Grimm: „BASF ist in den USA wegen jahrelanger Manipulationen des Platinweltmarktpreises angeklagt“

Maren Grimm bezieht Position. Das Massaker von Marikana, bei dem 34 Menschen ums Leben kamen, geht zulasten der Polizei Südafrikas. Diese handelte aber im Interesse von Lonmin, dem drittgrößten Betreiber von Platinminen der Welt. Die streikenden Mitarbeiter der Mine wurden ermordet – und was fällt dafür auf die BASF zurück? Diese ist Hauptkunde von Lonmin, größter Chemiekonzern der Welt und im Jahr 2015 150 Jahre alt geworden.

Was ist passiert?

Die Minenarbeiter streikten für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in den Gemeinden der Bergbauarbeiter. Die 34 Streikenden wurden am 16. August 2012 erschossen – bis zum März 2015 gab es dazu noch keine Stellungnahme der BASF, die der größte Kunde des Minenbetreibers Lonmin ist. Das Tragische: Die Minenarbeiter hatten versucht, friedlich für höhere Löhne zu kämpfen – nach außen wirkt dies nun so, als hätte die Polizei die Arbeiter lieber erschossen, als dass diese die Chance gehabt hätten, mit der Unternehmensleitung in Kontakt zu treten bzw. mit den Verantwortlichen zu sprechen. Auch der Bischof Johannes Seoka hatte versucht, zwischen Bergleuten und Lonmin zu vermitteln.

Es wurde eine Untersuchungskommission ins Leben gerufen, dies nahm diverse Anhörungen vor. Nach diesen Untersuchungen kam heraus, dass Lonmin eine Mitschuld an dem Massaker traf, was auch der Historiker Jakob Krameritsch und die Filmemacherin Maren Grimm bestätigten. Grimm arbeitet eng mit der Marikana Support Group zusammen. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass die Rechte der Minenarbeiter nicht länger mit Füßen getreten werden. Außerdem hatte Grimm den Bischof von Pretoria auf seinem Besuch in Deutschland begleitet und reiste mit ihm auch zur Hauptversammlung der BASF. Wenn Maren Grimm BASF hört, bringt sie diesen Namen natürlich automatisch mit dem Massaker in Verbindung.

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre, die bekannt sind für ihre Versuche, die Welt zu verändern und die Kluft zwischen Arm und Reich ein wenig schmaler zu gestalten, übertrug dem Bischof Stimmrechte, die er auf der Hauptversammlung der BASF wahrnehmen konnte. Grimm hielt auch das auf Video fest, ebenso wie die Versammlung selbst. Nun wird gefordert, dass die BASF die Zahlung von Entschädigungsleistungen und die Beteiligung einer Untersuchungskommission, die gänzlich unabhängig arbeitet, prüft.

Maren Grimm und die BASF

Maren Grimm ist eine Filmemacherin und übernimmt sämtliche Arbeiten an den produzierten Filmen. Sie schreibt das Drehbuch, führt Regie, übernimmt die Kameraführung, den Schnitt und die Vertonung. Kurzum: Sie erstellt in Personalunion Filme, darunter den 2009 entstandenen „AUTO-CEVA – Eine Begegnung und fünf Reisen nach Bukarest“ und den 2014/2015 entstandenen „Grund und Boden“, bei dem sie für Regie und Drehbuch zuständig war. Außerdem unternimmt lange Reisen, wie eben die Begleitung des Bischofs von Pretoria in diesem Jahr. Hierüber kam das Paar Grimm BASF zusammen und seither begleitet Grimm den Chemiekonzern. Dieser lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und weicht den Vorwürfen im Fall Marikana aus.

Lange Rede, langer Sinn

Grimm begleitete den Bischof auch zu seiner Rede, die er bei der Hauptversammlung der BASF hielt. Diese fand am 30. April 2015 in Mannheim statt und traf auf große Gegenliebe bei den Aktionären des Konzerns. Er forderte, dass für die Opfer des Massakers Entschädigungen gezahlt werden sollten, die vor allem von der BASF stammen müssten. Immerhin ist der Konzern der größte Kunde von Lonmin. Nach seiner Rede übergab der Bischof ein Buch an den Vorsitzenden der BASF, in dem es um das Massaker von Marikana geht. Allerdings zahlt die BASF noch keinen Cent an Entschädigungen, weil der Bericht zum Massaker bei Präsident Zuma in Südafrika liegt. Bevor es keine Veröffentlichung des Berichts gäbe, würden auch keine Entschädigungsleistungen gezahlt.

Als positives Ergebnis konnten der Bischof und Maren Grimm festhalten, dass die Aktionäre der BASF betroffen auf die Ereignisse reagiert hätten. Doch negativ fiel auf, dass aufgrund der „Entfernung zu Südafrika“ momentan nichts für die Menschen getan werden könne.

Quelle: www.kritischeaktionaere.de


Bildnachweis: © Fotolia – dpreezg

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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