Beteiligungskapital: Wenn gute Ideen Rückenwind brauchen

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Viele Menschen haben eine gute Idee – was aus dieser wird, ob sie umsetzbar und marktfähig ist, liegt nicht selten in erster Linie am vorhandenen Kapital. Dieses ist gerade bei Gründern meist wenig bis nicht vorhanden. Nun kann aber auch ein Kredit nicht in jedem Fall die Kosten abdecken, außerdem wird dieser von vielen Kreditinstituten auch gar nicht an Start-ups vergeben bzw. nicht in der benötigten Höhe. Was tun? Die Antwort lautet: Beteiligungskapital!

Was ist Beteiligungskapital?

Beteiligungskapital taucht gern unter verschiedenen Namen auf und wird auch als Risikokapital oder Venture Capital bezeichnet. Im Grunde meinen aber alle diese Begriffe dasselbe: Ein Start-up bekommt finanzielle Schützenhilfe durch ein Unternehmen oder durch eine Privatperson. Diese gibt das nötige Kapital zur Umsetzung einer Idee, zur Investition in Anlagen oder Betriebsmittel oder für eine umfassende Marketingmaßnahme. Dabei sind es nicht in jedem Fall Gründer, die Beteiligungskapital bekommen, teilweise profitieren von dieser Art der Finanzierung auch gestandene Unternehmen.

Soll die Finanzierung nun über das Wagniskapital vorgenommen werden, so kauft sich ein Investor in ein Unternehmen ein, indem er Anteile aus selbigem erwirbt. Teilweise wird dabei nicht nur Geld in das Unternehmen eingebracht, sondern die Investoren stehen den Begünstigten auch mit Fachwissen zur Seite oder bringen unternehmerisches Know-how mit ein. Insgesamt steigt damit der Wert des unterstützten Unternehmens. Verkauft der Investor später seine Anteile wieder, so zieht er daraus den Gewinn. Hier liegt im besten Fall also eine Win-win-Situation vor.

Private Investoren müssen nicht zwingend Millionäre sein: Sie bekommen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf Antrag einen Zuschuss, damit noch mehr junge Unternehmen unterstützt werden können. Wenn der Antrag auf Zahlung eines Zuschusses gestellt wird, wird hierin auch dem zu unterstützenden jungen Unternehmen die Förderfähigkeit bescheinigt, wobei es um einen festgelegten Zeitraum der Förderung geht.

Keine Sicherheiten, kein Geld?

Wenn ein junges Unternehmen oder ein neu an den Start gegangener Freiberufler Geld benötigt, führt der erste Weg meist zur Bank. Diese möchte aber Sicherheiten haben, ehe sie einen Kredit vergibt. Das dafür benötigte Eigenkapital ist meist nicht vorhanden oder wurde schon in den Aufbau des Unternehmens gesteckt. Aus Sicht der Bank bietet ein Start-up dann meist nicht genügend Sicherheiten zur Rückzahlung des Kredits. Die Kreditverhandlungen scheitern dann meist – vor allem dann, wenn die Bank eine innovative Idee nicht einschätzen kann, was deren Marktfähigkeit angeht. Das Beteiligungskapital kann dann die Rettung für einen Existenzgründer sein, der scheinbar schon vor dem ersten Schritt auf den Markt vor dem Aus steht. Dieses Beteiligungskapital wird durch private Geldgeber oder Unternehmen vergeben, die sich damit an der jungen Firma beteiligen und meist deutlich offener für neue Geschäftsideen sind als Banken. Sicherheiten spielen dann in der Regel eine eher untergeordnete Rolle, die Idee an sich ist weitaus interessanter. Dennoch muss auch für diese Investoren ein überzeugender Businessplan aufgestellt werden, aus dem auch die Qualifikation des Gründers ersichtlich wird.

