Wiesmann Roadster: über Aufstieg und Fall eines deutschen StartUps

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Manche Start-ups haben einfach kein Glück, obwohl sie so erfolgversprechend an den Start gegangen sind. So auch die Wiesmann GmbH, die nur von 1988 bis 2014 existierte und während dieser Zeit sehr erfolgreich in der Automobilproduktion tätig war. Waren es anfangs nur Hardtops für Cabrios, wurden von Wiesmann schon ab 1993 eigene Roadster gefertigt. Diese gingen in Serie und sorgten für hohe Gewinne – dann ging es allerdings rasch bergab.

Der Beginn eines Traums

Wer die Pleite der Wiesmann GmbH verstehen möchte, muss sich zuerst den Anfang der Karriere anschauen. Der Traum begann im Jahr 1985, als Martin Wiesmann von der Essener Motor Show nach Hause fuhr und für sich beschloss, schnelle und schicke Autos bauen zu wollen. Sein Bruder Friedhelm war von der Idee begeistert und ebenfalls der Meinung, dass der eigene Roadster nicht allzu lange auf sich warten lassen müsste. Schon 1993 war es soweit und der erste Roadster mit Faltdach war fertig. Das gute Stück brachte es auf 1080 kg und 231 PS. Das Auto war recht eindrucksvoll und so ließ sich Wolfgang Reitzle – seines Zeichens nach Chef-Entwickler bei BMW – zu einer Probefahrt überreden. Danach war Reitzle so überzeugt von dem Automobil, dass er beschloss, Motoren, Getriebe und Bordnetz liefern zu lassen.

Auf der Erfolgsspur voran

Der erste MF30 (Martin und Friedhelm Wiesmann) war geboren und die Produktion kam in Fahrt. Die Autos richteten sich nicht an die Allgemeinheit, sondern waren für Liebhaber der Rennflitzer gedacht. Schon bald kamen neue Modelle auf den Markt, der MF3, MF4 und der MF5 erschien – der erste Roadster war nicht mehr allein. Einige Modelle waren bis zu 555 PS stark und schon allein aus diesem Grund für die normale Straße gar nicht mehr geeignet. Wer kann schon 300 km/h fahren? Die Autos kosteten pro Stück rund 200.000 Euro, dennoch galten sie als volksnah.

Die Zuständigkeiten waren geklärt: Friedhelm war für die Finanzen zuständig, Martin für Produktion und Technik. Er entwickelte Oberflächen, die sich von denen der Konkurrenz abhoben und sorgte für die nötige Sicherheit der Fahrzeuge.

Der Albtraum beginnt

So weit, so gut, mag sich manch Existenzgründer nun denken. Eine gute Idee haben, diese umsetzen – und Erfolg haben. So hat es auch bei der Wiesmann GmbH geklappt. Doch schon wenige Jahre später begann der Albtraum. Im Jahr 2007 konnten noch 187 Fahrzeuge verkauft werden, der Umsatz lag bei 31,7 Millionen Euro. Die Pläne für die Serienfertigung reiften heran. Bis 2014 sollte sich das Unternehmen gänzlich aufgelöst haben, einige Teile wurden sogar im Internet verschleudert. Grund: Gelder blieben aus, Millionen der Investoren zerplatzten wie eine Seifenblase.

Beginn der Probleme war im April 2008, als das neue Werk der Wiesmann GmbH eröffnet wurde. Die Menschen kamen in Scharen, um sich die neuen Maschinen anzusehen. Doch das Werk war einfach zu teuer. Errichtung, Aufbau des Markenzeichens, Eröffnungsfeier – all das schlug mit Millionen Kosten zu Buche. Seit 2003 war Stefan Breuer als Haupteigentümer in der Firma vorhanden, er scheute keine Kosten und trieb die Firma damit in den Ruin. Allein an Zinsen wurden 1,14 Millionen Euro fällig, dazu kamen 770.000 Euro als zusätzliche Personalkosten. Der Umsatz von 24 Millionen Euro erscheint da mehr als gering. Wiesmann hätte mehr als 220 Autos pro Jahr verkaufen müssen, um die Kosten wieder hereinzuwirtschaften. Das war natürlich utopisch.

