Start Up-Boom erreicht den Fußball

Welchen Weg gehen Fußballspieler nachdem sie ihre Profikarriere beendet haben und nicht mehr im Licht der Öffentlichkeit stehen? Die anschließenden Laufbahnen sind vielfältig und durch unterschiedliche Erfolge geprägt.

Es gibt sicherlich viele prominente Beispiele unter Spielern, die sich einst dem beliebtesten deutschen Zeitvertreib gewidmet haben und die auch noch heute jeder kennt. Oliver Khan oder Mehmet Scholl waren z.B. während der letzten Europameisterschaft mal mehr und mal weniger umstrittene Kommentatoren. Davon abgesehen, weiß wahrscheinlich kaum jemand, was aus einem Großteil ehemaliger Fußballprofis geworden ist. Früher hat es vielleicht einmal zu einer Tankstelle, einem Lottoladen oder gar ein eigenes Sportgeschäft gereicht.

Die Prominenz eines ehemaligen Sportlers kann sicherlich dabei helfen, Kundschaft zu gewinnen und dementsprechend ein relativ lukratives Geschäft aufzubauen. Die digitale Welt, die damit verbundenen Fortschritte, Ideen und Start Ups eröffnen im modernen Zeitalter nun auch Ex-Profisportlern neue Möglichkeiten und vor allem lukrative Geschäftswege, die scheinbar nur darauf warten, erschlossen zu werden.

Wetten sind nicht für Jeden ein Gewinn, nicht für Jeden lukrativ

Wetten sind nicht für Jeden ein Gewinn, nicht für Jeden lukrativ (#01)

Kooperationen zwischen Fußballern und Wettanbietern

 Die Zusammenarbeit zwischen Fußball und Start Ups scheint zumindest der nächste logische Schritt zu sein. Mit dem Fußballsoftwareanbieter „easy2coach“ besteht bereits eine fruchtbare Kooperation, sowie mit dem Amateurfußballportal fupa.net haben sie ebenfalls einen weiteren wichtigen Partner an ihrer Seite. Wer weiß, vielleicht kommt ja demnächst ein Wettanbieter dazu. Schließlich investieren diese in letzter Zeit häufiger in den deutschen Fußball.

Dies ist nicht verwunderlich, erhielt das Wettgeschäft doch gerade während der Fußball-EM einen massiven Gewinnanstoß. Die Frage ist jedoch, ob und wie die Start Up-Kultur in Deutschland noch wachsen kann. Heinz Patzelt, einst CEO eines erfolgreichen Sportwettenanbieters und jetziger Betreiber von wettfreunde.net sieht in der Zusammenarbeit eines guten Teams die besten Chancen für ein junges Start Up-Unternehmen: „Selbst ein Freiberufler oder Einzelkaufmann wird, sollte er seinen Erfolg wollen und wachsen, früher oder später an seine Grenzen stoßen.“

Wettanbieter als Fußballsponsoren

 Grenzen sind bisher zumindest bei Online-Wettanbieter kaum sichtbar. Diese finden sich nämlich immer häufiger auch unter den Fußballsponsoren wieder:

  • Tipico investiert z.B. bei SV Werder Bremen, beim Hamburger SV und beim SC Freiburg – außerdem ist in diesem Zusammenhang interessant, dass Tipico offizieller Werbe- und Geschäftspartner des prominenten Torhüters Oliver Kahn ist
  • neben einer großen Anzahl von Fußballevents sponsert der deutsch-österreichische Wettanbieter bet-at-home Schalke 04 und fällt immer wieder durch ausgefallene Marketingaktionen auf
  • bwin war ein prominenter Sponsor der 1. und 2. portugiesischen Fußball-Liga und ist mittlerweile Partner des FC Bayern München, von Manchester United, RSC Anderlecht, Olympique Marseille und Real Madrid
  • mybet unterstützt Fortuna Düsseldorf
  • Interwetten ist Partner beim VfB Stuttgart und hat sich auch beim spanischen Primera Division Fußballclub FC Sevilla eingeschaltet
  • der britische Wettanbieter sportingbet ist dagegen mittlerweile Premiumpartner von ZSV 1860 München und sponserte auch für kurze Zeit Hannover 96
  • betsafe suchte beim 1. FC Köln und FC Ingolstadt 04 sein Glück
  • das österreichische Unternehmen cashpoint ist bei den beiden Fußballclubs VfL Wolfsburg und Hertha BSC vertreten
Software auch diese bleibt in diesem Sektor nicht stehen

Software auch diese bleibt in diesem Sektor nicht stehen (#02)

Software Start Ups, die Fußball-begeistern

 Gerade Online-Applikation, die sich zwar mit dem runden Leder beschäftigen, stoßen immer wieder auf große Gegenliebe beim sportlich aktiven User. Außerdem zeigen sie, dass die Sportwelt noch viele weitere Karrieremöglichkeiten bietet, die abseits des Rasenplatzes liegen.

