aber nur für energieeffiziente Neubauten. Bewilligt wurden dabei 6.400 Anträge.

Danach startete eine zweite Förderstufe, die allerdings mit deutlich schärferen Kriterien formuliert worden war:

  • Förderung nur für energieeffiziente Neubauten mit dem Siegel „Nachhaltiges Gebäude“
  • maximale Förderung in Höhe von 12,5 Prozent der Kosten
  • Höchstgrenze der Förderung bei 150.000 Euro pro Wohneinheit
  • Höchstgrenze bei 30 Millionen bei Nichtwohngebäuden

Die verwendeten Materialien müssen von einem Nachhaltigkeitsexperten begutachtet werden, damit der Bauherr nachweisen kann, dass er alle Kriterien für die Nachhaltigkeit einhält. Wer jedoch nicht in den Genuss der KfW-Förderung kommt, kann laut Experten dennoch einiges machen, um den Baukredit erschwinglich zu halten.

So ist es vor allem ratsam, eine längere Zinsbindung zu vereinbaren, die sich auf mindestens 15 Jahre erstreckt. Erst danach sind wieder Neuverhandlungen über eine Anschlussfinanzierung möglich. Was sich zinstechnisch bis dahin ergibt, weiß allerdings auch kein Experte.

Tipp: Die Bundesregierung fördert nicht nur den Neubau, sondern auch eine Sanierung. Dabei können verschiedene Einzelmaßnahmen wie der Tausch von Fenstern, Türen und Heizungsanlagen gefördert werden. Auch Dämmmaßnahmen sind förderfähig. Bisher wurden seit Juli 2021 rund 162.000 Ölheizungen ausgetauscht. An ihre Stelle sind Heizungen getreten, die mit erneuerbaren statt fossilen Energien betrieben werden.

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