 

Vor- und Nachteile von Beteiligungskapital

Der wohl größte Vorteil von Beteiligungskapital ist, dass das junge Unternehmen keine Sicherheiten stellen muss – es muss einfach nur überzeugend seine Idee präsentieren können. Das Unternehmen bekommt eine bessere Eigenkapitalbasis, auf der wiederum leichter über Kredite von Banken zu verhandeln ist. Der Grund: Buchhalterisch gesehen wird Beteiligungskapital wie Eigenkapital behandelt und verbucht. Nicht zuletzt ist das junge Unternehmen durch einen Investor mit etwas Glück in ein Netzwerk eingebunden, das ihm wiederum zu einem größeren Know-how verhilft.

Doch der Einsatz von Beteiligungskapital hat durchaus Nachteile. So entsteht im Vorfeld ein großer Aufwand, da die meisten Investoren auf ein sehr gut ausgearbeitetes Konzept bestehen. Die Suche nach einem Investor kann sich aufwendig und zeitraubend gestalten, denn viele Investoren lassen sich Wochen bis gar Monate Zeit mit der Entscheidung. Dabei ist dies natürlich auch davon abhängig, wie viel Geld tatsächlich benötigt und beantragt wird. Durch die Beteiligung der Kapitalgeber am Unternehmen erwerben diese zudem einige Rechte. Sie können zwar nicht beim operativen Tagesgeschäft mitsprechen, haben aber zum Beispiel bei Investitionen ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht. Selbst bei der Hinzuziehung von Spezialisten für bestimmte Bereiche – zum Beispiel für die Optimierung – behalten sich einige Investoren das Recht zur Mitentscheidung vor. Natürlich können diese Rechte von vornherein ausgeschlossen werden, dies stärkt allerdings nicht gerade die eigene Verhandlungsposition und der Schritt sollte gut überlegt sein, wenn es auf das Geld der Investoren tatsächlich ankommt.

Wie findet ein Unternehmen einen Kapitalgeber?

In erster Linie geht es nicht um das Eigenkapital des Investors oder wie viel Geld er zur Verfügung stellen kann, es sollte vielmehr um die Wertsteigerung des eigenen Unternehmens gehen. Folgende Kriterien sind bei der Auswahl des Investors wichtig:

  • Stimmt die Ausrichtung der Branche mit der eigenen Branche überein?
  • Welche Interessen verfolgt der Kapitalgeber?
  • Welches Kapitalvolumen ist verfügbar und wie steht es mit der Refinanzierung?
  • Gibt es die Chance, weitere Investoren hinzuzuziehen?
  • In welcher Art sollte die Beteiligung stattfinden?
  • Welche Kapitalmenge wird benötigt?
  • Über welchen Zeitraum erstreckt sich die Investition?
  • Welche Informations- und Berichtspflichten müssen eingehalten werden?
  • Wie gut ist der Investor erreichbar?
  • Bietet der Investor weitere Unterstützung und Beratung an?
  • Ergibt sich durch eine Beteiligung die Chance auf Nutzung eines Netzwerkes?
  • Wie ist der persönliche Eindruck von diesem Investor?

Es müssen nicht in jedem Fall alle Kriterien bei der Auswahl eines Investors berücksichtigt werden,
aber sie geben einen guten Anhaltspunkt für die Entscheidung für oder gegen einen Kapitalgeber.

Was wollen Kapitalgeber?

Nicht nur der Suchende kann eine Liste mit Kriterien aufstellen, die ihm bei der Auswahl der Kapitalgeber bzw. beim Finden derselben helfen kann. Auch die Investoren selbst achten auf einige Schwerpunkte:

  • Kann das Team des Unternehmens durch Fachwissen und Kompetenz überzeugen?
  • Handelt es sich um eine innovative Idee, die auf dem Markt Bestand haben kann?
  • Wie sieht es mit dem Wachstumspotenzial des Unternehmens aus?
  • Ist der Nutzen für den Kunden klar definiert?
  • Wie stehen die Marktchancen – wird die Marktführerschaft angestrebt oder handelt es sich um eine Nischenbesetzung?
  • Wie groß ist die Markteintrittsbarriere?
  • Steigert sich der Wert des Unternehmens durch die Investition oder handelt es sich um ein „Fass ohne Boden“?