Das Programm easy2coach kann z.B. Fußballtrainer bei der Organisation und der Auswertung von Mannschaftsterminen helfen. Weiterhin kann die Anwendung Trainingseinheiten, Spiele und Sonderveranstaltungen interaktiv organisieren. Auch Spielerleistungen lassen sich mittels easy2coach aufzeichnen und dokumentieren. Teammitglieder können sich über eine Art integriertes, soziales Netzwerk austauschen und aufeinander abstimmen. Eine Animationssoftware, die Spielabläufe und taktische Züge simuliert und eine Zeichensoftware, mittels derer Übungen bearbeitet werden können, runden das Paket ab. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eigene Videos zur taktischen Analyse hochzuladen sowie 500 standardisierte Trainingsübungen aufzurufen. Und das sind nur einige der vielen Funktionen, welche die Plattform bietet.

Interessante Sport-Start Ups

Unternehmen Motto Angebot
Tickaro „Wir demokratisieren die Sportberichterstattung“ •  jeder Sportfan kann Sportreporter sein

•  Ereignisse beim Lieblingssport mit anderen Interessierten live, einfach und schnell teilen

•  Teilen via Texten, Fotos, Videos und Einbindung bei Instagram, Twitter und YouTube möglich

Stickerstars „Dein Verein. Deine Sticker. Dein Sammelalbum“ •  Sammler können Stickern und Sickeralben für Sportvereine erstellen

•  Sponsoren haben die Möglichkeit Werbung in diesen Alben zu schalten

•  dadurch Finanzierung von z.B. Trikots oder Renovierung der Sportstätte möglich

sportvideos365.com „Your personal sport highlights in real time“ •  Liveticker für Amateur- und Jugendsport

•  Videoübertragung – Videos werden automatisch geschnitten

•  virale Verbreitung möglich – interessant auch für Sponsoren

fairplaid.org „Deutschlands größte Crowdfunding-Plattform für den Sport“ •  Sportler und Vereine können eigene Projekte veröffentlichen, das von Interessierten unterstützt werden kann

•  Aufmerksamkeit für Sportler und Verein, bestenfalls neue Sponsoren

Fanmiles „Eine Art Loyalty-Programm nur für Fans“ •  User bekommt sogenannte Fanmiles für Spielbesuche, Folgen eines Spielers auf Social Media-Seiten und Teilen von sportspezifischen Fotos

•  Nutzer erhält Geschenke, wenn genügend Miles gesammelt sind

 

Früh übt sich der Fußball- und Start Up-Profi

 

Selbst in den Regionalligen Deutschlands geht das Start- Up-Fieber um: So gründeten die vier Fußballspieler Michael Schreiner, Nicolo Incorvaia, Kai Hörsting und Michael Schweizer schon mit Anfang 30 das Unternehmen Teamwallet. Diese bietet vor allem Mannschaftskapitänen und Kassenwarten bei der Verwaltung der Mannschaftskassen Hilfestellung und große Erleichterung. Das Potential des Start Ups der vier Fußballer des TSV Obere Fils und des VfL Kirchheim erkannte auch der Regionalspieler Carmelli Scaffidi, der wiederum der Eigentümer eines eigenen Familienbetriebs ist und das junge Unternehmen nun tatkräftig unterstützt.

Anwender finden sich mittlerweile in Regional- und Bundesliga und mit easy2coach sind die vier Jungunternehmer inzwischen eine erfolgreiche Kooperation eingegangen. Natürlich finden sich auch unter den prominenteren Fußballern eifrige Investoren, die ihr Geld in ähnliche Start Ups investieren. Lothar Matthäus übernahm das Start Up trainerstar.de sogar ganz. Er ist nun Inhaber und gleichzeitig Werbe- und Aushängeschild. Ähnlich wie die Konkurrenzplattform easy2coach bietet auch diese Applikation Trainingsübungen, -Pläne, aber auch eine Fitnessberatung. Selbst 3D animierte Videos zu den Bereichen Hallentraining, Kondition und Taktik sind hier vorhanden.

Infografik: Fussballer nach ihrer Profikarriere

Infografik: Fussballer nach ihrer Profikarriere

Start Ups für Sportler – Trend aus den USA

Unter Sportlern ist der Trend zum eigenen Start Up hin nicht unbedingt neu. In den USA suchen Profi-Sportler schon länger nach vielversprechenden Investitionsmöglichkeiten. Es ist dort fast schon gang und gebe, dass Athleten nicht nur ihre Prominenz, sondern natürlich auch ihr Kapital und, falls vorhanden, ihr geschäftliches Know How zur Verfügung stellen. Der ehemalige NBA-Basketballer Rick Fox hat sich z.B. zu einem begeisterten E-Sportler gemausert. Er ist inzwischen Besitzer der amerikanischen E-Sport-Firma „Echo Fox“, welche ganze Teams in die virtuellen Welten der Spiele „Counter Strike“ und „League of Legends“ entsendet. In dieser Branche sieht er die Zukunft des Profisports und prophezeit sogar, dass jede Sportmannschaft bald auch ein eigenes E-Sport-Team besitzen wird. Diese Voraussicht scheint nicht mehr weit von der Realität entfernt zu sein, denn unlängst finden sogar entsprechende Events und Turniere im berühmt-berüchtigten Madison Square Garden statt.