Dreh- und Angelpunkt war Stefan Breuer, der sich nicht mit der günstigen Produktionsanlage von Martin und Friedhelm Wiesmann begnügen konnte, sondern unbedingt in die Vollen gehen musste. Von allem nur das Beste und davon nie genug – so treibt man eine Firma in die Insolvenz. Viele Warnungen gingen an Breuer, doch der hielt sich für kreativ und sah die Zeichen nicht. Auch der neue Investor, den die Wiesmann GmbH mit ins Boot geholt hatte, sah nur immer das Beste – Warnzeichen wurden stets ignoriert.

Verschiedene Krisen für Wiesmann

Der Roadster war gut und brachte Erfolg – die verschiedenen Krisen den Ruin. Als Stefan Breuer eingestellt worden war, sah noch alles gut aus und niemand rechnete damit, dass er mit seinen überzogenen Finanzvorstellungen das Unternehmen in den Ruin stürzen würde. Dazu kam die Lehman-Krise, die Weltwirtschaft hatte einige Probleme und der Verlust von 2008 wurde zur riesigen Katastrophe im Jahr darauf. 2009 konnten nur 112 Autos verkauft werden, was auch ohne zusätzliche – durch Breuer verursachte – Kosten zum Problem geworden wäre. Zins- und Personalkosten stiegen ins Unermessliche, das Minus betrug netto rund 4,4 Millionen Euro. Keine Bank wollte mehr einen Kredit bewilligen, Gesellschafterdarlehen durch Breuer halfen kaum noch.

Wiesmann konnte sich davon nicht mehr erholen und zwischen 2010 und 2012 schwankten die Zahlen, die jedoch konsequent im roten Bereich blieben. Die Verluste betrugen zwischen 1,2 und 4,9 Millionen Euro, ein Gewinn war meilenweit nicht mehr in Sicht.

Als Rettung nahte Peter Eßner, Investor mit dem Kapital reicher Familien. Mit seiner Hilfe sollte das Unternehmen gerettet und Stefan Breuer entmachtet werden. Doch Breuer ließ sich nicht einfach ins Abseits schießen, er lieh sich drei Millionen Euro und stellte die Banken erst einmal zufrieden. Das Grundproblem war damit natürlich nicht behoben.

Immer noch schoss Stefan Breuer quer, denn er mochte oftmals die Bedingungen nicht, zu denen Geld verliehen werden sollte. Schon bald weigerten sich die Zulieferer, für Wiesmann zu produzieren. Sie waren es leid, auf ihr Geld zu warten.

Das Ende der Wiesmann GmbH

Eine Rettung stellt sich durch die Kooperation mit einem chinesischen Automobilhersteller dar. Doch diese Lösung scheiterte, weil BMW den Chinesen nicht traute und die Plattform für den geplanten SUV nicht liefern wollte. Außerdem war spürbar, dass die Gebrüder Wiesmann nicht hinter dem Projekt standen.

Breuer hatte noch eine weitere Idee: Er setzte Rolf Haferkamp als Sanierungsexperten ein – zu dem er sich allerdings selbst ernannt hatte. Maßnahmenkataloge gab es nicht, der erhoffte Erfolg blieb aus. Martin Wiesmann hatte kaum noch Einfluss auf das Geschehen, Breuer gab immer mehr Geld aus. Informationen zum Geschäftsverlauf wurden kaum noch herausgegeben. 2012 wurde Martin Wiesmann abgesetzt – durch einen von Breuer beauftragten Anwalt. Aus dem eigenen Unternehmen entlassen! Friedhelm Wiesmann war bereits einige Zeit zuvor von sich aus ausgeschieden. Nun sollte es noch bis zum 15. August 2013 dauern, bis die Wiesmann GmbH endgültig Insolvenz anmelden musste. Im Rahmen der Insolvenz wurde das Unternehmen zerschlagen, Investoren hatten sich zwar gemeldet, jedoch nicht gezahlt. Nun steht Rolf Haferkamp aber im Blickpunkt der Justiz, denn er könnte der Insolvenzverschleppung beschuldigt werden.

Und die Moral von der Geschicht‘? Wer zu viel will, bekommt am Ende gar nichts! Treffender könnten die Geschicke des Stefan Breuer für dieses Unternehmen wohl nicht formuliert werden.


Bildnachweis: © pixelio – Hartmut910

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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