Verschiedene Arten von Beteiligungskapital

Investoren haben die Möglichkeit, sich über eine offene oder eine stille Beteiligung in das junge und Geld suchende Unternehmen einzubringen. Ein stiller Gesellschafter bringt das Kapital ein und vergrößert damit das Vermögen des Unternehmens. Anteile an diesem erwirbt er damit aber nicht. Der Gründer oder das Unternehmen, welches das Beteiligungskapital empfangen hat, bleibt auch Geschäftsleiter. Handelt es sich nun aber um eine offene Beteiligung, so erwirbt der Geldgeber Anteile und wird nach außen hin erkennbarer Gesellschafter am Unternehmen. Er bekommt nicht nur eine Gewinnbeteiligung ausgezahlt, sondern erwirbt auch Mitspracherechte.

Wer bietet Beteiligungskapital an?

Als Kapitalgeber können verschiedene Unternehmen oder auch Privatpersonen in Betracht kommen.

  1. So gibt es zum Beispiel die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, welche aus Kammern oder Verbänden oder sogar aus Banken bestehen. Sie verhalten sich neutral und nehmen keinen Einfluss auf die aktuelle Geschäftsleitung. Sie sind nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt und geben das Kapital für teilweise bis zu 15 Jahre aus. Solche mittelständischen Beteiligungsgesellschaften sind in allen Bundesländern zu finden und bieten das Beteiligungskapital meist für sehr gute Konditionen an. In der Regel wird eine stille Beteiligung vereinbart. Der Antrag auf das Kapital wird direkt gestellt. Wichtig: Mittelständische Beteiligungsgesellschaften bieten häufig Sonderprogramme für Start-ups an, wobei besonders günstige Konditionen und Förderungen zu bekommen sind.
  2. In letzter Zeit bekannter geworden sind die Business Angels, die ihr Kapital vor allem für neue Ideen einsetzen. Start-ups, die voraussichtlich durch Innovation und Wachstumskraft punkten werden, kommen in den Genuss der Förderung durch die Business Angels. Meist handelt es sich dabei um Manager oder gestandene Unternehmen, die entweder betriebliches oder privates Vermögen einbringen, in jedem Fall aber auch fachliche und betriebswirtschaftliche Kompetenz besitzen. Davon kann ein junges Unternehmen nur profitieren. Business Angels arbeiten oft in Netzwerken mit, sind aber nicht selten regional fokussiert.
  3. Eine weitere Möglichkeit wird durch die privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften dargestellt, die zudem unabhängig arbeiten. Sie werden auch Venture Capital Gesellschaften genannt und finanzieren sich über Versicherungen oder Pensionsfonds. Gerade junge und voraussichtlich wachstumsstarke Start-ups stehen im Fokus des Interesses. Diese Beteiligungsgesellschaften legen sich meist nur für vier bis sieben Jahre fest und möchten danach gewinnbringend aus dem Unternehmen scheiden. Oft ist die Vergabe des Beteiligungskapitals als offene Beteiligung möglich, teilweise gibt es auch eine Kombination aus offener und stiller Beteiligung.
  4. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau nutzt den ERP-Startfonds, um junge Unternehmen zu unterstützen. Im Fokus stehen hier die kleinen Technologieunternehmen, die häufig durch innovative Ideen auffallen. Die KfW beteiligt sich aber meist nicht allein, sondern sie tritt in Kombination mit einem Leadinvestor auf, der sich in gleicher Höhe beteiligt und der einen Kooperationsvertrag mit der KfW schließen muss.
  5. Der High-Tech-Gründerfonds ist eine weitere Möglichkeit für junge Unternehmen, um an Beteiligungskapital zu gelangen. Dieser Fonds ist überwiegend öffentlich gefördert und richtet sich in erster Linie auf die Finanzierung der ersten Phasen eines Start-ups aus. Die Existenzgründer sollen damit die Chance bekommen, ihre Forschungen voranzutreiben und für eine gute Entwicklung des Unternehmens zu sorgen. Es werden durch das Beteiligungskapital Prototypen finanziert oder es geht um die Markteinführung und Darstellung des Unternehmens auf verschiedenen Plattformen. Hierbei ist es meist nicht nur mit der Vergabe von Beteiligungskapital getan, sondern es wird oft auch ein Coaching angeboten, das zum Erfolg verhelfen soll.
  6. Zuletzt sei an dieser Stelle das Crowdinvestment oder Crowdfunding genannt, dessen Idee inzwischen sogar für Privatpersonen zugänglich ist. Hier beteiligen sich viele – teilweise mehrere hundert – Investoren an einer Geschäftsidee, die eigens auf einer Internetplattform vorgestellt wird. Jeder Kapitalgeber vergibt meist nur einen kleinen Geldbetrag, was für den Investor den Vorteil hat, dass bei einer eventuellen Pleite des unterstützten Unternehmens nur wenig Geld verloren ist. Die Investoren erhalten bei dieser Art von Beteiligungskapital einen Gewinnanteil oder einen Anteil am Wert des Unternehmens. Der Vertrag wird nicht mit jedem einzelnen Investor geschlossen, sondern der Betreiber der Onlineplattform bündelt die Beteiligungen zu einem einzelnen Vertrag.
  7. Auch durch die HQ Life AG erfahren Gründer eine umfassende Unterstützung. Die seit 2009 bestehende Beteiligungsgesellschaft finanziert innovative Unternehmen aus verschiedenen Bereichen innerhalb und außerhalb Deutschlands. Vor allem Start-ups finden hier professionelle Helfer, die bei der Ideenfindung und Umsetzung derselben hilfreich zur Seite stehen.