Besitzer der Dallas Mavericks und selfmade Millionär Marc Cuban verkündete bereits, dass er gern der Besitzer eine E-Sport-Teams wäre. Im elektronischen Sport stecken nämlich noch viele weitere Geschäftsmöglichkeiten: Ein Sportclub wie die Dallas Mavericks könnte auf diese Weise weitaus mehr Fans anziehen. In den mittlerweile auch in dieser Branche beliebten Live-Streams stecken weitere Vertriebsmöglichkeiten. Nicht zu vernachlässigen sind sogenannte In-Game-Purchases: Hierbei handelt es sich um Punkte oder virtuelle Artikel, die der Spieler innerhalb des Spiels erwerben kann. Dafür muss der User allerdings meist mit realem Geld bezahlen.

Im Gegenzug soll sich das Spielerlebnis erweitern und verbessern. Dieser Erfolg bleibt natürlich auch in Deutschland nicht unbemerkt, so dass auch deutsche Fußballclubs wie Schalke 04 versuchen, in der Branche Fuß zu fassen. Das beliebte Spiel „League of Legends“ soll der erste Vorstoß in diese Richtung sein, folgen sollen „Dota 2“ und die populären Spiele der „Fifa“-Reihe.

 

Wie wird der Weg wohl für jeden Einzelnen nach dem Profisport aussehen?

Wie wird der Weg wohl für jeden Einzelnen nach dem Profisport aussehen? (#03)

Erfolgreiche und weniger erfolgreiche Berufswege nach der Fußballkarriere

Vor allem in der heutigen Zeit mangelt es also nicht an Möglichkeiten, mit denen sich Ex-Athleten nach der Sportkarriere weiter beschäftigen können. Dies ist umso reizvoller, wenn man die Alternativen in Betracht zieht: Mittels einer Twitter-Aktion namens „@exprofis“ spürte der Sport-journalist Thorsten Schaal mehr als 700 Ex-Fußballprofis auf, um die Frage zu klären, was diese in Vergessenheit geratenen Profis nach ihrer großen Karriere machen. Leider waren nämlich nicht alle Fußballer mit ihrem Geld so vorsichtig und einige mussten sogar in die private Insolvenz gehen. Andere ergriffen Berufe, die im Gegensatz zur glamourösen Fußballkarriere relativ ernüchternd, aber größtenteils solide sind.

Der ehemalige St. Pauli-Profi Nico „Patsche“ Patschinski verdient z.B. heute als Paketbote seine Brötchen. Thomas Berthold, einer der Weltmeister von 1990, ist mittlerweile ein Werbegesicht für Kokosprodukte. Ex-Werder Bremen-Spieler verarbeitete seine Alkoholsucht in einem eigenen Buch. Der Spieler des 1. FC Nürnberg Frank Türr ließ sich zum Polizist ausbilden und sorgt nun im Nürnberger Stadion für Sicherheit. Und Tobias Rau, Ex-Wolfsburg, -Bayern und – Nationalspieler, begann 2009/10 in Bielefeld, Pädagogik, Chemie und natürlich auch Sport auf Lehramt zu studieren.

Journalist Schaar stellte weiterhin fest, dass vor allem für Profifußballer aus den 70er Jahren der eigene Lottoladen eine beliebte berufliche Anlaufstelle war. In den 80er Jahren suchten Profisport-ler im eigenem Sportgeschäft ein dauerhaftes finanzielles Auskommen. Im 21. Jahrhundert ent-schieden sich viele für eigene Soccerhallen, für das Versicherungsgeschäft oder verdienen als Spielberater ihr Geld.

Unter den ehemaligen Profisportlern sind aber auch klassische Berufe wie Lehrer, Ärzte und Anwälte zu finden. Bayer Leverkusen-Spieler Tom Dooley wurde sogar philippinischer Nationaltrainer. Aber selbst der Trainerjob ist für den Profispieler nicht immer der nächste logische, berufliche Schritt, denn freie Stellen sind auch hier eher selten.

Für welchen Weg der ehemalige Profi sich auch letztendlich entscheidet, der nächste Schritt muss gut überlegt sein. Denn eine Sportlerkarriere kann mit jedem Foul frühzeitig beendet werden. Und selbst wenn eine Laufbahn ohne größere Verletzungen vonstatten geht, ist jeder Fußballer irgend-wann zu alt für den physisch anspruchsvollen Sport.

Eine erfolgreiche Sportkarriere garantiert nicht notwendigerweise lebenslange, finanzielle Sorglosigkeit. Mit sorgfältiger Planung eröffnet jedoch gerade die Welt des Internets ein reichhaltiges Potpourri an Möglichkeiten sowie Potential für Start Ups und deren gewinnversprechende Ideen im Sportbereich.


Bildnachweis:© Fotolia- Titelbild: Sergey Nivens-#01: Jürgen Fälchle-#02:ar130405-#03: fotomek

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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