Wann wird Beteiligungskapital benötigt und am häufigsten bewilligt?

Beteiligungskapital kann theoretisch in jeder Phase einer Unternehmenslaufbahn beantragt und auch bewilligt werden. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die meisten Investoren auf bestimmte Phasen der Antragsteller achten und dass natürlich ein Unternehmen, welches sich auf dem sprichwörtlich „absteigenden Ast“ befindet, kaum eine Finanzierung durch einen privaten oder unternehmerischen Investor finden wird. In den folgenden Unternehmensphasen ist die Vergabe von Beteiligungskapital realistisch:

  1. Investitionsphase
    Gefördert werden hier die frühen Unternehmensphasen, damit Konzeption und Entwicklung ohne finanzielle Sorgen vorangetrieben werden können. Auch die Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeiten wird unterstützt. Allerdings tragen die Kapitalgeber in dieser Phase auch das größte Risiko, denn die Gefahr ist hoch, dass es nicht zum Marktauftritt des noch jungen Unternehmens kommt. Die Anteile am Stammkapital betragen meist zwischen 5 und 25 Prozent, angelegt wird das Geld für drei bis sieben Jahre.
  2. Expansionsphase
    Die Expansionsphase wird auch als Wachstumsphase bezeichnet und beginnt, wenn die Schwelle vom bloßen Umsatz zum Gewinn überschritten wird. Das zu fördernde Unternehmen erzielt konstante Gewinne und ist am Markt bekannt. Eigenkapital wird benötigt, damit das Produktportfolio ausgeweitet werden kann oder damit ein neuer Vertriebsweg erschlossen wird. Solche Expansionsphasen kommen auch noch später im Unternehmensleben vor, wenn zum Beispiel besonders kapitalintensive Projekte angegangen werden oder wenn der Börsengang versucht wird. Die Investitionen über Beteiligungskapital werden hier auch als Bridge-Finanzierung bezeichnet. Die Investition sind für den Kapitalgeber vergleichsweise sicher, weil das zu fördernde Unternehmen schon Gewinne verzeichnen kann und damit relative Sicherheiten bietet. Das weitere Wachstum dieser Unternehmen ist wahrscheinlich, das wiederum zieht weitere Investoren an. Die Anteile am Stammkapital können hier sehr hoch ausfallen und betragen teilweise sogar bis zu 100 Prozent. Angelegt wird das Geld langfristig.


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Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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